Coronavirus

Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt: Corona-Impfung in Heimen schlecht vorbereitet

Die Corona-Impfungen sollen am Sonntag mit den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen starten. Diese gehören zur Hauptrisikogruppe, aber viele können gar nicht ohne Weiteres geimpft werden.
Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollen ab Sonntag geimpft werden, aber dabei gibt es Schwierigkeiten. © picture alliance/dpa/Tampa Bay Times/AP

Am kommenden Sonntag sollen in Deutschland die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Begonnen werden soll mit den Impfungen in Pflegeheimen: Heimbewohner gehören zur Hauptrisikogruppe, unter ihnen gibt es die meisten Todesfälle und schweren Verläufe.

Doch viele der Menschen, die in Pflegeheimen leben, können gar nicht ohne Weiteres geimpft werden. Darauf weist die Deutsche Stiftung Patientenschutz hin. „Man kann nicht einfach in ein Pflegeheim gehen und dort alle Bewohnerinnen und Bewohner impfen“, warnt deren Vorstand Eugen Brysch. „1,6 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland leiden an Demenz und sind deshalb nicht einwilligungsfähig. Davon leben 600.000 Betroffene in Pflegeheimen. Immerhin sind das zwei Drittel aller Bewohner.“

Angehörige sind nicht automatisch vertretungsbefugt

Demenziell erkrankten Menschen fehlt das Urteilsvermögen, um selbst zu entscheiden, ob sie geimpft werden möchten oder nicht. Entscheidungen, die ihre Gesundheit betreffen, werden daher von einem rechtlichen Betreuer oder einem Bevollmächtigten getroffen. Angehörige hingegen seien nicht automatisch vertretungsbefugt.

Demenziell Erkrankte ohne die Zustimmung eines Betreuers oder Bevollmächtigten zu impfen ist nicht erlaubt. „Das wäre rechtlich gesehen schlichtweg Körperverletzung“, sagt Brysch. Es gelte jedoch auch zu vermeiden, dass impfwillige Menschen nicht von der Impfung profitieren können, nur weil versäumt wurde, die erforderliche Zustimmung einzuholen.

Ärztliches Aufklärungsgespräch ist vor der Impfung notwendig

Vor der Einwilligung durch einen Betreuer müsse eine Beratung durch den jeweiligen Arzt der Heimbewohner erfolgen. „Die Mediziner haben sowohl Krankengeschichte, den Immunstatus als auch Allergien des Impfwilligen in den Blick zu nehmen“, sagt Brysch. Mittlerweile hätten Pflegeheime mit Gesundheitsämtern pauschale Einwilligungserklärungen von ihren Bewohnern eingeholt. „Dabei bestehen Zweifel, ob die strengen Anforderungen an eine individuelle ärztliche Aufklärung immer erfüllt wurden. Es wäre für die Impfkampagne fatal, wenn sich bei Konflikten im Nachhinein herausstellen würde, dass die gebotene Sorgfalt außer Acht gelassen wurde.“

Es gebe aber noch eine weitere Herausforderung, sagt der Patientenschützer: „Etwa eine Million der demenziell Erkrankten lebt nicht in Heimen, sondern zu Hause bei der Familie.“ In vielen Fällen sei bisher trotz der Krankheit kein rechtlicher Vertreter vorhanden. „Diese Personen zu impfen wäre somit aber trotzdem nicht erlaubt“, so Brysch. „Es gilt auch für diese Fälle dringend eine Lösung zu finden.“

RND

Der Artikel "Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt: Corona-Impfung in Heimen schlecht vorbereitet" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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