Hochzeiten Ehe

Hochzeitsjahr 2021: „Zurzeit planen wir in der Regel gar nicht“

Rund 80 Prozent der geplanten Hochzeiten sind im Jahr 2020 weggefallen. Auch für 2021 gibt es laut Kennern der Branche wenig Planungssicherheit.
Zum Themendienst-Bericht vom 28. August 2020: Wann wird geheiratet? Und wie? Für Brautpaare bringt die Corona-Krise zahlreiche Unsicherheiten. © picture alliance/dpa

Ein rauschendes Fest mit Küsschen und Umarmungen. Familien-Verbrüderung im Sektrausch, durchgeschwitzte Anzüge im Tanzflächengetümmel. So oder so ähnlich stellen sich viele Paare ihre Hochzeitsparty vor – doch in der Corona-Krise scheint das undenkbar. Stattdessen gilt: Masken tragen, Abstand halten, unter sich bleiben.

„Da verstehe ich schon gut, wenn jemand sagt, dass er unter solchen Umständen nicht feiern möchte“, sagt Svenja Schirk. Doch genau diese Unlust zum Feiern ist für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen ein echtes Problem – denn sie ist Hochzeitsplanerin. Und hatte ein „katastrophales“ Jahr 2020, wie sie selbst sagt.

80 Prozent der Hochzeiten seien weggefallen – entweder, weil Paare im kleinen Kreis gefeiert und storniert haben oder weil sie verschoben haben, sagt Schirk, die auch Sprecherin im Bund Deutscher Hochzeitsplaner ist.

Und 2021? Sieht es nicht viel besser aus. „Zurzeit planen wir in der Regel gar nicht – das letzte Paar, das ich für 2021 noch auf dem Zettel hatte, hat bei mir gerade storniert. Es ist einfach zu viel Unsicherheit da.“

Hochzeiten vielfältiger und spontaner

Auch wenn die Unsicherheit groß sei, geheiratet werde trotzdem – und auch gefeiert, sagt Susan Lippe-Bernard, Chefredakteurin von „Braut & Bräutigam“. Aber sicher nicht im üblichen Rahmen. „Hochzeiten werden 2021 vielfältiger und spontaner, das muss ja keine schlechte Sache sein.“

Wer unbedingt groß feiern will, sollte dagegen lieber noch ein Jahr warten. „Wir können immerhin sagen, dass 2022 vermutlich ein großartiges Hochzeitsjahr wird“, sagt Lippe-Bernard.

Grundsätzlich sei es auch schon möglich, Reservierungen für 2022 zu machen – oder zumindest mit Gastronomen und Dienstleistern zu sprechen. „Am besten ist ohnehin immer, mit der Wunsch-Location und den verschiedenen Dienstleistern einfach im Kontakt zu bleiben. Auch die haben ja keine Planungssicherheit und müssen sich immer neu auf die verändernde Situation einstellen.“

Hochzeitsplanung wie Pauschalreisen

Flexibel bleiben und Kontakt halten: Das gilt nicht nur für 2022 – sondern auch für Hochzeitspaare, die tatsächlich für 2021 eine Hochzeit planen oder geplant haben. Zum Beispiel, weil sie eigentlich 2020 groß feiern wollten. „Mit dem Heiraten ist es 2021 im Grunde wie mit dem Reisen: Wer das jetzt planen will, sollte schauen, dass er so kurzfristig und flexibel wie möglich plant“, sagt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Das sei bei einer Hochzeit zwar schwieriger. Möglich ist es aber, jetzt mehr denn je. „In anderen Branchen sehen wir gerade, dass die Unternehmen als Reaktion auf die Zurückhaltung der Verbraucher sehr flexible Regelungen einführen“, so Husemann. „Und auch die Hochzeitsbranche ist da sicherlich gesprächsbereit.“

Möglichst keine teuren Anzahlungen

Vereinbarungen zu Reservierungen und deren Stornierung sollten Brautpaare und ihre Geschäftspartner unbedingt schriftlich festhalten. Und wie immer gilt: Kleingedrucktes, die Geschäftsbedingungen also, genau lesen – vor allem zu den Punkten Stornierung und Umbuchungen.

Von Anzahlungen raten die Verbraucherschützer grundsätzlich ab. Das sei aber nicht immer realisierbar, sagt Husemann. „Zum Teil ist das ja auch verständlich: Wenn ein Unternehmen zum Beispiel den Wareneinkauf machen muss, soll es dafür ja nicht zu hundert Prozent in Vorkasse gehen müssen.“

Verbraucher sollten prüfen, ob sie die Bedingungen der Anzahlungen etwas sicherer gestalten können. Vielleicht lassen sich Beträge staffeln, vielleicht lässt sich der Termin der Zahlung auf ein paar Wochen vor dem Hochzeitstermin verschieben? „Dann ist vielleicht auch schon abzusehen, wie die Lage gerade ist“, sagt Husemann. Und warnt gleichzeitig: „Bei einer Anzahlung besteht immer das Risiko, dass Geld weg ist – etwa, wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss.“

Corona-konforme Planung ist möglich

Immerhin: Das Risiko, 2021 keinen Platz mehr zu bekommen, ist inzwischen gering. „Zwischendurch war es tatsächlich so, dass zum Beispiel die Locations für 2021 ziemlich ausgebucht waren“, sagt Hochzeitsplanerin Schirk. Das Problem gibt es jetzt nicht mehr.

Besser zu den Corona-Vorsichtsmaßnahmen könnte im nächsten Jahr dann eine „Sonntagshochzeit“ passen, sagt Chefredakteurin Lippe-Bernard. Die Trauung um 11, im Anschluss Mittagessen und Kaffeetrinken. Dann müsse nur noch das Wetter mitspielen: „Die meisten Brautpaare wünschen sich ohnehin eine Trauung draußen.“

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