Lustige Antworten

„Ich habe leider keine Ahnung“: Die bizarre Welt der sinnlosen Kundenantworten bei Amazon

Kunden fragen, Kunden antworten: Unter vielen Amazon-Artikeln finden sich bizarre Antworten auf simple Fragen. Teils sind auch die Fragen ein Knaller: „Darf der Plüsch-Brathahn in die Mikrowelle?“
Die Kundenfragen und -antworten bei Amazon sorgen für so manches Schmunzeln - passend zum Firmenlogo. © picture alliance/dpa

Auf die Kundenfrage „Gibt es ein passendes Regal für den Inhalt dieses Sets?“ las ich jüngst bei Amazon folgende Antwort: „Kommt darauf an, welche Regale man zu Hause hat.“ Das ist bestürzend akkurat. Dabei fiel mir auf, dass ich im Internet noch niemals auch nur eine einzige hilfreiche Antwort auf eine Kundenfrage las.

Amazon lässt seine Kunden gern miteinander sprechen, dann sind die von der Straße und der Kundendienst hat auch seine Ruhe. Dafür gibt es das Instrument der Kundenfrage. Kunden, die ein Produkt bereits besitzen, sollen jenen, die es zu erwerben planen, unter die Arme greifen.

Es ist ein Pepetuum Mobile der Kundenbespaßung. Das ist oft sinnlos, aber billiger. Und es geht selten gut. Da fragt zum Beispiel ein Interessent zu einem Wasserhahn für die Küche: „Wie groß muss das Loch in der Spüle sein?“ Und ein anderer antwortet in groß: „KANN ICH NICHT BEANTWORTEN, DA ICH DIE WARE ZURÜCKGESCHICKT HABE.“

„Weiß ich nicht, weil ich es noch nie versucht habe! LG“

Überraschend oft schreiben Kunden, dass sie sich außerstande sehen, zu antworten. Da möchte etwa jemand wissen, wie man die Scherköpfe an einem Rasierer wechselt. Die erste Antwort kommt von Burkhard. Sie lautet: „Kann ich leider keine Antwort geben.“ Die zweite Antwort kommt von Bernhard. Sie lautet: „Normalerweise müsste es gehen.“ Danke, Burkhard und Bernhard, für eure Beiträge.

  • Zu einem Paar Socken fragt ein weiterer Kunde: „Passen die Socken bei Größe 47?“ Die Antwort von Kunde Goerkel dürfte kaum geholfen haben: „Ob sie in Größe 47 passen, weiß ich nicht, ich habe Schuhgröße 40.“
  • Zu einer Mikrowelle fragt ein Kunde: „Dieses Gerät hat keine Dampfgarfunktion. Kann trotzdem Gemüse zubereitet werden?“ Die Antwort von Siegmund: „Weiß ich nicht, weil ich es noch nie versucht habe! LG“ Eine kurze, ehrliche Antwort, die niemanden weiter bringt. Immerhin grüßt er noch lieb, der Siegmund.
  • Zu einem Bügeleisen fragt ein Amazonkunde: „Wie ist Dauerdampf möglich?“ Die Antwort von der „Landkatze“: „Keine Ahnung, sorry.“
  • Ein Kunde fragt: „Gibt es zu dieser Uhr Ersatzarmbänder?“ Die Kundenantwort von „T.“: „Danke, es geht mir gut.“

Was ist mit den Leuten los? Meine These: Offenbar halten viele Menschen die automatische Mail von Amazon („Können Sie diese Frage zu Produkt XY beantworten?“) für eine private Nachricht, aus der sich bei der Beantwortung – je nach Stand der Sterne – glückliche Ehen, gewaltige Erbvermögen oder sensationelle Geschäftsideen ergeben könnten.

Es gebietet einfach die Höflichkeit, zu antworten, wenn man gefragt wird. Anders ist die freundliche Auskunftsbereitschaft bei gleichzeitiger absoluter Ahnungslosigkeit nicht zu erklären. „Schweigen ist die unerträglichste Erwiderung“, heißt es beim britischen Schriftsteller (und Pater-Brown-Erfinder) Gilbert Keith Chesterton. Heißt: Wer sich benehmen kann, der antworte. Egal, ob er dazu befähigt ist. Zumal, wenn er mit den Gepflogenheiten in der digitalen Welt nicht vertraut ist.

  • Nehmen wir zum Beispiel Katrin (Name von der Redaktion nicht geändert). Da fragt ein Kunde zu einer Universalfernbedienung: „Die Tasten hoch und runter für das Wechseln der Sender funktionieren nicht. Kann ich diese anlernen?“ Katrins Antwort: „Ich weiß es nicht. Einfach ausprobieren.“ Sehr guter Hinweis, danke Katrin.
  • Ein potenzieller Kissenkäufer fragt: „Kann mir jemand die genauen Maße des Kissens mitteilen?“. Die Antwort von „Harry“: „Sorry, leider nicht, mein Kissen wurde gestohlen.“
  • Ein weiterer Kunde hat eine Frage zu einem Pullover: „Wie dunkel ist das Navyblau?“ Die Antwort: „Ich weiß es nicht, ich habe den roten gekauft.“
  • Zu einer Leselampe fragt ein weiterer Kunde: „Das Kabel wird sehr heiß, ist das normal?“ Die kurze Antwort von Horst, offenbar ein geschulter Elektrotechniker: „Ich denke eher nicht.“
  • Um elektronische Expertise geht es auch bei der folgenden Frage zu Leuchtstützrädern für Kinderfahrräder. Da fragt ein Kunde: „Warum leuchtet nur ein Rad, wenn sie sich drehen?“ Die Antwort eines anderen Kunden ist von bestürzender Sachlichkeit, könnte aber, ohne dass ich nähere Informationen zum Sachverhalt hätte, durchaus zutreffen. Das Resultat seiner Pro­blemanalyse lautet schlicht: „Kaputt.“

Ist das Plüschtier-Brathähnchen mikrowellengeeignet?

Manchmal ist es nicht der Antwortende, sondern der Fragesteller, der Verzögerungen im intellektuellen Betriebsablauf offenbart. Zu einem Kuscheltier aus Stoff in Form eines Brathähnchens fragt ein Kunde: „Ist das Hähnchen auch für die Mikrowelle?“ Die Antwort: „Das Hähnchen ist ein Spielzeug und nicht für die Mikrowelle.“ Gleiches gilt für eine Haarschneidemaschine, zu der ein Kunde fragt: „Ist dieses Gerät sicher für Kinder?“ Die Antwort von Radek: „Wenn Erwachsene deren Haare schneiden, dann glaube ich schon.“

„Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“

Und manchmal, ganz selten, ist sich der Beantwortende seiner Grenzen durchaus bewusst. So schreibt etwa ein Nutzer namens Thomas auf die Frage „Ist der Wireless Controller für andere Spiele nutzbar?“ in entwaffnender Offenheit: „Ich habe von den Sachen keine Ahnung.“ Ein Hoch auf so viel Aufrichtigkeit.

„Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“, hat Johann Wolfgang von Goethe geschrieben, aber das war 200 Jahre vor dem kommunikativen Elend des Digitalzeitalters.

Juan kennt die Antwort, aber er verrät sie nicht

Es ist viel Einsamkeit und Sehnsucht da draußen. So viel, dass „Juan“ bei seiner Antwort zu einer technischen Frage („Weiß jemand, wie ich drei Monitore verbinden kann?“) offenbar von seinen Gefühlen übermannt wurde. Juans Antwort: „yes, love.“ Das war’s.

Juan kennt also die Antwort, aber er verrät sie nicht. Vielleicht, weil für Juan die Liebe selbst die Antwort auf alles ist. Falls Sie sich jetzt fragen, ob die Corona-Isolation das Phänomen noch befeuert hat: Ich weiß es leider nicht. Ich habe das Produkt nicht gekauft. Tut mir leid.

Der Artikel "„Ich habe leider keine Ahnung“: Die bizarre Welt der sinnlosen Kundenantworten bei Amazon" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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