Coronavirus

Ist die Corona-Impfung auch für Allergiker geeignet?

Die britischen Behörden raten Personen, die zu allergischen Reaktionen neigen, von der Corona-Impfung ab. In Deutschland wurde eine solche Warnung bisher nicht ausgesprochen.
In wenigen Tagen sollen die ersten Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft werden. © picture alliance/dpa/KEYSTONE

In mehreren Fällen sind bisher allergischen Reaktionen in Zusammenhang mit der Corona-Impfung bekannt geworden. In der vergangenen Woche waren bei zwei Personen in Alaska Atemnot, Herzrasen und Hautausschlag aufgetreten, nachdem ihnen die Impfung von Biontech und Pfizer verabreicht worden war.

Eine von ihnen musste auf der Intensivstation behandelt werden, eine dritte Person mit allergischen Symptomen musste nach der Impfung in der Notaufnahme versorgt werden. Wie ein Mitarbeiter der amerikanischen Aufsichtsbehörde FDA mitteilte, geht sie etwa fünf solcher Fälle nach, berichtete Reuters am vergangenen Wochenende.

Auch in Großbritannien war es nach der Impfung bei zwei Mitarbeitern des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS zu akuten allergischen Reaktionen gekommen. Bei ihnen, nicht aber bei den Betroffenen in den USA, war zuvor eine Neigung zu allergischen Symptomen bekannt gewesen.

Behörde rät bei anaphylaktischen Reaktionen von Impfung ab

Die Symptome, die nach der Impfung aufgetreten sind, bezeichnet man auch als anaphylaktische Reaktionen. Dabei handelt es sich um allergische Symptome, die auf die Organsysteme übergreifen, also auf die Atemwege, die Haut, den Magen-Darm-Trakt oder das Herz-Kreislauf-System. Im schlimmsten Fall und unbehandelt droht ein lebensgefährlicher Schockzustand mit Kreislaufversagen (anaphylaktischer Schock).

Anaphylaktische Reaktionen sind als Nebenwirkungen auch bei anderen Impfungen bekannt, treten aber normalerweise seltener auf als jetzt nach der Corona-Impfung. Nach einer Auswertung des Vaccine Safety Datalink Project kommt etwa ein Fall anaphylaktischer Reaktionen auf 760.000 Impfungen. Mit dem Corona-Impfstoff sind in den USA erst etwas mehr als 600.000 Menschen geimpft worden und es wurden bereits mindestens fünf solcher Reaktionen beobachtet.

Was aber bedeutet all das nun für die Sicherheit der Impfung – und ist sie für Menschen, die ohnehin schon an Allergien leiden, besonders gefährlich?

Zumindest die britische Behörde MHRA rät grundsätzlich allen Personen von der Corona-Impfung ab, die bereits eine Vorgeschichte anaphylaktischer Reaktionen auf Impfungen, Medikamente oder Nahrungsmittel haben. Denn bei ihnen könnte das Risiko für Nebenwirkungen in besonderer Weise erhöht sein. Ob das auch für Personen mit leichteren Allergieformen gilt, lässt sich bisher noch nicht sagen. Die amerikanische Behörde CDC empfiehlt Personen mit einer Vorgeschichte schwerer allergischer Reaktion auf Impfungen oder Injektionen, sich vor der Impfung ärztlich beraten zu lassen.

USA und Großbritannien raten zu Vorsichtsmaßnahmen

Da die anaphylaktischen Reaktionen aber selbst bei Personen ganz ohne Allergien aufgetreten waren, empfehlen sowohl die britischen als auch die amerikanischen Behörden weitere Vorsichtsmaßnahmen. So sollen überall dort, wo geimpft wird, Notfallmedikamente zur Behandlung anaphylaktischer Reaktionen bereitgehalten werden.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt außerdem, Personen mit einer Vorgeschichte schwerer allergischer Reaktionen nach der Impfung 30 Minuten lang zu beobachten und alle anderen Personen für 15 Minuten. Auch die britische Gesundheitsbehörde rät, Geimpfte mindestens 15 Minuten und solche mit erhöhtem Risiko für Nebenwirkungen mindestens 30 Minuten lang zu beobachten.


Deutsche Behörden geben keine Warnung an Allergiker

Dem Arbeitskreis Allergologie- und Anaphylaxieschulungen Hannover zufolge neigen in Deutschland etwa zwei bis drei von hundert Personen zu anaphylaktischen Reaktionen. Trotz der Berichte aus den USA und Großbritannien haben deutsche Institutionen aber noch keine Warnung für starke Allergiker ausgesprochen, die sich impfen lassen wollen. Im Aufklärungsblatt zur Corona-Impfung steht, bei „einer Überempfindlichkeit gegenüber einem Impfstoffbestandteil“ solle nicht geimpft werden. Dabei handelt es sich aber um eine Standardwarnung, die sich auch in etlichen Beipackzetteln anderer Impfungen oder Medikamente findet.

Unter dem Punkt „Impfkomplikationen“ weist das RKI darauf hin, dass nach der Corona-Impfung „in sehr seltenen Fällen“ Überempfindlichkeitsreaktionen aufgetreten seien, die ärztlich behandelt werden mussten. Weiter heißt es: „Bei schweren Beeinträchtigungen begeben Sie sich bitte umgehend in ärztliche Behandlung.“

Längerer Beobachtungszeitraum in der Impfempfehlung

Auch in der offiziellen Impfempfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) findet sich nur ein kurzer Hinweis: So heißt es dort, bei „Risikopersonen“, wie zum Beispiel „Personen mit anaphylaktischen oder stärkeren Reaktionen auf Impfungen“ solle nach der Impfung eine längere Nachbeobachtungszeit eingehalten werden. Die Nachbeobachtungszeiten wurden in der Impfempfehlung des Instituts nachträglich überarbeitet und heraufgesetzt. So werden nun auch vom RKI jeweils 15 Minuten (für alle) und 30 Minuten (für Risikopersonen) zu Nachbeobachtung Geimpfter empfohlen.

Noch unklar ist, wie diese Nachbeobachtungszeiten bei den geplanten Massenimpfungen in Pflegeheimen und Impfzentren eingehalten werden sollen. Konkrete Nachfragen zu den geplanten Sicherheitsvorkehrungen beantwortet das Bundesministerium für Gesundheit nicht. Die Organisation der Impfzentren „obliege den Ländern“, teilt die Pressestelle hierzu mit.

Der Artikel "Ist die Corona-Impfung auch für Allergiker geeignet?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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