Coronavirus

Lieferschwierigkeiten bei Pfizer: Was bedeutet das für Europa?

Pfizer kann dieses Jahr nur die Hälfte der versprochenen Impfstoffdosen liefern. Die EU hatte vorab Vereinbarungen mit dem Hersteller geschlossen, aber zugelassen ist der Stoff noch nicht.
Pfizer kann dieses Jahr nur halb so viele Impfdosen herstellen, wie ursprünglich vorgesehen. © picture alliance/dpa/BioNTech SE

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech könnte der erste auf dem europäischen Markt sein. Allerdings werden in diesem Jahr weniger Dosen hergestellt, als zunächst geplant. Entwickelt hatten der US-Konzern Pfizer und das Mainzer Unternehmen Biontech den Impfstoff gemeinsam, Pfizer ist für die Produktion zuständig.

Pfizer hatte im November mitgeteilt, dass es nur halb so viele Impfdosen herstellen kann, wie ursprünglich vorgesehen. Statt der zunächst versprochenen 100 Millionen Impfdosen sollen nur noch 50 Millionen ausgeliefert werden. Aber was steckt hinter den Lieferschwierigkeiten und wird der Impfstoff deshalb später in Europa verfügbar sein?

Impfdosen sollen nach Europa geliefert werden

Nach einem Bericht des Wall Street Journal hatte es Qualitätsprobleme bei den Rohstoffen gegeben, die für die Herstellung benötigt werden. Auch sollen Studienergebnisse erst später vorgelegen haben, als zunächst erwartet. Im kommenden Jahr sollten jedoch wie geplant 1,3 Milliarden Impfdosen hergestellt werden.

Gegenüber der Bild-Zeitung sagte eine Sprecherin von Biontech, die Entscheidung, das Auslieferungsziel für 2020 anzupassen, habe man “aufgrund sich ändernder Zulassungs- und Genehmigungspläne und anderer Faktoren getroffen.” Man prüfe die Möglichkeiten, die Produktionskapazitäten im nächsten Jahr vielleicht sogar über die 1,3 Milliarden hinaus zu erhöhen. Es drohe auch kein kompletter Ausfall der Lieferungen nach Europa, so die Sprecherin: Es stünden Dosen für die Auslieferung ins Vereinigte Königreich und andere Länder bereit.

EU hat Vereinbarung mit Impfstoffhersteller geschlossen

Unklar ist allerdings, wie viele Dosen geliefert werden können. Eine Anfrage des Redaktionsnetzwerk Deutschland dazu hat Biontech bisher noch nicht beantwortet. Laut einem dpa-Bericht hatte das Unternehmen mit Großbritannien eine Lieferung von insgesamt 40 Millionen Impfstoffdosen ab Dezember vereinbart. 800 000 Dosen sollen dort in der kommenden Woche zur Verfügung stehen. Für eine Immunisierung werden pro Person zwei Impfdosen benötigt.

In der Europäischen Union ist die Impfung von Biontech und Pfizer ohnehin noch nicht zugelassen. Die EU hatte aber für den Fall der Zulassung den Kauf von 200 Millionen Dosen und die Lieferung weiterer 100 Millionen Dosen mit Biontech vereinbart. Diese würden in den Mitgliedsstaaten verteilt werden. Deutschland stünden dann etwa 56 Millionen Dosen zu.

300 Millionen Impfstoffdosen vorab gesichert

Vereinbarungen wurden aber auch mit anderen Herstellern getroffen: Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge hat sich Deutschland vorab Rechte an insgesamt 300 Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller gesichert. Wenn mehrere Impfungen gleichzeitig zugelassen würden, könne man nicht benötigte Impfstoffe an andere Länder weiterverteilen, hatte Spahn im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt.

Kurzfristige Lieferschwierigkeiten bei Biontech und Pfizer würden sich also nicht zwangsläufig auf die Verfügbarkeit in Deutschland auswirken – erst recht nicht, wenn der Produktionsrückstand wie angekündigt im nächsten Jahr aufgeholt wird. Es ist außerdem möglich, dass die Impfung eines anderen Herstellers eher zugelassen wird und eher oder zeitgleich zum Biontech und Pfizer-Impfstoff sein wird.

RND

Der Artikel "Lieferschwierigkeiten bei Pfizer: Was bedeutet das für Europa?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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