Nachkriegsgeschichte

Maas: Brandts Kniefall hat Deutschland bei Selbstfindung geholfen

Vor etwa 50 Jahren ist der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau auf die Knie gefallen. Heiko Maas würdigte diese emotionale Geste als herausragendes Ereignis der Nachkriegszeit.
Der Kniefall von Willy Brandt vor etwa 50 Jahren fand weltweit Beachtung als Bitte um Vergebung für die Verbrechen der Nationalsozialisten. © picture alliance/dpa

Außenminister Heiko Maas hat den Kniefall von Willy Brandt in Warschau vor 50 Jahren als herausragendes Ereignis der Nachkriegsgeschichte gewürdigt. „Wie kaum ein anderes Ereignis hat Willy Brandts Kniefall zur Selbstfindung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und zur Aussöhnung in Europa beigetragen“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

„Heute gilt es, gemeinsam mit Polen die Zukunft unseres vereinten Europas zu gestalten, um unseren Kontinent insgesamt stärker zu machen. Wir Deutschen werden dabei niemals vergessen, welche Überwindung es für Polen und die Nachfahren der Millionen Opfer bis heute bedeuten muss, Willy Brandts stille und demütige Bitte um Vergebung anzunehmen.“

Woidke sieht im Kniefall Brandts Symbol für Neuanfang

Der Polen-Koordinator der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), sieht in dem Kniefall ein Symbol für den Neuanfang. “Ohne Mut, Verantwortungsbereitschaft und Weitsicht auf beiden Seiten hätte der Weg der Annäherung und Versöhnung zwischen Deutschen und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht beschritten werden können”, betonte Woidke am Samstag in einer Mitteilung.

Dass Deutsche und Polen heute Freunde und Partner seien, sei keine Selbstverständlichkeit. “Dieses Vermächtnis hochzuhalten, liegt in unserer Verantwortung”, betonte Woidke.

Der Kniefall von Brandt sei 25 Jahre nach Kriegsende und mitten im Kalten Krieg eine emotionale und berührende Geste gewesen. Sie habe auch die innere Stärke und die tiefe humanistische Überzeugung des späteren Friedensnobelpreisträgers zum Ausdruck gebracht, auch weil seine Ostpolitik im damaligen Westdeutschland mit Argwohn und Ablehnung begleitet worden sei.

Der frühere polnische Ministerpräsident und EU-Ratspräsident Donald Tusk rief Europas Politiker dazu auf, sich auch heute noch ein Beispiel an dieser historischen Geste zu nehmen. In einer Videobotschaft für eine virtuelle Gedenkveranstaltung des Willy-Brandt-Forums im rheinland-pfälzischen Unkel erinnerte Tusk am Sonntag daran, dass Brandt das Zustandekommen seines Kniefalls einmal mit dem einfachen Satz beschrieben habe: “Man musste irgendetwas tun.” Diese Botschaft sei heute so gültig und so wichtig wie eh und je.

“Ich möchte sie allen Europäern widmen, und besonders den europäischen Politikern”, sagte Tusk, der heute Vorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP) ist. “Wenn wir unseren Werten treu bleiben wollen, dann müssen wir manchmal niederknien. Und manchmal auf den Barrikaden stehen. Mutig und kompromisslos im Angesicht des Bösen, bescheiden im Angesicht der Wahrheit und des Leidens. So wie Willy Brandt am 7. Dezember 1970.”

Am 7. Dezember 1970 hatte Brandt unmittelbar vor der Unterzeichnung des Vertrags, in dem die Bundesrepublik die polnische Westgrenze anerkannte, am Denkmal der Helden des jüdischen Ghettos in Warschau einen Kranz niedergelegt. Nach dem Zurechtrücken der Kranzschleifen fiel der SPD-Politiker auf die Knie. Die Geste fand weltweit Beachtung als Bitte um Vergebung für die Verbrechen der Nazizeit und als Zeichen für Versöhnung.

Maas sagte, Geschichte erschließe sich oft erst in der Rückschau. „Bei Willy Brandts Kniefall war es anders. Man verstand sofort die Bedeutung dieser Geste und alle wussten: hier wird gerade eine neue Seite aufgeschlagen.“ Es sei auch dieses Gespür für den Moment, das Willy Brandt zu einem besonderen Politiker gemacht habe.

RND

Der Artikel "Maas: Brandts Kniefall hat Deutschland bei Selbstfindung geholfen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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