Coronavirus

PCR-Tests werden knapp: Was bedeutet das für mich?

Bund und Länder wollen PCR-Tests priorisieren: für Ältere, Vorerkrankte und Personal im Gesundheitswesen. Worauf müssen alle anderen in Zukunft achten?
Menschen stehen vor einem PCR-Testzentrum für einen Corona-Test an. © picture alliance/dpa

Der PCR-Test gilt, auch bei Omikron, als Goldstandard. Sein großer Vorteil: Auch bei geringer Viruslast kann er bestätigen, ob man infiziert ist. Deshalb sollen bislang auch alle Menschen mit einem positiven Schnelltestergebnis einen PCR-Test nutzen, um eine klare Diagnose zu bekommen: Ist man gerade infiziert – oder eben nicht?

Diese Strategie wird sich nun aber wahrscheinlich ändern. Bund und Länder wollen die nationale Teststrategie anzupassen. Wieso ist das nötig – und was sollte man zukünftig tun, wenn ein Corona-Verdacht aufkommt und kein PCR-Test möglich ist? Ein Überblick:

Coronatests in der Omikronwelle – was ist das Problem?

Die Omikron-Welle verändert die bisherige Infektionsdynamik. Die derzeit hohe und voraussichtlich weiter steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen führe zu Engpässen bei den verfügbaren PCR-Tests, heißt es im Beschlussvorschlag vor den Bund-Länder-Gesprächen von Sonntagmittag. „Die Labore sind bereits in Teilen überlastet“, heißt es im Papier, das dem RND mit Stand Sonntagmittag vorliegt. Auch der Vorsitzende des Verbandes Akkreditierte Labore in der Medizin, Michael Müller, sagte vor wenigen Tagen, dass die Labore bereits „an den Kapazitätsgrenzen und darüber hinaus“ sind.

Die bisherige nationale Teststrategie sieht aktuell noch vor, dass alle Verdachtsfälle eine PCR-Diagnostik brauchen. Das heißt: Fällt der Schnelltest im Testzentrum oder zu Hause positiv aus – egal ob man Symptome verspürt oder nicht – folgt ein kostenloser PCR-Test zur Abklärung. Auch wenn die Warnapp rot wird, konnte man sich bisher um einen PCR-Test bemühen.

Wenn sich aber sehr viele Menschen auf einmal anstecken, wird dieses Vorgehen schwieriger. Laut dem Robert Koch-Institut können im Moment wöchentlich etwas mehr als zwei Millionen PCR-Tests durchgeführt werden. Das Limit war aber schon Mitte Januar fast komplett ausgereizt. So meldeten die akkreditierten Labore in der Medizin zwischen dem 10. und 16. Januar 1.955.439 durchgeführte PCR-Untersuchungen. Seitdem sind die Infektionszahlen noch einmal deutlich nach oben gegangen, und damit auch die PCR-Untersuchungen. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt an diesem Montag 840 und 63.393 offiziell bestätigte positive Corona-Fälle wurden allein an diesem Tag gemeldet (Stand: 24. Januar).

Neue Corona-Teststrategie: Was plant die Politik?

Bund und Länder wollen die nationale Teststrategie und die Coronavirus-Testverordnung angesichts der Lage abändern. Die besonders präzisen PCR-Tests sollen angesichts knapper Kapazitäten nur noch bestimmen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen: bei Engpässen dann nur noch Personen, die ein Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Dazu zählen Ältere, Vorerkrankte und Patienten und Patientinnen mit Immunschwäche. Auch bei Beschäftigten in Krankenhäusern, in ärztlichen Praxen oder in der Pflege soll ein Verdacht auf eine Corona-Infektion weiter durch einen PCR-Test abgeklärt werden. Denn diese arbeiten in sensiblen Bereichen.

So eine Strategie befürwortet auch ALM-Vorsitzender Jan Kramer. „Ohne fachärztliche Labordiagnostik ist in den meisten Fällen keine Diagnose und Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen möglich“, betonte er in einer Pressemitteilung von Mitte Januar. Das könne inzwischen nur die Priorisierung von Tests gewährleisten.

Corona-Verdacht: Wie funktioniert der Nachweis dann bei allen anderen?

Alle anderen, die nicht zur Gruppe der Priorisierten gehören, sollen künftig auf andere Art und Weise nachweisen, dass sie sich mit Corona infiziert haben und asymptomatisch oder symptomatisch an Covid-19 erkrankt sind. Fällt ein Antigen-Schnelltest positiv aus, soll dann auf eine Bestätigung durch einen PCR-Test verzichtet werden. Das soll auch bei Warnungen durch die Corona-App gelten. Stattdessen sei eine Nachtestung per Schnelltest nötig.

Der erneute Test soll von Fachleuten überwacht werden, der Antigentest selbst qualitativ hochwertig sein, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ankündigte. Ein zu Hause durchgeführter Selbsttest zählt demzufolge dann nicht – man müsste für den Nachweis dann zu einem Testzentrum, einer Teststelle, in die Apotheke, zum Hausarzt oder zur Hausärztin.

Was unterscheidet den Schnelltest von der PCR?

Damit ein Antigen-Schnelltest ein positives Ergebnis anzeigt, ist im Vergleich zum PCR-Test eine größere Virusmenge notwendig. Schnelltests können also nur hohe Viruslasten nachweisen. Dies gilt für Omikron ebenso wie für Delta. Das bedeutet auch, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit Sars-CoV-2 nicht vollständig ausschließt.

Ein negatives Testergebnis gibt lediglich an, dass es weniger wahrscheinlich ist, in eben diesem Moment für andere ansteckend zu sein. Laut RKI ist es durchaus möglich, dass eine infizierte Person, die ein negatives Antigentestergebnis erhält, bereits am darauffolgenden Tag plötzlich ein positives Ergebnis bekommt.

Die Viruslast im Nasen-Rachenraum ist dann noch gestiegen. Eine hohe Viruslast entwickelt sich in der Regel aber zu Beginn einer Infektion. Dabei kann man Symptome wie Husten, Kopfschmerzen und Schnupfen verspüren – es gibt aber auch asymptomatische Verläufe. Deshalb ist es ratsam, sich bei einem Corona-Verdacht wiederholt zu testen.

Das RKI betont zudem, dass solche Tests nur bei denjenigen angewendet werden sollten, bei denen ein falsch negatives Ergebnis nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen führt. In sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bietet ein PCR-Test mehr Sicherheit. Bei vielen Menschen verläuft die Infektion auch ganz ohne Symptome. Deshalb empfiehlt das RKI, wenn viele Menschen zusammenkommen, trotz eines negativen Schnelltests weiterhin die AHA+L-Regeln einzuhalten und eine Maske zu tragen.

Woran erkenne ich einen hochwertigen Schnelltest?

Das Paul Ehrlich-Institut (PEI) hat Mindestkriterien für Antigen-Schnelltests festgelegt. Demnach müssen sie eine Spezifität von mehr als 97 Prozent aufweisen – das heißt, 97 von 100 Nichtinfizierten müssen als solche erkannt werden. Und die Sensitivität muss mehr als 80 Prozent betragen. Also bei 80 von 100 Infizierten muss der Test auch wirklich ein positives Ergebnis anzeigen. Es ist aber nicht automatisch so, dass im Handel erhältliche Schnelltests auch diesen Standards entsprechen.

Eine Untersuchung des PEI vom November hatte gezeigt, dass im Schnitt jeder fünfte im Handel erhältliche Schnelltest nicht verlässlich genug war. Hersteller können ihre Schnelltests aktuell noch selbst zertifizieren. Bald soll sich das aber ändern: Ab Mai 2022 müssen diese laut PEI-Mitteilung in einer Untersuchung eines EU-Referenzlabors und durch eine unabhängige Überprüfung der Daten zertifiziert werden.

Verbraucher und Verbraucherinnen können sich aber schon jetzt an unabhängiger Stelle zu den meisten Produkten informieren. Darauf beziehen sich auch die Testzentren, Apotheken und ärztlichen Praxen. Das PEI hat auf seiner Homepage eine Liste der Schnelltests veröffentlicht, die ausreichend sensitiv sind. Das heißt: Das sind Tests, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine falsch negativen Ergebnisse liefern.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet auf seiner Homepage Corona-Schnelltests. Dort lässt sich nachlesen, welche Produkte überhaupt zertifiziert und geprüft sind und wie sensitiv sie sind. Es gibt dort auch Angaben zur Spezifität. Das bedeutet, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Test falsch positiv ausfällt. Überprüft werden die Tests von Expertinnen und Experten des PEI, des RKI und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie der Berliner Charité und dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. In der Regel ist davon auszugehen, dass in Testzentren, Apotheken und in ärztlichen Praxen hochwertige Tests genutzt werden. Will man sich selbst zu Hause testen, lohnt aber ein Blick auf die Verpackung.

Wo kann ich mich informieren?

Bei für Corona typischen Symptomen oder einem ersten positiven Schnelltestergebnis sollte man sich so gut es geht zu Hause isolieren und den Hausarzt oder die Hausärztin anrufen. Man kann sich auch mit einem Testzentrum in Verbindung setzen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen. In die Notaufnahme eines Krankenhauses sollte man sich hingegen nicht begeben, wenn ein Test positiv ist. Das empfiehlt sich nur im Notfall: also bei akuter Atemnot beispielsweise.

In Wien wird so viel PCR-getestet wie bei uns im ganzen Land. Was läuft dort besser?

Die österreichische Hauptstadt Wien hat schon 2020 die Infrastruktur dafür aufgebaut. Mit dem Angebot „Alles gurgelt“ sei ein PCR-Test für Zuhause entwickelt worden, bei dem zur Überprüfung der Ausweis erfasst und das Gurgeln gefilmt werde, so ein Sprecher des Gesundheitsressorts der Stadt. Die Tests können in vielen Drogerien abgeholt und in Hunderten von Geschäften und Tankstellen abgegeben werden. Zweimal am Tag holt die Post die Berge von Proben ab.

Durchschnittlich erhält nach Angaben der Stadt jeder rund 16 Stunden nach dem Gurgeln sein PCR-Ergebnis. Dafür sorgt ein großes Labor, das mittlerweile rund 1000 Menschen beschäftigt. „Die Kosten liegen mit mittlerweile knapp sechs Euro pro Test nur wenig über den von Antigen-Tests“, so der Sprecher weiter. Sie werden vom Bund übernommen. Die Kapazitäten sind gewaltig. Pro Woche werden rund 2,1 Millionen Tests ausgewertet. Angesichts der Omikron-Variante und den nun rekordhohen Infektionszahlen ist den Angaben zufolge die Kapazität aufgestockt worden: von 500.000 Tests täglich auf 800.000.

Der Artikel "PCR-Tests werden knapp: Was bedeutet das für mich?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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