Impfstoff

Pfizer kürzt vorübergehend Impfstofflieferungen für Europa

Die Lieferungen des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer werden in den kommenden drei bis vier Wochen weniger üppig ausfallen als geplant - mit Folgen für die weitere Produktion
Beim Impfstoff-Produzenten Pfizer gibt es einen Produktionsstau. © picture alliance/dpa/EUROPA PRESS

Pfizer hat angekündigt, ab kommender Woche kurzfristig weniger Impfstoffdosen von Biontech zu liefern als geplant. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte, dass der EU-Kommission kurzfristig mitgeteilt worden sei, dass Pfizer wegen Umbauten im belgischen Werk Puurs die bereits zugesagte Liefermenge für die nächsten drei bis vier Wochen nicht wird vollständig einhalten können.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, die für kommenden Montag zugesagte Lieferung sei von der Kürzung nicht betroffen. An die Bundesländer gingen wie geplant 667.875 Dosen. Diese Menge ist eigentlich auch für die Wochen danach zugesagt.

Angekündigte Menge soll bis Ende März geliefert werden

Nach Angaben aus dem Ministerium sei der genaue Umfang nun jedoch wieder offen. Zugesagt sei aber in jedem Fall, dass die für das 1. Quartal angekündigte Menge vollständig auch bis Ende März geliefert werde. Eigentlich sollten im Januar 2,5 Millionen Dosen an Deutschland gehen, im gesamten ersten Quartal rund elf Millionen.

Pfizer selbst nannte keine Einzelheiten zu Deutschland und verwies auf den Impfstoffhersteller selbst. „Biontech ist in Deutschland sowohl Zulassungsinhaber des Impfstoffs als auch Inhaber der Vermarktungsrechte an BNT162b2″, wurde dem RND auf Anfrage mitgeteilt. Biontech wollte sich noch im Laufe des Tages äußern.

Alle europäischen Länder sind betroffen

Zumindest Norwegen verfügt über genauere Informationen. In einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der staatlichen Gesundheitsbehörde Norwegens heißt es: „Die vorübergehende Reduzierung betrifft alle europäischen Länder.“ Für Norwegen bedeute dies, dass das Land in der kommenden Woche 7800 Dosen weniger als geplant erhalten werde, wird Geir Bukholm, Direktor für Infektionskontrolle, im Schreiben zitiert.

Demnach würden für das Land in der kommenden Woche nur noch 36.075 Impfstoffdosen erwartet. Zuvor waren es 43.875. Ob und wie viele Dosen konkret für Lieferungen nach Deutschland und in weitere Länder in Europa betroffen sind, geht aus der norwegischen Mitteilung nicht hervor.

Nur die USA bekommen keine Lieferungen aus Belgien

Der Rückgang sei auf eine Umstrukturierung der Produktion bei Pfizer und Umbauten im Werk Puurs zurückzuführen, um die Produktionskapazitäten ab Mitte Februar aufstocken zu können, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. Damit könne die Impfstoffproduktion von derzeit 1,3 Milliarden Dosen pro Jahr auf zwei Milliarden Dosen pro Jahr gesteigert werden. Vom Standort Puurs aus werden nach Angaben des Unternehmens alle Länder der Welt außer den USA beliefert.

Nach Angaben von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will Pfizer die Lieferzusagen für die EU im ersten Quartal 2021 einhalten. Sie habe die Berichte dazu mitbekommen und daraufhin sofort den Pfizer-Chef angerufen, sagte von der Leyen am Freitag bei einem Besuch in Lissabon. Dieser habe erklärt, dass es in den kommenden Wochen eine Produktionsverzögerung gebe. Zugleich habe er jedoch versichert, dass alle garantierten Dosen im ersten Quartal auch geliefert würden. Er werde sich persönlich darum kümmern, die Verzögerung zu reduzieren und so schnell wie möglich aufzuholen.

Fragen danach, wie viele Impfstoff-Dosen aufgrund der Probleme zunächst weniger geliefert würden, beantworte auch von der Leyen nicht. Dies müsse das Unternehmen beantworten.

Der mRNA-Impfstoff von Biontech war das erste Vakzin gegen Covid-19, das in der EU zugelassen wurde. Anfang Januar folgte ein ähnliches Mittel von Moderna – und voraussichtlich Ende Januar könnten die EU-Behörden auch den Vektorimpfstoff von Astrazeneca zulassen.

RND/sbu/tms/dpa

Der Artikel "Pfizer kürzt vorübergehend Impfstofflieferungen für Europa" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland
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