Rassistischer Ortsname? Grüne-Politiker fordern Umbenennung des Orts Negernbötel

Ist der Name eines Orts rassistisch? Im Fall des Dorfs Negernbötel in Schleswig-Holstein fordert die Grüne Jugend eine Umbenennung. Doch der Bürgermeister sieht kein Problem mit dem Namen.
Das Ortsschild des Ortes Negernbötel im Landkreis Segeberg. Die Grüne Jugend Segeberg möchte den Namen des Dorfes ändern. © picture alliance/dpa

Negernbötel – dieser Ortsname ist für die Grüne Jugend im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein klar rassistisch. Weil das Dorf mit knapp 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern das N-Wort enthält, fordern sie nun eine Umbenennung. Davon wollen Bürgermeister und Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes aber nichts wissen, wie die „Kieler Nachrichten“ berichten (KN).

Anlass zur Diskussion gab den Grünen die Ermordung George Floyds vor einem Jahr bei einem brutalen Polizeieinsatz, der weltweit Proteste ausgelöst hatte. „Der Ortsname Negernbötel enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort“, sagten Grünen-Sprecher Lennart Stahl und seine Kollegin Marlene Jakob, die selbst in Negernbötel wohnt, den „KN“.

Ortsname hat keinen rassistischen Ursprung

Natürlich seien die Bewohner des Dorfs nicht rassistisch – auch der Ortsname habe keinen rassistischen Ursprung, sondern stamme aus dem Plattdeutschen und bedeute „Näher zu der Siedlung“, so die Grünen. Sie könnten verstehen, dass Menschen den plattdeutschen Ortsnamen schützen wollten, gleichzeitig sei Plattdeutsch keine sehr weit verbreitete Sprache. Den Menschen komme vielmehr das seit Jahrhunderten zur Unterdrückung von schwarzen Menschen genutzte N-Wort in den Sinn.

Der Vorschlag der Grünen Jugend: den Ort in Näherbötel umbenennen. Bürgermeister Marco Timme sagte den „KN“ dazu, es gebe mit dem Ortsnamen im Dorf und unter den Gemeindepolitikerinnen und -politikern keine Probleme. Laut des Kreises Segeberg ist eine Umbenennung des Ortes möglich, das liege aber in der Hand der Gemeindevertreterinnen und -vertreter selbst.

Debatte um Ortsnamen schon im Januar gestartet

Es ist nicht das erste Mal, dass es Streit um den Ortsnamen des Dorfes gibt. Erst im Januar hatte der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch den „Lübecker Nachrichten“ (LN) gesagt: „Man sollte Debatten über den Ortsnamen nicht gleich abblocken. Ortsnamen sind nicht heilig, wenn eine Gesellschaft und ihre Werte sich ändern.“ Schon damals war die Debatte für Bürgermeister Marco Timme nicht neu. Das ploppe alle Jahre wieder hoch, sagte er damals den „LN“. „Bei uns lebt nicht ein Rassist. Wir haben so großen Zuspruch. Wen das stört, der kann ja woanders wohnen.“