Maskenpflicht

Schützen Nanosilbermasken besser vor dem Coronavirus?

Nanosilber ist in vielen Produkten zu finden – mittlerweile auch in einigen Atemmasken. Schützen die Masken tatsächlich besser oder gefährden sie sogar die Gesundheit?
Nicht nur Internethändler, sondern auch viele Apotheken haben Atemmasken mit Nanosilber im Sortiment. © picture alliance/dpa

Als “die beliebteste Schutzmaske Deutschlands” beschreibt der Händler selbst sein Produkt, die “Nano-Silber-Mund-Nasen-Maske”. Auf seiner Website bietet er gleich mehrere Modelle von Atemschutzmasken zum Verkauf an, deren Fasern Nanosilberpartikel enthalten: die Variante in “schimmerndem Weiß” oder das farbige Modell “Nanokids” für Kinder, bedruckt mit Pinguinen und Schäfchen. Der Zweierpack kostet jeweils 9,99 Euro. In einem PR-Video bewirbt ein Arzt die Masken als Schutz vor dem Coronavirus: Die “antivirale Nanosilbertechnologie und die Kohlendioxidreduzierung” machten die Maske einzigartig.

In der Produktbeschreibung heißt es, sie biete “Schutz vor Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren”. Mikroorganismen in der Atemluft würden “unschädlich gemacht, und das bei jedem Ein- und Ausatmen.” Die Masken seien daher besonders geeignet für “Asthmatiker, Allergiker und Menschen, die ein geschwächtes Herz- oder Lungensystem haben”, womit klar auf Coronavirus-Risikogruppen angespielt wird.

Nanosilber kann die Gesundheit gefährden

Doch nicht nur Internethändler, sondern auch viele Apotheken haben Atemmasken mit Nanosilber im Sortiment. Gekauft werden sie offenbar von Kunden, die sich davon einen besseren Schutz vor dem Coronavirus erhoffen. Belege dafür fehlen. Gleichzeitig warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Es sei nicht auszuschließen, dass das Nanosilber selbst die Gesundheit gefährde.

Unter Nanosilber versteht man Partikel von elementarem Silber, die kleiner als 100 Nanometer sind, also kleiner als ein zehntausendstel Millimeter. Silber hat tatsächlich keimtötende Eigenschaften, die durch die Bildung von Ionen auf seiner Oberfläche zustande kommt. Bei Nanosilber ist diese stärker ausgeprägt, da die Oberfläche der winzigen Teilchen im Verhältnis zum Volumen größer ist.

Zudem kann Nanosilber Zellwände durchdringen. Bei Aufnahme in den Körper kann es deshalb in nahezu alle Organe gelangen, mit noch nicht abschließend geklärten Auswirkungen auf die Gesundheit. Dennoch ist Nanosilber bereits heute in vielen Produkten enthalten, unter anderem in Kosmetik- und Hygieneartikeln, Funktionsbekleidung oder der Beschichtung von Haushaltsgeräten – und nun eben auch in Schutzmasken.

Atemmasken mit Nanosilber schützen wohl nicht besser

Dass handelsübliche Atemmasken mit Nanosilber ihren Träger besser vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen, ist dabei unwahrscheinlich. So handelt es sich in der Regel um einfache Masken, die lediglich die Verbreitung von Tröpfchen beim Husten oder Sprechen reduzieren können und so vor allem andere schützen.

Einen nennenswerten Eigenschutz bieten laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nur partikelfiltrierende FFP1-, FFP2- und FFP3-Masken, die Aerosole und Tröpfchen aus der Atemluft abfangen. Diese müssen eine entsprechende CE-Kennzeichnung aufweisen.

Die Schutzwirkung solcher Masken ist ohnehin schon sehr gut – ein noch größerer Schutz durch die Einarbeitung von Nanosilber wäre theoretisch immerhin denkbar. Die üblichen Nanosilbermasken erfüllen jedoch die Ansprüche von FFP-Masken nicht, auch wenn sie zum Teil bei Ebay als “FFP2-äquivalent” beworben werden.

Fehlender Nachweis einer Wirksamkeit

Eine immerhin echte FFP2-Maske, die Nanosilber enthält und zusätzlich mit Chemikalien behandelt wurde, stellt die Schweizer Firma HEIQ her. Vermarktet wird diese nicht als Nanosilber-, sondern als Viroblock-Maske, zwei waschbare Masken kosten rund 40 Euro. HEIQ verweist auf Labortests, in denen Sars-CoV-2 auf der Maskenoberfläche wirksam reduziert worden sei. Einen Nachweis, dass die Maske unter Praxisbedingungen die Infektionsrate senken kann, gibt es aber offenbar nicht.

Anbieter einfacher Nanosilbermasken lassen Fragen nach einem Wirksamkeitsnachweis unbeantwortet. Auf der Seite nanosilbermaske.de heißt es, die Masken seien “wissenschaftlich geprüft durch die RAS AG (Agpure)”, einen Hersteller von Nanosilber. Nachfragen zur Art dieser Prüfung beantwortet auch die RAS AG nicht. Sie verweist aber auf einen Test, wonach sich mit Nanosilber auf einer Glasoberfläche bovine Coronaviren reduzieren ließen.

Über Wirkung auf Viren ist “bisher nur wenig bekannt”

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich mit dem Thema Nanosilbermasken zum Schutz vor Coronaviren befasst. Über die Wirkung auf Viren sei “bisher nur wenig bekannt”, heißt es auf der Homepage des Instituts. Es benennt zudem mögliche Gefahren: Bei nicht medizinischen Behelfsmasken mit Nanosilber sei zu bedenken, dass durch Atemkonsat oder Speichel eine Freisetzung von Silberionen möglich sei.

Eine “abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken” dazu sei “aufgrund fehlender Studien und Daten derzeit nicht möglich”. Die “längerfristigen Risiken” wie Auswirkungen auf die Mikroflora der Haut und eine mögliche Resistenzentwicklung bei Bakterien seien “bislang nur unzureichend erforscht”.

Das Institut halte daher an einer Empfehlung fest, die es bereits 2010 zum Thema Nanosilber veröffentlicht hatte. Das BfR rät dazu, auf den Einsatz “in verbrauchernahen Produkten” so lange zu verzichten, bis die Datenlage eine “abschließende Bewertung der mit der Exposition des Verbrauchers verbundenen gesundheitlichen Risiken” erlaube.

RND

Der Artikel "Schützen Nanosilbermasken besser vor dem Coronavirus?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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