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Skifahren in Europa: Wo geht was im Corona-Winter?

Kanzlerin Angela Merkel forderte, die Skigebiete europaweit zu schließen. Doch mehrere Alpenländer sehen das anders. Wie planen die verschiedenen Länder die Skisaison? Der Überblick.
Kanzlerin Angela Merkel forderte, die Skigebiete europaweit zu schließen. Doch mehrere Alpenländer sehen das anders. (Symbolbild) © picture alliance / Swen Pförtner/dpa

Skigebiete schließen oder nicht? Über diese Frage war in Europa eine heftige Debatte entbrannt. Die Regierungen von Deutschland, Italien und Frankreich hatten eine länderübergreifende Schließung der Skigebiete gefordert. Österreich hatte sich quer gestellt – und machte dann doch durch Quarantäneregelungen und strenge Maßnahmen den Skiurlaub für Deutsche praktisch unmöglich. Die Schweiz hingegen bleibt weiterhin bei ihrem Standpunkt: Skifahren über Weihnachten soll möglich bleiben. Auch Länder wie Norwegen, Schweden und Tschechien werben um Wintertouristen. Die Standpunkte und Pläne der Alpenländer im Überblick.

Deutschland: Skigebiete bleiben im Jahr 2020 wohl dicht

Sieben bis acht Millionen Deutsche fahren nach Angaben des Deutschen Skiverbandes regelmäßig Ski. Hoffnungen auf einen Skiurlaub in Bayern können die Winterfans sich aber nicht mehr machen: Ob im Sauerland, auf Zugspitze, im Harz oder in Skihallen: Die Skilifte werden im Jahr 2020 nicht mehr fahren. „2020 kein Skibetrieb mehr“, teilte die Bayerische Zugspitzbahn mit. Die Saison könnte frühestens nach den Winterferien starten, denn der Teil-Lockdown wird bis zum 10. Januar verlängert.

Plänen von Menschen aus Bayern, die auf Österreich ausweichen wollten, schob das Bundesland früh einen Riegel vor, indem es selbst eine Quarantänepflicht auch für Tagestouristen einführte. Seither gilt: Selbst nach einem Tagesausflug zum Skifahren in ein Risikogebiet – und dazu zählen alle Alpenländer in Europa – müssen Reisende nach der Rückkehrer in Bayern in Quarantäne. Die Zeit der Isolation beträgt zehn Tage und kann frühestens mit einem Corona-Test an Tag fünf verkürzt werden.

Österreich macht Skiurlaub für Deutsche bis 7. Januar praktisch unmöglich

Das Wintersportgebiet Ischgl ist im Frühjahr zum Symbol für die Corona-Pandemie geworden. Trotzdem betont Österreich seit Monaten: Die Skigebiete sollen mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen geöffnet werden. „Denn das Coronavirus holt man sich nicht auf der Piste, sondern beim Feiern danach. Unsere Betriebe – von der Hotellerie bis zu den Seilbahnen – haben umfangreiche Sicherheitskonzepte ausgearbeitet“, so Tourismusministerin Elisabeth Köstinger im RND-Interview.

Der Saisonstart wurde jedoch wegen des harten Lockdowns, der bis 6. Dezember gilt, verschoben. Die zwischenzeitlich geöffneten Gebiete am Stubaier Gletscher, Kaunertaler Gletscher, Pitztaler Gletscher, Mölltaler Gletscher, Hintertuxer Gletscher, in Sölden, Dachstein und Kitzsteinhorn mussten wieder schließen. Ab dem 24. Dezember wird das Skifahren für Österreicher in Form von Tagesausflügen wieder erlaubt, die Skilifte dürfen dann auch wieder von Hobbysportlern genutzt werden. Hotels und Gastronomie müssen jedoch bis zum 7. Januar geschlossen bleiben.

Für deutsche Touristen wird ein Skiurlaub in den Winterferien über Weihnachten und Neujahr durch eine weitere Regelung praktisch unmöglich: Das Land verhängt für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht. Ziel sei es, den Tourismus weitgehend einzudämmen, teilte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz am 2. Dezember mit. Der Schwellenwert sei hier mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Deutschland hat dem ECDC zufolge aktuell eine 14-Tage-Inzidenz von 301,9 (Stand: 5. Dezember). Momentan liegen in Europa laut dem Institut nur Island und Irland unter dem Schwellwert von 100.

Schweiz: Wintersaison soll stattfinden

„Die Schweiz fährt Ski. Aber sicher!“, so heißt es in einer Werbekampagne, die sich auch an Skirurlauber aus dem Ausland richtet. Das Motto lautet: Schutzkonzept statt Schließung. Auf der staatlichen Tourismushomepage lässt die Schweiz verlauten: „Die Wintersaison 2020/2021 findet in der Schweiz unter strikter Einhaltung von umfassenden Schutzkonzepten statt.“ So dürfen in allen geschlossenen Gondeln nur zwei Drittel der Plätze besetzt werden, beim Anstehen gilt Masken- und Abstandspflicht, ebenso in den Skiliften selbst.

In dem Land sind sogar teils schon hoch gelegene Skigebiete offen – darunter St. Moritz, Davos und Zermatt. Und die Skilifte sollen trotz Pandemie auch über die Festtage offen bleiben. Allerdings müssen die Restaurants (ausgenommen sind Hotels) in St. Moritz bis zum 17. Dezember dicht bleiben, weil der Kanton Graubünden einen Kurz-Lockdown Light verkündete. Die Skilifte dürfen aber weiter in Betrieb bleiben.

So verspricht zum Beispiel das Kanton Wallis – in dem sich Zermatt am Fuß des Matterhorns und luxuriöse Alpenresorts befinden – offene Pisten: „Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in Restaurants gegessen, egal was Italien macht. Italien, Frankreich und Deutschland sprechen sich offensichtlich ab. Die Schweiz ist aber nicht in der EU und somit auch gar nicht betroffen“, sagt Staatsrat Christophe Darbellay.

Die Schweiz könnte somit im Dezember und Januar zur Wintersport-Insel Europas werden – ob jedoch viele deutsche Touristen hinfahren, bleibt zu bezweifeln. Denn während sie bei der Einreise nicht in Quarantäne müssen, weil Deutschland nicht auf der Risikogebiete-Liste der Schweiz steht, heißt es nach der Rückkehr: Ab in die Isolation.

Denn umgekehrt steht das Land steht wegen der hohen Corona-Infektionszahlen auf der Liste des Risikogebiete des Robert-Koch-Institutes, es gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Reisende müssen daher nach der Rückkehr in Deutschland grundsätzlich zehn Tage in Quarantäne, diese ist erst mit einem Corona-Test an Tag fünf verkürzbar.

Frankreich: Skigebiete öffnen, aber Skilifte bleiben dicht

Wer in Frankreich Skifahren will, muss den Berg zu Fuß erklimmen. Denn die Skigebiete können zwar während der Feiertage wiedereröffnet werden, „aber alle Skilifte sind für die Öffentlichkeit geschlossen“, zitiert die Zeitung „Le Monde“ den französischen Regierungschef Jean Castex. Damit könne jeder „von der frischen Luft in unseren schönen Bergen profitieren“. Aber: Auch die Restaurants und Bars in den Skigebieten bleiben wie im gesamten Land bis mindestens zum 20. Januar geschlossen.

Für den Fall einer Öffnung im Dezember haben viele Skigebiete in Frankreich ihre Stornierungsbedingungen geändert: Reisende können demnach kurzfristig absagen, wenn es die Corona-Lage nötig macht. Jeder Reisende sollte vorher die Bedingungen prüfen. Die französischen Alpen sind, wie ganz Frankreich, aus deutscher Sicht Corona-Risikogebiet, das Auswärtige Amt warnt vor touristischen Reisen. Frankreich strebt einen europäischen Fahrplan zur schrittweisen Öffnung der Skigebiete an.

Italien: Keine Skisaison vor dem 6. Januar

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte preschte in der Diskussion um die Skisaison als Erster vor und forderte ein europaweites Schließen der Skigebiete. In dem Land selbst bleiben die Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 6. Januar geschlossen. „Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten“, sagte er dem Fernsehsender „La7″.

Zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar müssen Italiener – aber auch Touristen, die aus dem Ausland nach Italien einreisen – demnach in Quarantäne. Zur Länge der Quarantäne machte der Anführer der Mitte-Links-Regierung allerdings keine Angaben.

Tschechien, Schweden und Norwegen öffnen Skigebiete

Es sind für die Deutschen nicht die klassischen Wintersportziele, doch sie werben um Touristen: Tschechien, Schweden und Norwegen öffnen ihre Skigebiete.

In Tschechien sollen die Lifte und Pisten am 18. Dezember in Betrieb gehen dürfen. Das größte Skigebiet des Landes befindet sich im Riesengebirge, in Spindlermühle (Spindleruv Mlyn). Auch im Erzgebirge sowie im Böhmerwald gibt es Skipisten, die meist künstlich beschneit werden. „Wir glauben, dass die meisten Menschen wirklich zum Sport in die Berge fahren und nicht wegen der abendlichen Unterhaltung“, sagte Gesundheitsminister Jan Blatny am Freitag.

Einreisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Tschechien müssen sich derzeit grundsätzlich online anmelden und dem örtlichen Gesundheitsamt einen negativen Corona-PCR-Test vorlegen. Eine 24-Stunden-Ausnahmeregelung gilt ausdrücklich nicht für touristische oder sportliche Aktivitäten. Mit vielen ausländischen Touristen rechnet das Land nicht – es steht auch auf der RKI-Liste der Risikogebiete.

RND/mit dpa

Der Artikel "Skifahren in Europa: Wo geht was im Corona-Winter?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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