Corona-Impfung

Stiko plant gegenwärtig keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche

Die schnelle Impfung von Schülern trifft auf Widerstand. Medien-Berichten zufolge tendiert die Ständige Impfkommission bei Kindern nur zu einer Empfehlung bei bestimmten chronischen Erkrankungen.
Der Grünen-Politiker Dahmen verlangt eine Aufklärungskampagne, um Jugendliche und Eltern mit der Impfentscheidung nicht allein zu lassen. © picture alliance/dpa

Die von der Bundesregierung angestrebte Impfung von möglichst vielen Schülerinnen und Schülern vor Beginn des neuen Schuljahres trifft auf den Widerstand der Ständigen Impfkommission (Stiko). Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) tendiert die Stiko gegenwärtig dazu, nach der noch für Mai erwarteten EU-Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer keine allgemeine Impfempfehlung für Zwölf- bis 15-Jährige auszusprechen.

Vielmehr werde es wahrscheinlich nur eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe mit bestimmten chronischen Erkrankungen geben, hieß es in informierten Kreisen. Grund sei unter anderem eine unbefriedigende Datenlage, um die Folgen einer Corona-Erkrankung für diese Altersgruppe und mögliche Risiken durch eine Impfung miteinander abwägen zu können.

Impfung auch ohne Empfehlung möglich

Auch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, rechnet mit einem derartigen Vorgehen. „Ich gehe davon aus, dass die Stiko eine Liste von Krankheiten erstellen wird, bei denen sie die Impfung für Kinder empfiehlt“, sagte sie dem RND. Kinder mit diesen Krankheiten müssten dann zuerst geimpft werden, forderte Bas. „Dies muss nun trotz der Aufhebung der Priorisierung sichergestellt sein“, mahnte sie.

Bas stellte aber klar, dass auch ohne eine generelle Empfehlung der Stiko eine Impfung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Zulassung des Vakzins möglich sein wird. „Nach Aufhebung der Priorisierung und nach der Zulassung eines Impfstoffes können Eltern ihre Kinder unabhängig von diesen Risikofaktoren impfen lassen“, betonte sie.

Bas wandte sich dagegen, die Öffnung von Schulen von den Impfungen abhängig zu machen. „Schulöffnungen sollten aber nicht davon abhängig gemacht werden, ob die Kinder geimpft werden. Es ging ja immer auch darum, die Übertragung auf Eltern und insbesondere Großeltern zu verhindern. Wenn nach den Sommerferien alle ein Impfangebot bekommen haben, dann fällt diese Begründung weg“, argumentierte die Gesundheitspolitikerin.

Aus der Bundesregierung hingegen gab es zuletzt vermehrt Stimmen, wonach eine Impfung von Kindern und Jugendlichen mindestens erwünscht ist. So forderte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen in allen Bundesländern, damit der Schulbetrieb nach den Sommerferien überall „wieder relativ normal beginnen kann“. Dazu sei es hilfreich, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler geimpft wären, betonte die CDU-Politikerin. Mit dem Thema soll sich der Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag befassen.

„Begründung greift zu kurz“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wies ebenfalls eine direkte Verknüpfung von Impfungen und Schulöffnungen zurück. Gewerkschaftschefin Marlis Tepe sagte dem RND: „Die Begründung für das schnelle Impfen der Kinder und Jugendlichen, die sich allein auf die notwendige Öffnung der Schulen und Kitas und damit auf Präsenzunterricht stützt, greift zu kurz.“

Für dieses grundsätzlich richtige Ziel müssten zudem die Hygienekonzepte vor Ort so gestaltet sein, dass sie den Gesundheitsschutz aller Lehrenden und Lernenden sicherstellen, forderte Tepe. Zusätzlich müsse geklärt werden, bis wann die Lehrkräfte und die Eltern der Kinder und Jugendlichen geimpft werden könnten, mahnte Tepe. Bisher seien viele Lehrkräfte und auch das Schulpersonal, die zu der Priorisierungsgruppe drei gehörten, noch nicht geimpft worden, kritisierte die GEW-Vorsitzende.

Klar sei, dass Kinder und Jugendliche besonders stark unter den Einschränkungen in der Corona-Pandemie gelitten hätten, sagte Tepe. „Es gibt also viele gute Gründe, Kindern und Jugendlichen jetzt schnell Impfangebote zu machen, denn mit dem Impfstatus werden ja auch Freiheiten zurückgegeben“, fügte sie hinzu. „Da Kinder seltener als ältere Erwachsene schwere Covid-19-Verläufe haben, muss die Verwendung eines noch nicht lange geprüften Impfstoffs besonders gründlich abgewogen werden“, forderte sie jedoch.

„Jugendliche und Eltern nicht allein lassen“

Sollte die Stiko tatsächlich keine generelle Impfempfehlung aussprechen, fordert der Grünen-Politiker Janosch Dahmen eine Aufklärungskampagne der Bundesregierung. „Wir können die Entscheidung über die Impfung nicht bei den Jugendlichen, ihren Eltern oder Ärzten abladen“, sagte er dem RND. Die Bundesregierung müsse die Betroffenen umfassend aufklären und informieren. In die Kampagne sollten auch die Schulen eingebunden werden, regte der Gesundheitsexperte an.

„Jugendliche und Familien sind eine Schlüsselgruppe zur Bewältigung der Pandemie, da sie überproportional viele soziale Kontakte haben“, argumentierte der Grünen-Politiker. „Wenn wir die Pandemie möglichst schnell und mit wenigen weiteren Erkrankungen überwinden wollen, müssen wir uns viel stärker um die Familien kümmern“, mahnte Dahmen, der selbst Mediziner ist.

RND

Der Artikel "Stiko plant gegenwärtig keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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