Robert-Koch-Institut

Studie des RKI: Kitas weiterhin keine Infektionsherde

Bei der Suche nach den entscheidenden Infektionsketten gibt es neue Erkenntnisse: Untersuchungen zeigen, dass es wenig Corona-Ausbrüche in Kitas gibt.
Die NRW-Landesregierung setzt entgegen der bundesweiten Regeln in der Kinderbetreuung auf die Eigenverantwortung der Eltern. Das Kita-Personal fühlt sich dabei im Stich gelassen. © dpa

Welche Rolle spielen Kinder in der Corona-Pandemie? Sind Kitas Infektionsherde? Eine viel diskutierte Frage, der sich viele Experten annehmen. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) untersucht, gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), die Rolle von Kindern in der Kindertagesbetreuung während der Corona-Pandemie. Die Corona-Kita-Studie nahm im Mai 2020 ihre Arbeit auf und veröffentlicht ihre Ergebnisse in vierteljährlich erscheinenden Quartalsberichten.

Der aktuelle Quartalsbericht (IV/2020/Dezember 2020) zeigt, dass seit Mitte November ein Rückgang an Covid-19-Infektionen bei Kindern im Alter von null bis fünf Jahren zu erkennen ist. Auch bei den 15- bis 20-Jährigen ist laut Bericht in den vergangenen beiden Wochen eine rückläufige Tendenz zu erkennen. Die Häufigkeit akuter Atemwegserkrankungen (ARE) bei Kindern liegt zudem unter dem Niveau des Vorjahres.

0,5 Prozent aller Ausbrüche in Schulen

In Zahlen heißt das: Bis Ende Oktober wurden 225 Ausbrüche – mit mindestens zwei laborbestätigten Covid-19-Fällen – übermittelt, bei denen als Infektionsumfeld „Kindergarten, Hort“ angegeben war. Bei der Mehrzahl der übermittelten Fälle (59 Prozent) waren allerdings Erwachsene betroffen, vermutlich vor allem Erzieher und Eltern, heißt es in der Studie.

Damit zeigt der Bericht, dass Kitas und Schulen im Moment eher nicht als Treiber der Pandemie gelten. „Eine bundesweite Studie von Schulausbrüchen in Deutschland auf Grundlage von Meldedaten ergab, dass circa 0,5 Prozent aller Covid-19-Ausbrüche in Deutschland in Schulen stattfanden und insgesamt 216 Fälle umfassten“ heißt es in der Corona-Kita-Studie.

Weitere Studien und ihre Ergebnisse

Auch in weiteren internationalen Ausbruchuntersuchungen wurden Kinder bisher seltener als Überträger identifiziert als Erwachsene. „Die Infektiosität kann bei manchmal fraglichem Primärfallstatus am besten wiederum über angeschlossene Untersuchungen in den Haushalten eingeschätzt werden“, heißt es im Bericht, in dem einige ausländische Studien zum Ausbruchsgeschehen erörtert wurden.

In den drei Altersgruppen der Kitakinder, der Grundschulkinder und der Jugendlichen, die weiterführende Schulen besuchen, lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

  • Bei Kitakindern fand eine Studie aus Australien eine fast völlig fehlende Übertragung. Allerdings wurde eine 35-prozentige Wahrscheinlichkeit ausgemacht, dass eine Infektion bei Personen innerhalb des Haushalts auftritt.
  • Auch bei Grundschulkindern wurde so gut wie keine Übertragung in der australischen Studie identifiziert. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie aus Frankreich. Eine US-amerikanische Studie dokumentierte eine ausgehende Übertragung von Sechs- bis Zehnjährigen auf außerschulische Kontaktpersonen in 26 Prozent.
  • Auch bei den weiterführenden Schulen konnte die australische Studie kaum Übertragungen ausmachen und eine französische Studie zeigte eine mögliche Übertragungsrate von etwa 10 Prozent in der Familie.

Kitas wieder nahe dem Regelbetrieb

Neben Infektionsrisiken untersucht die Studie auch, wie sich Kitas auf die Pandemiesituation einstellen. Die aktuellen Inanspruchnahmequoten von 84 Prozent bei der Kinderbetreuung der Kindertageseinrichtungen deuten laut Untersuchungen darauf hin, dass die Kindertageseinrichtungen weiterhin beziehungsweise nahe am Regelbetrieb – unter Pandemiebedingungen – arbeiten. Dennoch ist seit Anfang Oktober in den Kindertageseinrichtungen ein Anstieg beim pandemiebedingten Ausfall des Personals von 4 Prozent auf 6 Prozent zu beobachten.

Hochgerechnet bedeute das, dass derzeit 37.500 Fachkräfte pandemiebedingt nicht in der Gruppenarbeit in einer Einrichtung eingesetzt werden können. Das sind 12.500 mehr als Mitte Oktober und ein Anstieg von 50 Prozent. Sowohl bei den Kindertageseinrichtungen als auch bei den Kindertagespflegestellen sei mit den allgemein in Deutschland steigenden Infektionszahlen auch ein Anstieg von Schließungen in einzelnen Kitagruppen (5,5 Prozent) und ganzen Einrichtungen (1,5 Prozent) zu beobachten.

Mehr als 10.000 Kitas und Tagespflegestellen haben sich für die Teilnahme am Kitaregister angemeldet. Die Anmeldeplattform ist weiterhin offen und das RKI bittet um weitere Teilnahme. Mehr Informationen und Anmeldung unter www.corona-kita-studie.de.

RND

Der Artikel "Studie des RKI: Kitas weiterhin keine Infektionsherde" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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