Coronavirus

Vieles wird geöffnet, nur Schulen nicht: „Bildungsschere wird immer größer“

Die Inzidenzen sinken und viele Landkreise lockern die Corona-Regeln. Doch die Schulen bleiben überwiegend im Wechselunterricht und die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren lässt auf sich warten.
Unter den Schülerinnen und Schüler herrscht großes Unverständnis darüber, dass die Schulen in der Lockerungsdebatte keinen Vorrang haben. © picture alliance/dpa

Das Leben fährt Schritt für Schritt wieder hoch: Viele Menschen freuen sich wieder über die ersten Lockerungen im Tourismus- und Gastronomiebereich. Doch die Schulen bleiben überwiegend im Wechselunterricht. Und für Kinder ab zwölf Jahren gibt es immer noch keinen zugelassenen Impfstoff.

Zunahme von psychischen Problemen in der Schülerschaft

Unter den Schülerinnen und Schüler herrscht großes Unverständnis darüber, dass die Schulen in der Lockerungsdebatte keinen Vorrang haben. „Seit Anfang der Pandemie hören wir, dass die Schulen die oberste Priorität haben. Doch das hat sich nicht bewahrheitet“, sagt der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir sehen auch jetzt, dass vielerorts Öffnungen stattfinden, aber die Schüler nicht in den normalen Unterricht zurückkehren dürfen.“

Für Schramm ist das problematisch, die Bildungsschere zwischen den Schülerinnen und Schülern werde immer größer. „Diejenigen, die im Homeschooling gut zurechtkommen, sind viel weiter als diejenigen, die zu Hause nicht so viel Unterstützung bekommen“, fügt er hinzu.

Ähnliches fürchtet auch die Vorsitzende des Bundeselternrats Sabrina Wetzel. „Wir sehen die Problematik, dass weiterhin Schüler und Schülerinnen abgehängt werden“, so Wetzel. Außerdem bemerken die Eltern eine Zunahme der physischen und psychischen Probleme.

Das beobachtet auch Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied im Organisationsbereich Schule bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es fehle an Kontakten, an Bewegung, sagt sie dem RND. Teilweise falle es den Kindern und Jugendlichen schwer, sich auf die schulische Arbeit zu konzentrieren. „All diese Probleme verstärken sich, wenn die Schule nicht geöffnet wird.“

Nächste Schuljahr wird zur Herausforderung

Für die Zeit nach den Sommerferien gibt es noch einige offene Fragen, welche die Schülerschaft und Lehrkräfte beunruhigen. Werden die Inzidenzen bis dahin niedrig genug für einen Regelbetrieb sein? Werden alle Kinder ab zwölf Jahren ein Impfangebot erhalten? Besonders das nächste Schuljahr scheint eine Herausforderung zu werden.

Dario Schramm plädiert daher für mehr Geduld. „Nach den Sommerferien sollte den Schülern Zeit und Raum gegeben werden, um den Lernstoff aufzuholen, aber auch, um Gespräche zu ermöglichen“, fordert er. Schüler würden einen immensen Gesprächsbedarf infolge der letzten schwierigen Monate haben. „Wir sollten nicht versuchen von null auf 100 die Lerninhalte unter großem Druck nachzuholen, sondern das letzte Jahr erst mal in Ruhe verarbeiten.“

Hoffmann von der GEW sieht das ähnlich: „Wir sind dafür, das Augenmerk auf das Lernen und das Auffangen nach der Krise zu legen und nicht darauf, möglichst alle Klausuren und Klassenarbeiten mit Noten durchzupeitschen und dafür ,Stoff‘ in Rekordzeit in die Köpfe zu bringen.“ Das würde Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler stressen, „ohne dass wahrscheinlich nachhaltig Kompetenzen und Wissen gefördert werden“.

Vorschlag: Schüler sollten bei Versorgung mit Impfstoff Priorität haben

Besonders der Wechselunterricht scheint für die Lehrkräfte herausfordernd zu sein. Seitens des Verbands Bildung und Erziehung heißt es, die Arbeitsbelastung sei dadurch deutlich höher. „Tagsüber Unterricht in der Schule, nachmittags die Fragen der anderen Gruppe beantworten, abends Materialien für beide Gruppen zusammenstellen“, schildert eine Sprecherin die Situation.

Um in den Normalbetrieb zurückkehren zu können, hatte die Bundesschülerkonferenz bereits am Dienstag einen Vorschlag unterbreitet: Die Schülerschaft sollte bei der Versorgung mit dem Biontech-Impfstoff Priorität haben und von Impfmobilen an den Schulen geimpft werden. „Den Jugendlichen sollte so bald wie möglich ein Impfangebot gemacht werden“, sagt auch Gewerkschafterin Hoffmann. „Sie haben viele Sozialkontakte und Abstände können an Schulen schlecht eingehalten werden.“

RND

Der Artikel "Vieles wird geöffnet, nur Schulen nicht: „Bildungsschere wird immer größer“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.