Vitaminpräparate

Vitamin D-Mangel im Corona-Winter? Wann ergänzende Präparate helfen – und wann nicht

Wer viel daheim bleibt, bekommt wenig Sonnenlicht ab - das kann zu Vitamin D-Mangel führen. Inwieweit ein Vitamin D-Mangel Covid-19 beeinflussen könnte, haben Experten unter die Lupe genommen.
Durch die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel ist man nicht zwangsläufig besser vor Corona geschützt. © picture alliance/dpa/dpa Themendienst

Es ist Winter – und damit gibt es weniger tägliche Sonnenstunden. Und weil wieder Lockdown-Zeit ist, verbringen viele Menschen noch mehr Zeit zuhause als sowieso schon in der ungemütlichen Jahreszeit. Das löst auch unter Medizinern und Wissenschaftlern eine Diskussion darüber aus, „dass manche Menschen möglicherweise nicht die erforderlichen physiologischen Vitamin D-Spiegel durch Sonnenlicht erhalten“, wie diese Woche beispielsweise in einem Editorial in der Fachzeitschrift „The Lancet“ angemerkt wurde.

Der Einfluss von Vitamin D auf den Körper wird viel diskutiert. Bewiesen ist, dass sich ein guter Vitamin D-Status vorteilhaft auf die Knochengesundheit auswirkt – und ein Mangel deshalb problematische Auswirkungen haben könnte. Aber hat die Einnahme von zusätzlichen Präparaten bei einem Vitamin D-Mangel auch einen präventiven Einfluss auf weitere Erkrankungen?

Viele Studien, wenige Beweise

Dazu gibt es zahlreiche Beobachtungsstudien, aber wenig aussagekräftige Beweise. Seit Pandemiebeginn suchen Forscher nun auch nach möglichen Zusammenhängen zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der Schwere einer Covid 19-Infektion. Das Problem: Eine eindeutige Datenlage gibt es auch dazu bislang nicht.

Schlussfolgerungen für die Prävention von Covid-19 lassen sich aus den Daten derzeit allerdings nicht ableiten, da alle bewerteten Studien vor Auftreten der Pandemie durchgeführt wurden.

Prof. Jakob Linseisen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihren Wissensstand zu Vitamin D inzwischen stärker differenziert. „Danach ist nach wie vor nicht belegt, dass Vitamin D vor Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 schützt“, wird Prof. Jakob Linseisen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in einer Mitteilung vom Dezember zitiert. Das sind auch Risikofaktoren für einen schwereren Covid-19-Verlauf. Es werden lediglich Zusammenhänge beobachtet.

Risiko für Atemwegserkrankungen steigt

Mit Blick auf die Studienlage sei zwischen dem Vitamin-D-Status und dem Risiko für akute Atemwegsinfektionen bislang „ein inverser Zusammenhang“ zu beobachten. Sprich: Forscher haben beobachtet, dass je niedriger der Vitamin-D-Status war, desto höher das Risiko für Atemwegsinfektionen ausfiel. Bislang fehlen aber auch hier die Beweise für eine kausale Beziehung zwischen den Befunden. Gleiches ließ sich bei Demenz und Depressionen feststellen, nicht aber bei Asthma, MS und Diabetes mellitus Typ 1.

So wundert es nicht, dass nach einem Pandemiejahr auch der Zusammenhang mit Covid-19 noch nicht ausreichend ergründet ist. „Schlussfolgerungen für die Prävention von Covid-19 lassen sich aus den Daten derzeit allerdings nicht ableiten, da alle bewerteten Studien vor Auftreten der Pandemie durchgeführt wurden“, heißt es laut Fachgesellschaft.

Sonnenlicht durchs Fenster reicht nicht

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Ende Oktober 2020 explizit klargestellt, dass keine Studien bekannt seien, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin D vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Lediglich bei einem Mangel könnte eine ergänzende Aufnahme mit Vitamin D einen positiven Einfluss auf die Prävention von akuten Atemwegsinfektionen haben, resümiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

In der Regel bildet der Körper in der Haut 80 bis 90 Prozent des Vitamins selbst – mithilfe von Sonnenlicht, genauer: UV-B-Strahlung. Dabei ist ein Aufenthalt im Freien nötig. „Ein Aufenthalt in hellen Räumen reicht nicht aus, da die UV-B-Anteile im Sonnenlicht nicht durch das Glas in Fensterscheiben dringen können“, heißt es in einem Steckbrief des Robert Koch-Instituts. Nun gibt es in den meisten Ländern Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice, geschlossene Schulen – weswegen viel Zeit zuhause verbracht wird.

Großbritannien empfiehlt Vitamin D Präparate

Großbritanniens Gesundheitsbehörden geben deshalb neue Empfehlungen angesichts der Pandemie-Bedingungen – und haben eine Vitamin D-Offensive gestartet. „Während der Herbst- und Wintermonate wird jedem in Großbritannien empfohlen, jeden Tag ergänzend Vitamin D einzunehmen, um die allgemeine Gesundheit und insbesondere die Gesundheit von Knochen und Muskeln zu unterstützen“, heißt es in den veränderten Richtlinien des britischen Gesundheitsministeriums.

„Viele von uns waren dieses Jahr mehr als sonst drinnen und haben möglicherweise nicht genug Vitamin D aus Sonnenlicht hergestellt.“ 2,7 Millionen besonders gefährdeten Menschen, etwa aus Pflegeheimen, bietet die britische Regierung in diesem Winter zudem täglich eine kostenlose 10 Mikrogramm-Dosis Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel an.

Vitamin D ist in wenigen Lebensmitteln enthalten

Die Ernährung trägt laut RKI mit einem geschätzten Anteil von rund zehn bis 20 Prozent nur einen relativ geringen Anteil zur Vitamin-D-Versorgung bei. Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D – zum Beispiel fetter Seefisch, bestimmte Innereien, bestimmte Speisepilze und Eier. Neben natürlichen Quellen kann Vitamin D deshalb auch über Nahrungsergänzungsmittel – sogenannte Supplemente – und angereicherte Lebensmittel zugeführt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt aber nicht mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag.

Überdosis an Nahrungsergänzungsmitteln kann schädlich sein

Zu viel Vitamin D-Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel ungesund

Neben einem Mangel kann es nämlich auch zu einer Vergiftung mit Vitamin D kommen. Das kann laut RKI nicht über die körpereigene Vitamin-D-Bildung und die natürliche Ernährung passieren. Problematisch kann es aber bei „übermäßig hohen Einnahmen von Supplementen (Nahrungsergänzungsmitteln), hochdosierten Medikamenten, einem hohen Konsum an angereicherten Lebensmitteln“ werden.

Dann entstehen im Körper erhöhte Kalziumspiegel, die akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen können. „Da Vitamin D im Körper gespeichert werden kann, ist neben einer akuten auch eine schleichende Überdosierung möglich“, erklärt das RKI. Heißt: Wenn irgendwie möglich, empfiehlt sich wahrscheinlich am ehesten doch ein kurzer Gang vor die Haustür.

Der Artikel "Vitamin D-Mangel im Corona-Winter? Wann ergänzende Präparate helfen – und wann nicht" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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