In die Notaufnahmen kommen immer wieder Patienten nach einer Impfung mit Astrazeneca. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Angst vor Hirnvenen-Thrombose: Verdachtsfälle in den Notaufnahmen

Der Impfstoff von Astrazeneca kann mutmaßlich starke Nebenwirkungen auslösen. In den Notaufnahmen der Kliniken in Castrop-Rauxel melden sich Menschen, die Angst vor Thrombosen haben.

Der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca wird viel diskutiert, zumal es erst einmal hin und her ging. Erst verhängte die Politik einen Impfstopp, dann wurde das Präparat wieder zugelassen, dann wurde die Nutzung wieder eingeschränkt. Nur Menschen ab 60 Jahren sollen aktuell mit Astrazeneca geimpft werden.

Grund sind Aussagen der Wissenschaft, das Impf-Präparat könne in seltenen Fällen zu gefährlichen Hirnvenen- und Sinusvenenthrombosen führen. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen. Generell gibt es offenbar bei der ersten Impfung mit Astrazeneca häufig Impfreaktionen. Der Nutzen des Impfstoffs wird aber als größer eingestuft als die Risiken.

Verunsicherung herrschte auch bei den mit Astrazeneca Geimpften in Castrop-Rauxel. Das zeigt sich in den Notaufnahmen im Rochus-Hospital und im Evangelischen Krankenhaus (EvK). Allerdings ist die Lage entspannter als in Dortmund, wo sich täglich mehrere Patienten mit entsprechenden Symptomen melden.

Die meisten Patienten kamen nach dem ersten Stopp von Astrazeneca

Vor allem nach dem ersten Stopp des Astrazeneca-Impfstoffs kamen vermehrt Patienten mit Kopfschmerzen nach der Impfung in die beiden Notaufnahmen, erklären Rochus und EvK übereinstimmend. „Nach der erneuten Zulassung des Impfstoffs sind die Zahlen der Patienten mit Impfreaktionen in der Notaufnahme wieder zurückgegangen“, sagt Dr. Christian Szymanski, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St. Rochus-Hospital.

Dr. Julia Anna Droste, Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme am EvK, erklärt auf Anfrage: „Ab dem Zeitpunkt, da Astrazeneca verimpft wurde, kamen im Schnitt zwei Menschen mit Symptomen zu uns in die Notaufnahme. Die meisten kamen nach Einweisung durch ihren Hausarzt, nur die wenigsten aus eigener Initiative. Die Symptome waren zumeist anhaltende Kopfschmerzen. Nach Ostern, als Astrazeneca nur noch an Menschen über 60 Jahre verimpft wurde, nahm die Zahl deutlich ab.“

Die sehr gute Nachricht: In keinem Fall, so Julia Anna Droste, habe sich der Verdacht bestätigt. Das gilt auch für das Rochus-Hospital. Christian Szymanski erläutert: „Jeder Patient, der mit tatsächlichen oder vermuteten Symptomen einer Impfreaktion in die Notaufnahme kommt, wird wie jeder andere Notfallpatient behandelt und untersucht. Es war aber nie ein Fall dabei, bei dem eine Thrombose festgestellt worden ist.“

In seltenen Fällen blieben Patienten über Nacht im Rochus-Hospital

Grippeähnliche Symptome seien eine typische Impfreaktion, die viele betreffe. Sie seien Ausdruck der normalen Körperreaktion auf das Einbringen eines Fremdstoffs, so Christian Szymanski: „In wenigen Ausnahmefällen können die Reaktionen so heftig ausfallen, dass Patienten für eine Nacht stationär zur Beobachtung und zur intravenösen Flüssigkeitsgabe aufgenommen werden. Sie können das Krankenhaus in aller Regel am nächsten Tag wieder verlassen.“

Wann sollten Geimpfte einen Arzt aufsuchen? Julia Anna Droste sagt: „Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Astrazeneca sind verdächtig, wenn sie ungewöhnlich und extrem stark sind und erst an Tag 5 bis 16 nach der Impfung auftreten. Auffällig sind zudem stecknadelgroße Einblutungen in der Haut über die Impfstelle hinaus sowie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Arm- oder Beinschwellungen – insbesondere am Schienenbein oder Unterarm.“

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden bis zum 21. April 63 Fälle einer Hirn-/Sinusvenenthrombose nach Impfung mit Astrazeneca gemeldet. Sechs Frauen und sechs Männer starben.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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