Die Bürgermeisterkandidaten sind sich nicht einige, wenn es darum geht wie viele Stellen im Rathaus benötigt werden. © Tobias Weckenbrock
Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Wahl: Das sind die Kandidaten in Castrop-Rauxel

Wer tritt gegen wen an im Rennen um das Bürgermeister-Amt ab Herbst 2020 in Castrop-Rauxel? Wir listen auf und stellen die Kandidaturen kompakt vor.

Am 13. September 2020 ist Kommunalwahl in NRW. In Castrop-Rauxel werden nicht nur ein neuer Landrat, der Kreistag, das Ruhrparlament des RVR, der Stadtrat sowie der Integrationsrat der Stadt gewählt, sondern auch der Bürgermeister. Es gibt für die Wahl nur männliche Kandidaten. Auch Amtsinhaber Rajko Kravanja tritt für die SPD wieder an. Aber wer noch? Wir geben einen Überblick:

Rajko Kravanja (SPD): Er ist Amtsinhaber und gelangte 2015 als Nachfolger von Johannes Beisenherz in die Rolle des ersten Bürgers der Stadt Castrop-Rauxel. Während Beisenherz bei seiner Wahl 2009 noch mit einem Stimmenverhältnis von 51 Prozent zu 27 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Hilmar Claus gewann, war Kravanjas Vorsprung gegenüber Michael Breilmann weit geringer: Im ersten Wahlgang 2015 kam der SPD-Kandidat auf 43, Breilmann auf 40 Prozent.

Die anderen drei Kandidaten waren Manfred Fiedler (Grüne, 8,4 Prozent), Nils Bettinger (FDP, 4,8 Prozent) und Hakan Sönger (Linke, 3,9 Prozent). Die Stichwahl zwei Wochen später endete mit 52,6 Prozent für Kravanja zu 47,4 Prozent für Breilmann – in absoluten Zahlen ein Vorsprung von gerade einmal 1000 Stimmen (10.800 für Kravanja, 9800 für Breilmann).

Der Amtsinhaber: Rajko Kravanja
Der Amtsinhaber: Rajko Kravanja © Volker Engel © Volker Engel

Kravanja tritt wieder an, kommt nicht nur mit einem Amts-, sondern sicher auch mit einem Krisenbonus daher. Seit Monaten, seit Ausbruch des Coronavirus in der Region, tritt er als emsiger Manager auf. Er ist sehr präsent, auch mit eigenen Mitteilungen zum Stand der Dinge im Internet, und wirkt, als habe er trotz arbeitsreicher Zeiten einen guten Überblick über das Geschehen. Das bescheinigen ihm auch politische Gegner. Dass die SPD in Castrop-Rauxel traditionell und noch immer die Nase vorn hat, ist vielleicht auch für 2020 zu erwarten.

Oliver Lind (CDU): Der Jurist ist etablierter Ratsherr und seit vielen Jahren Vorsitzender des politischen Fachausschusses, der sich um die Themen Stadtentwicklung und Bauen kümmert. Mit denen kann man auch bei einer Bürgermeisterwahl punkten, denn es sind oft positiv behaftete Aufbruchs-Zukunftsthemen für eine Stadt.

Oliver Lind, B3-Ausschussvorsitzender und CDU-Bürgermeisterkandidat, hat eingestanden, dass die Wünsche von Politik und Verwaltung dem bisherigen Investor zu anspruchsvoll waren: Es sollte ein Lebensmittel-Geschäft mit darüber liegender Wohnbebauung her.
Oliver Lind, B3-Ausschussvorsitzender und CDU-Bürgermeisterkandidat, hat eingestanden, dass die Wünsche von Politik und Verwaltung dem bisherigen Investor zu anspruchsvoll waren: Es sollte ein Lebensmittel-Geschäft mit darüber liegender Wohnbebauung her. © Marcel Witte © Marcel Witte

Kurz vor seiner Nominierung Anfang des Jahres versuchte er, beim Dauerbrenner-Thema „Alte Eiche“ zu punkten: Er schwang sich zum Retter des Baumes auf, reklamierte für sich, es geschafft zu haben, den Investor zurück an den Verhandlungstisch geholt zu haben, erfand den „Lind-Plan“ zur Rettung der Eiche. Auch wenn die Stadtverwaltung in Person von Stadtbaurätin Bettina Lenort den Kompromiss ebenso für sich verbuchte, ist festzuhalten: Die Eiche bleibt, und das ist am Ende auch ein Verdienst der CDU um Oliver Lind. Ein Mann, der zuvor immer erklärte hatte, dass man einem politischen Beschluss treu bleiben müsse. In dessen Folge hätte die Eiche gefällt werden dürfen.

Während sich in Pressemitteilungen zu politischen Themen anderer Couleur im Frühjahr und Sommer meist Fraktions-Chef Michael Breilmann zitieren ließ, gab Lind wieder Gas beim Thema Entwicklung der Xscape-Fläche entlang der B235 / A42. Auch ein Stadtentwicklungs-Thema. Große Wahlplakate zeigen ihn als einen Mann der Baustellen – es ist seine Stärke, sein Themenspektrum, und darauf setzt er.

Nils Bettinger (FDP): Der FDP-Fraktionschef ist als erfahrener Ratsherr meist gut informiert über alle Themen in Castrop-Rauxel. Er ist Lehrer in Waltrop, wohnt in der Altstadt und bekommt durch seine Vernetzung vor Ort viel mit. Seine fundierte, meist sachliche Argumentation in Detailfragen ist zwar nicht immer bequem für die großen Ratsfraktionen oder die Stadtverwaltung, aber er bleibt dabei stets sachlich. Im Wahlkampf agiert er weitgehend ruhig, nur beim Thema „Wo dürfen Wahlplakate hängen?“ wurde er schon mal emotional und grantig gegenüber der Stadtverwaltung und dem amtierenden Bürgermeister.

Nils Bettinger möchte Castropolis fortsetzen.
Nils Bettinger möchte Castropolis fortsetzen. © Bettinger © Bettinger

2015 bekam Bettinger trotz seiner Sachkenntnisse weniger als 5 Prozent der Stimmen, was dem allgemeinen Zustimmungs-Niveau der Liberalen in Castrop-Rauxel zu entsprechen scheint.

Die Grünen, Linken, FWI haben in Manfred Fiedler als bisher letzte Parteien einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Der 59-jährige grüne Ratsherr trat schon 2015 an, kam damals mit 8,4 Prozent auf Platz 3 hinter Kravanja und Michael Breilmann. Damals nominierten nur die Grünen ihn – diesmal steht hinter ihm ein Stimmenpotenzial von rund 20 Prozent bezogen auf die Stimmverteilung bei der letzten Stadtratswahl 2014.

Seit Ende Juli steht fest, dass auch ein Einzelbewerber genügend Unterschriften Castrop-Rauxeler gesammelt hat, um bei der Wahl antreten zu dürfen. Auch er wird daher am 13. September auf dem Wahlzettel zur Bürgermeister-Wahl stehen:

Mario Rommel: Rommel wollte schon 2015 antreten, wurde damals aber nicht zur Wahl zugelassen. Er hatte nicht die notwendigen 250 Unterschriften. Dabei dachte er wohl, er habe sie eigentlich zusammen. Aber die Stadtverwaltung erkannte nicht alle Unterschriften auf der Liste an, die er dort abgab. Einige der Adressen sollen nicht klar oder nicht existent gewesen sein, hieß es damals. 2020 sei es für ihn kein Problem gewesen, die notwendige Zahl an Unterschriften zusammenzubekommen, sagte Rommel unserer Redaktion. Die Hürde war Corona-bedingt auf 150 gesenkt worden, Rommel bekam 221 gültige Unterschriften zusammen. Wer sich mit seinem Profil bei Facebook etwas eingehender beschäftigt, sieht, dass er bei „Du bist Castroper, wenn…“, einer Gruppe mit über 20.000 Mitgliedern, vom Administrator ausgeschlossen wurde und nun auf seiner eigenen Seite Unterstützungs-Links zu Verschwörungs-Theorien nahe stehenden Menschen wie Xavier Naidoo postet.

Ein Einzelkandidat wollte zunächst antreten, schied aber wieder aus dem Rennen aus:

Florian Pätzold: Der Mann mit Nähe zu den Leuten von „Die Partei“ wollte antreten, sammelte wohl auch schon Unterschriften, machte aber Mitte Mai einen Rückzieher: wegen eines Unglücksfalls in der Familie, gab er als Grund an. Und weil durch die Corona-Krise das Sammeln von Unterschriften unterbunden wurde.

AfD und UBP stellen keinen eigenen Kandidaten. Die UBP ist in der laufenden Ratsperiode mit zwei Sitzen im Rat vertreten. Die AfD wollte eigentlich zum ersten Mal bei der Kommunalwahl antreten. Ihr fehlten aber nach eigenem Bekunden Kandidaten, darum gab sie auf und ist nicht dabei.

Dieser Artikel wird immer mal wieder aktualisiert. Der Ursprungsbericht stammt aus dem Frühjahr 2020. Seither haben sich immer wieder neue Sachstände ergeben.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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