Einer der Berechtigungsscheine der Bundesregierung und den Krankenkassen für jeweils sechs FFP2-Masken, die man in der Apotheke einlösen kann. © dpa (Symbolbild)
Coronavirus

Castrop-Rauxeler Familie bekam FFP2-Coupons – und keiner weiß, warum

FFP2-Masken geschenkt zu bekommen: für manchen ein Glück. Erst recht, seitdem sie in Geschäften Pflicht sind. Eine Castrop-Rauxeler Familie bekam nun Post aus Berlin mit Coupons – und wundert sich.

Apotheker bekommen vom Bund 6 Euro pro FFP2-Maske, wenn sie diese gegen vorgelegte Coupons an berechtigte Menschen ausgeben. Zwei Sechserpacks kann man sich abholen, also sind das 72 Euro pro Person. Bei Ausgaben, die deutlich darunter liegen.

Eigentlich sollen nur Menschen berechtigt sein, die besonders gefährdet sind, wenn sie mit Sars-CoV-2 infiziert würden: Menschen über 60 Jahren und Vorerkrankte. Jetzt hat eine junge Familie aus Castrop-Rauxel Coupons aus Berlin zugeschickt bekommen. Statt sich über die Gratis-Masken zu freuen, wundert es den Vater: Er weiß nicht, warum er berechtigt ist – zumal er selbst seit Monaten das Tragen vor allem von Alltagsmasken stark kritisiert. Und über die 6 Euro vom Bund für die Apotheken regt er sich sogar auf.

Der 44-jährige Vater rief beim Gesundheitsamt des Kreises an, sagt er gegenüber unserer Redaktion. „Aber die konnten mir keine Erklärung geben.“ Wir fragten darum beim Bundes-Gesundheitsministerium an, um die Hintergründe zu verstehen. Vorweg erklärt der 44-jährige Castrop-Rauxeler auf Anfrage unserer Redaktion noch, dass er und seine jüngste Tochter (8) diese Gutscheine bekommen hätten. Vorerkrankungen habe er nicht, er sei seit einem Jahr auf der Arbeit nicht mal wegen einer Erkältung ausgefallen.

So erklärt es das Gesundheitsministerium

Parissa Hajebi, Sprecherin des Gesundheitsministers Jens Spahn, erklärt auf Anfrage, es gehe bei den Coupons darum, Risikogruppen zu schützen: „Das ist das Ziel der Verordnung zum Anspruch auf Schutzmasken zur Vermeidung einer Infektion mit dem Coronavirus. Mit ihr erhalten alle Risikogruppen Zugang zu kostenlosen bzw. vergünstigten FFP2-Masken. Im ersten Schritt gab es die Abholmöglichkeit ohne Coupons, danach mit Berechtigungsscheinen, so wie es mit den Partnern abgestimmt war.“

Im Dezember sei es um eine möglichst unbürokratische Regelung gegangen, um schnell starten zu können. Am 4.1. begann die Auslieferung der Gutscheine an Krankenversicherungen, die sie an ihre anspruchsberechtigten Versicherten weiterverschickten. „Im Laufe des Januars haben Anspruchsberechtige zwei fälschungssichere Coupons für jeweils sechs Masken von ihren gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen erhalten“, so Hajebi.

Diese Scheine und eine Erklärung per Brief bekam auch die Familie in Castrop-Rauxel.
Diese Scheine und eine Erklärung per Brief bekam auch die Familie in Castrop-Rauxel. © dpa © dpa

In drei Wellen gingen sie raus: Zuerst an Personen ab 75 Jahren, danach Personen ab 70 Jahren sowie Menschen mit bestimmten Erkrankungen und Risikofaktoren, im dritten Versand an alle Versicherten ab 60 Jahren. Der erste Coupon kann noch bis zum 28. Februar eingelöst werden, der zweite vom 16. Februar bis 15. April. „Das ist der Zeitraum, für den es Planungen gibt“, erklärt die Sprecherin.

Die Ermittlung, welche Personen anspruchsberechtigt sind, oblag den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen. „Mit Detailfragen hierzu müssten Sie sich dorthin wenden“, so Hajebi.

Sprecherin erklärt die 6-Euro-Vergütung

Die Apotheken beschafften die Masken und erhielten hierfür je Maske 6 Euro. „Darin enthalten ist die Umsatzsteuer und die Leistung des Apothekers. Wir setzen damit einen Anreiz, dass die Apotheken die Masken beschaffen, ihre Kunden beraten, die Angaben kontrollieren und die Masken abgeben“, sagt die Sprecherin. Momentan liege der Maskenpreis in Apotheken in vergleichbarer Höhe.

Und unser Familienvater? „Gerade war ich bei einer Apotheke“, erzählt er. Es seien übermäßig viele Gutscheine eingelöst worden, davon viele von Menschen die nicht zur Risikogruppe gehören, habe er von einer Mitarbeiterin erfahren.

Und er äußert noch einen Verdacht: Jens Spahn habe vor seiner Tätigkeit im Ministerium eine Lobbyfirma gehabt, wie 2015 der „Focus“ berichtete. Dessen damaliger Partner habe für Doc Morris und andere Apotheken Lobbyarbeit betrieben. „Meine Meinung ist aber Spekulation“, so der 44-jährige Castrop-Rauxeler. „Komisch, dass jetzt nach einem Jahr erkannt wird, dass Stofflappen nicht wirken und nur noch medizinische Masken erlaubt sind.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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