Die Feuerwehr ist am Samstag unter anderem zum EvK in Castrop-Rauxel gerufen worden. © Thomas Schroeter (Archiv)
Coronavirus

Corona-Hotspot: EvK nimmt keine Patienten mehr auf und testet auf Mutation

Im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel steigt die Zahl von Beschäftigten und Patienten mit Sars-CoV-2. Viele Mitarbeiter sind in Quarantäne. Wurden Fehler gemacht? Und gibt es die Mutation?

Das Evangelische Krankenhaus hat sich zu einem Hotspot in Castrop-Rauxel entwickelt. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen reagiert das EvK auf steigende Zahlen von Corona-Infizierten.

Am Montag (25.1.) meldete das Krankenhaus von der Grutholzallee 41 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind und stationär behandelt werden. Drei von ihnen liegen mit Covid-19 auf der Intensivstation, zwei müssen dort beatmet werden. Am Freitag waren es noch 34 Covid-19-Patienten.

Aber auch Mitarbeiter des Krankenhauses sind infiziert oder in Quarantäne. „Zurzeit befinden sich 73 Mitarbeitende in Quarantäne. Diese Mitarbeitenden verteilen sich auf das ganze Haus“, informiert Verwaltungsdirektor Gerhard Glock am Montag auf Anfrage unserer Redaktion. Insgesamt habe das EvK Castrop-Rauxel fast 900 Mitarbeitende, es fällt allein durch Corona also jeder Zwölfte aus.

Ursache für den Ausbruch ist noch nicht gefunden

Noch unklar ist, wie es zu dem Ausbruchsgeschehen vor allem in der Belegschaft kam, sagt Lena Heimers, Pressesprecherin des Kreises Recklinghausen. Das Gesundheitsamt sei mit dem EvK zusammen noch auf Ursachensuche. Die Zusammenarbeit sei gut, so das Gesundheitsamt, das Krankenhaus sei sehr offen.

Einige Gegen-Maßnahmen werden jetzt umgesetzt. Dadurch wird der Betrieb eingeschränkt. Gerhard Glock erläutert: „Wir führen zurzeit keine planbaren Eingriffe durch, sondern konzentrieren uns auf die Notfallversorgung und auf die Versorgung der Covid-Patienten. Das gehört ebenso zu den mit dem Gesundheitsamt abgesprochenen Maßnahmen wie die strikte Trennung zwischen einem ‚reinen Bereich‘, wo ausschließlich Patienten behandelt werden, die nicht von Covid betroffen sind, und den übrigen Bereichen.“

Diese sogenannte Kohortenbildung gelte, so Lena Heimers, auch für das Personal. Gerhard Glock sagt, wie es bisher gehandhabt wurde: „Prinzipiell arbeitet jeder in seinem Bereich. Wenn es die Versorgungssituation aber dringend erfordert, wird Personal auch in anderen Bereichen eingesetzt.“

Erst einmal werden keine neuen Patienten aufgenommen

Derzeit gilt sogar ein Aufnahmestopp für das komplette Krankenhaus. Das sagt Pressesprecherin Lena Heimers für das Kreisgesundheitsamt: „Es werden keine neuen Patienten aufgenommen, um das Ausbruchsgeschehen in den Griff zu bekommen.“ Das Krankenhaus, so ihre Information, sei schon jetzt zu nur etwa 30 Prozent belegt.

Das Hygienekonzept wurde vom Gesundheitsamt geprüft. Prinzipiell es nichts beanstandet worden, so Heimers. Gesprochen wurde darüber, wo, welche Art von Schutzkleidung einzusetzen sei. Das Testkonzept werde ebenfalls geprüft und gegebenenfalls überarbeitet.

Auch hier hat das Krankenhaus reagiert. „Eine weitere Maßnahme ist die Erhöhung der Test-Frequenz bei unserem Personal. Je nach Bereich werden die Mitarbeitenden einmal täglich getestet“, sagt Dr. Uwe Werfel, Krankenhaushygieniker der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel. Seit Weihnachten gebe es wöchentliche Tests. Schutzkleidung gebe es in allen Bereichen.

Ob sich Patienten im Krankenhaus angesteckt haben, lässt sich nicht sagen

Bei der steigenden Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Patienten stellt sich die Frage, ob sich Patienten erst im Krankenhaus angesteckt haben. Uwe Werfel sagt dazu: „Hier lassen sich keine eindeutigen Aussagen treffen, da man immer die Inkubationszeit berücksichtigen muss. Man kann zum Zeitpunkt eines Tests das Virus bereits in sich tragen, ohne dass sich dies im Testergebnis niederschlägt. Deshalb testen wir unsere Patienten nicht nur vor einem stationären Aufenthalt im EvK, sondern nach fünf Tagen ein weiteres Mal.“

In Berlin ist ein ganze Klinik wegen der Corona-Mutante B.1.1.7. in Quarantäne. Auch in Castrop-Rauxel schaut man nun, ob es die gefährliche Mutation auch hier gibt. Gerhard Glock sagt: „Nach einer vor wenigen Tagen verabschiedeten Verordnung sollen fünf bis zehn Prozent der Proben auf die mutierten Formen des Virus hin sequenziert werden. Gezielte Testungen können durch die jeweiligen Gesundheitsämter veranlasst werden. Dieses Vorgehen ist festgelegt durch das Robert-Koch-Institut.“

Lena Heimers bestätigt für das Gesundheitsamt: „Wir haben die Überprüfung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis des Labors liegt aber noch nicht vor.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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