Münsters Prinzipalmarkt mit der Lamberti-Kirche. Leergefegt wirkt die Westfalenmetropole zurzeit manchmal allein darum, weil viele der Studenten sie nicht wie sonst bevölkern. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Corona-Vorzeigestadt Münster: Was kann Castrop-Rauxel davon lernen?

Es gibt zwei Vorzeigestädte in NRW, die die Infektionslage besser im Griff haben als alle anderen: Münster und Haltern am See. Was kann Castrop-Rauxel von ihnen lernen?

Haltern am See geht voran: Hier gibt es eine Wochen-Inzidenz von um die 16. Das ist im Kreis Recklinghausen die absolute Spitzenposition. 19 Menschen gelten als akut infiziert. Man könnte fast sagen, die Pandemie wäre in der schönen 38.000-Einwohner-Stadt auf der Schwelle zwischen Ruhrgebiet und Münsterland am Nordrand des Kreises absolut unter Kontrolle. Auf einem Niveau, das wir in Deutschland überall anstreben.

Auch in Münster, die als besonders lebenswert empfundene Westfalenmetropole mit rund 300.000 Einwohnern, ist die Lage rosig: Die Stadt ist seit Tagen eine der Großstädte in Deutschland mit den geringsten Werten. 38,5 gibt das Landeszentrum Gesundheit als aktuelle Wocheninzidenz aus.

In Castrop-Rauxel, derzeit mit Abstand das Schlusslicht mit einer Inzidenz von fast 250 und akut 284 gemeldeten Infizierten, ist die Situation hingegen so schlecht wie nie. Was machen die anderen Städte besser?

Das Münsterland steht sehr gut da

Warum Haltern so gute Zahlen hat, ist kaum erforscht. Klar ist, dass auch der benachbarte Kreis Coesfeld so wie das gesamte Münsterland besser dasteht als das Ruhrgebiet: Kreis Borken 50, Kreis Steinfurt 67, Kreis Warendorf 118: Alles besser als der Kreis Recklinghausen mit einem Inzidenz-Wert von rund 129. Die weniger verdichteten Wohnstrukturen in Haltern, die Kontakt-Disziplin der Menschen, ein möglicherweise höherer Durchsatz an Home-Office-Lösungen und Verzicht auf Bus-Nutzung: alles nur Mutmaßungen.

Für die Stadt Münster hat das Lokalradio „Antenne Münster“ einige Punkte aufgeführt, die dazu beigetragen haben: Die Menschen lieben ihre Stadt und pflegten eine Art „Achtung anderen gegenüber und für uns selbst“. So sagte es Oberbürgermeister Markus Lewe kürzlich im ARD/ZDF-Morgenmagazin. Das sei eine Art Grundhaltung. Haben wir die in Castrop-Rauxel auch?

Frühe Gründung eines eigenen Krisenstabs

Die Stadt sei eine der ersten mit einem eigenen Corona-Krisenstab gewesen. Schon im Januar 2020 saßen Stadt, Gesundheitsamt, Feuerwehr, Krankenhäuser und Kassenärztliche Vereinigung zusammen, um Strategien zu entwickeln. Da sprach man in Deutschland noch von dem unbekannten Virus aus Wuhan. Die Stadt Münster führte die Maskenpflicht schon ein, als sie in NRW noch nicht galt.

Münster ist statistisch Single- (und Studenten-)Hochburg. Man geht davon aus, dass viele Infektionen in Wohnungen übertragen werden. Diese Gefahr besteht bei Singles eher nicht. Viele der 60.000 Studenten mit Zweitwohnsitz in Münster sind derzeit gar nicht vor Ort, weil Uni und FHs weitgehend Distanzlernen anbieten.

Fahrradfahren schützt vor Infektionen

Münster ist Fahrradstadt: Fast 40 Prozent aller Fahrten in der Stadt werden auf dem Fahrrad zurückgelegt. Münster ist „der Schreibtisch Westfalens“: Hier gibt es große Versicherungen, Banken, Gerichte und Regional-Behörden. Viele Beschäftigte arbeiten im Home-Office.

Letztlich sind das alles nur Indizien, keine Belege. Tatsache ist aber, dass es Städte gibt, die eben nicht nur einmalig geringere Corona-Zahlen, sondern auch langfristig auf einem niedrigeren Niveau liegen. Schwer zu glauben, dass das ausschließlich auf Glück zurückzuführen ist.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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