Nach kurzer Öffnungsphase müssen die Geschäfte in Castrop-Rauxel wieder schließen. © Ruhr Nachrichten
Coronavirus

„Einfach sprachlos“: Lockdown bis April schockt Castrop-Rauxeler Einzelhändler

Nach einer kurzen Öffnungsphase muss der Einzelhandel wieder schließen. Die Entscheidung der Politik lässt die Händler in Castrop-Rauxel fassungslos zurück. Manche sehen aber auch Chancen.

Erst hebt das Oberverwaltungsgericht Münster am Montag (21.3.) die Click-and-meet-Lösung für Geschäfte auf. Kaum zwei Stunden später bestimmt die Landesregierung, dass grundsätzlich alle Läden ab sofort Click-and-meet anbieten müssen – und in der Nacht zu Dienstag beschließen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten den Lockdown bis Mitte April zu verlängern und Lockerungen für den Einzelhandel zurückzunehmen.

Für die Einzelhändler in Castrop-Rauxel waren die vergangenen zwei Tage ein Wechselbad der Gefühle. „Mir fehlen mittlerweile einfach nur die Worte“, sagt Simone Hendrich, Inhaberin von „Hendrich Strümpfe und mehr“ in der Castroper Altstadt.

Fassungslosigkeit bei Castrop-Rauxelern

Vor allem die Nachricht, wieder schließen zu müssen, traf die Castrop-Rauxelerin wie ein Schlag ins Gesicht. „Die Planlosigkeit der Regierung macht mich nur noch sprachlos. Man merkt doch, dass die Leute mittlerweile nur noch genervt von dem Ganzen sind“, sagt sie.

Ähnlich fassungslos ist Mike Bartel. Der Inhaber des Modegeschäfts „Kurvenglück“ in Ickern ist geschockt. „Das ist nicht nur für mich als Geschäftsmann eine totale Katastrophe, sondern auch menschlich komplett unverständlich“ führt er aus. „Ich kann seit letzter Woche schön nach Mallorca fliegen, aber im Laden um die Ecke nicht mehr einkaufen gehen. Wo ist denn da die Logik?“

Entscheidungen immer schwerer nachzuvollziehen

Genauso ergeht es auch Matthias Zimmer. Der Juwelier mit eigenem Geschäft in der Castroper Altstadt ist sehr skeptisch, was die Entscheidung der Regierung anbelangt: Er sei zwar am Anfang der Pandemie noch ein starker Unterstützer der Corona-Strategie der Regierung gewesen, aber mittlerweile könne auch er die Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen können.

„Ich glaube nicht, dass in diesem kurzen Zeitraum irgendjemand schon ermitteln konnte, dass die Wiedereröffnung des Einzelhandels zu einem massenhaften Anstieg der Infektionszahlen geführt hat“, meint der Vorsitzende der Werbegemeinschaft CasConcept. „Man ist auch langsam mit seiner Geduld am Ende. Die stets neuen Termine, wann der Lockdown endlich endet, und die damit verbundene Unsicherheit gehen einfach an die Substanz.“

Existenzängste kommen auf

„Wenn es wenigstens Entschädigungen geben würde“ meint Hendrich. „Aber ich habe noch keinen Cent gesehen.“ Die ganze Situation hätte sie schon sehr verändert. Durch die anhaltende Unsicherheit sei sie viel härter geworden.

Ähnliche Ängste teilt Mike Bartel. „Gerade bei unseren Waren ist es für den Kunden wichtig, dass er sie anprobiert, den Stoff auch mal fühlt. Viele Kunden haben mir bereits bei ihren Terminen gesagt, dass sie ohne ein direktes Shopping-Treffen überhaupt keine Kleidung gekauft hätten“, erzählt er. Ihm selbst, genauso wie Simone Hendrich und Matthias Zimmer, bleibe nur übrig, wieder Click-and-collect anzubieten.

Optimismus trotz Lockdown

Ganz anders sieht es bei Martina Tielker aus. Auf die Frage, wie sie und ihr Team von der Buchhandlung Leselust auf die neue Situation reagieren werden, antwortet sie: „Lockdown? Das können wir!“ Sie gehe eher optimistisch an die Sache heran, nach einem Jahr Pandemie habe man als Einzelhändler schon Erfahrung mit dem Lockdown.

„Das ist bei mir schon so, als wenn ich einen Schalter umlege: Der Lockdown ist jetzt wieder an“, erklärt sie. Aber unter der fröhlichen Fassade merkt man, dass die Pandemie auch an der Buchhändlerin nicht spurenlos vorbeiging: „Die Beratung, das Gespräch mit den Kunden, kurzum all das was mir am Buchhandel so viel Freude bereitet, ist durch den Lockdown wieder nicht möglich.“

Doch unterkriegen, will sie sich von der Situation dennoch nicht. „Solange ich nicht krank werde, drückt der Virus mich nicht in die Knie“, meint Tielker. Für den Sommer plane sie deshalb schon mit einer besonderen Aktion. „Ob ich die aber auch realisieren kann, steht noch in den Sternen.“

Über den Autor
Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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Kevin Kallenbach

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