Nur für kurze Zeit hätte dieses Schild vor dem Takko am Montag (22.3.) abgebaut werden dürfen. Am Nachmittag änderte die NRW-Landesregierung die Rechtslage: Nun darf man in noch mehr Geschäften nur noch nach Terminvereinbarung einkaufen. © Thomas Schroeter
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Einkaufen mit Termin – oder ohne? Wirrwarr verärgert Castrop-Rauxels Händler

Für Stunden galt am Montag im Einzelhandel keine Kundenbegrenzung mehr. Dann doch wieder – teils sogar mit verschärften Regeln. Für Castrop-Rauxeler Einzelhändler ein unerfreuliches Hickhack.

Die Nachricht schlug beim Einzelhandel in Castrop-Rauxel ein: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat am Montag (22.3.) entschieden, dass vorerst im NRW-Einzelhandel wieder ohne Termin und ohne Beschränkung der Kundenzahl eingekauft werden kann.

Die Begründung des OVG: In der Coronaschutzverordnung sei nicht klar genug geregelt, warum bislang zum Beispiel Buchhandlungen keine Termine vergeben mussten, andere Läden dagegen schon.

In Castrop-Rauxel hatten viele Läden sofort reagiert. Beispielsweise galt direkt am Montagmittag im Hagebaumarkt am Westring und bei C&A, Mediamarkt, Deichmann oder Ernsting‘s Family keine Beschränkung auf eine bestimmte Kundenanzahl mehr. Andere Händler zeigten sich zurückhaltender.

Rechtslage änderte sich am frühen Nachmittag

Am Nachmittag änderte sich die Rechtslage ohnehin sofort wieder. Das Landes-Gesundheitsministerium aktualisierte die Coronaschutzverordnung und ordnete an, dass das Click & Meet und die Beschränkung auf eine bestimmte Kundenzahl in den Läden weiterhin gilt. Um dem Urteil des OVG genüge zu tun, müssen offiziell ab Dienstag um Mitternacht auch die Läden ein Click & Meet-System einführen, in denen man seit dem 8. März „einfach so“ einkaufen konnte.

In Castrop-Rauxel betrifft die Neuregelung, die nach dem OVG-Urteil nötig wird, zum Beispiel die Mayersche Buchhandlung oder die Buchhandlung Leselust in der Altstadt oder auch das Gartencenter Augsburg. Martina Tielker sieht die neue Regelung für ihre Buchhandlung Leselust sehr problematisch. „Click & Meet ist eine Katastrophe“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ihre Kunden, so erzählt sie, wollen in Ruhe stöbern, sich beraten lassen. Ob sie jetzt dafür unproblematisch Termine ausmachen werden, das bezweifelt sie. Mal abgesehen von denen, die mal eben kurz eine Karte kaufen wollen. „Der Spontankauf wird fehlen.“

Buchhändlerin wünscht sich mehr Selbstbewusstsein bei Kunden

Erst seit Kurzem kann sie wieder ihre Buchhandlung öffnen. Die Kunden genießen das, so sagt Martina Tielker. Sie würden ihr aber auch erzählen, dass sie Hemmungen hätten, einen Termin in den Kleidungsläden zu machen. „Sie fühlen sich unter Druck zu kaufen.“ Ihr Appell an die Kunden im Einzelhandel: „Sie sollen mehr Selbstbewusstsein haben und wieder in die Läden gehen. Auch wenn sie mal nichts kaufen.“

Matthias Zimmer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Casconcept, hatte schon am Montagmittag nicht damit gerechnet, dass die Öffnung lange anhalten würde. „Da wurde ein Schlupfloch genutzt, weil das Land die Gesetzeslage nicht sauber formuliert hatte“, sagt er. Einschränkungen fallen zu lassen, kam für ihn sowieso nicht infrage.

In seinem Juweliergeschäft am Markt klappe es prima mit der Terminvergabe. Zwei dürfen maximal rein. „Die Kunden schätzen den Luxus, dass man sich Zeit für sie nehmen kann.“ Generell habe sich in der Altstadt die Praxis der Terminvergabe, auch vor Ort, gut eingespielt.

„Die Stimmung hier ist nicht gerade gut“

Das gesamte Durcheinander findet Armin Fiolka, Chef der Habinghorster Werbegemeinschaft Inwerb, gefährlich. „Das hat unsere Landesregierung ja offenbar gründlich verbockt“, reagierte der Geschäftsmann von der Langen Straße zunächst auf die Nachricht vom OVG-Urteil, die er durch unseren Anruf erfuhr. „Ich sitze gerade mit meinen Kollegen von der Inwerb zusammen. Die Stimmung hier ist nicht gerade gut“, erzählte Fiolka.

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Zur späteren Kehrtwende zeigte er sich gelassen. Zumal es spätestens nach der Ministerpräsidenten-Runde wohl wieder neue Regelungen geben werde. „Das Land muss sich natürlich an Recht und Gesetz halten. Jetzt gibt es eine Gleichbehandlung“, kommentierte Fiolka die Gleichstellung von Buchhandlungen, Gartenmärkten etc. Letztlich sei aber nur eine Sache wichtig: „Wir wollen alle Corona überleben. Da hat jeder seine Verantwortung zu tragen.“

Im Hagebaumarkt machen die meisten Kunden ihren Termin vor Ort

Im Hagebaumarkt am Westring kann an diesem Montag ohne Termin eingekauft werden. Viel geändert hat sich dadurch nicht, erklärt Inhaber Jörg Langenhorst. „Click & Meet ist für uns ein sinnloses Instrument“, sagt er. Denn nach den Corona-Regeln dürfen 80 bis 90 Kunden in den Markt. „Diese Frequenz hat ein Baumarkt nicht“, so Langenhorst.

80 Prozent der Kunden seien sowieso einfach gekommen. „Sie haben vor Ort einen Termin bekommen“, so Jörg Langenhorst. Abgewiesen wurde nie jemand. Das werde ab Dienstag auch wieder so sein.

Auch das Gartencenter Augsburg bereitet sich nun auf Terminvergaben vor, die bislang nicht notwendig waren. „Wir organisieren das gerade“, sagt Pressesprecherin Barbara Schilling. Termine könnten auch vor Ort gemacht werden. „Wir haben große Flächen, in Castrop-Rauxel mehr als 7000 Quadratmeter“, sagt sie. Nur in Saisonzeiten wie im Mai könne es vielleicht etwas eng werden.

Einzelhändler fürchten den erneuten Lockdown

Viele der Einzelhändler fürchten, bald wieder ganz in den Lockdown zu müssen. Auch Martina Tielker gehört dazu. „Das ganze Hickhack geht mir auf den Geist“, sagt sie. Bis jetzt habe sie es geschafft, auch ohne Kurzarbeit für das fünfköpfige Team über die Runden zu kommen. Und auch jetzt werde sie wieder Bücher ausliefern und auf andere Weise Kontakt mit den Kunden halten.

Martina Tielker sieht aber auch die allgemeine Lage in der Altstadt. Sie sagt: „Jeder versucht, so lange es geht durchzuhalten. Aber irgendwann können die inhabergeführten Läden nicht mehr.“

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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