Der Europaplatz am Stadtmittelpunkt: Das Rathaus, die Stadthalle und die Europahalle sind ein anerkanntes architektonisches Bauwerk-Ensemble. Sie tragen das Siegel „Big beautiful buildings“. Aber sie gelten auch als reif für eine große Sanierung oder gar den Abriss. © Tobias Weckenbrock
Bürgerbüro

Freie Bürgerservice-Termine erst ab September: „Es ist einfach ärgerlich“

Monatelang müssen Castrop-Rauxeler zurzeit warten, um einen neuen Personalausweis beantragen zu können. Erinnerungen werden wach. Die Stadt erklärt die Verzögerung mit der Corona-Pandemie.

Um einen neuen Personalausweis zu beantragen, wollte die Castrop-Rauxelerin Rosemarie Landsiedel vor einigen Wochen online einen Termin für den Bürgerservice vereinbaren. Doch den ersten freien Termin findet sie erst im September.

„Das konnte ich mir nicht wirklich vorstellen und habe dann angerufen“, erzählt Rosemarie Landsiedel unserer Redaktion. Aber auch am Telefon bekommt sie die gleiche Auskunft: September, vorher geht es nicht.

Ihr Personalausweis ist im April abgelaufen. „Zum Glück bin ich noch Besitzerin eines Reisepasses, sonst könnte ich mich ja gar nicht ausweisen“, sagt sie.

Die Schuld für die lange Bearbeitungsdauer sieht sie nicht bei den Angestellten der Stadt: „Die Leute können ja nichts dafür, aber ärgerlich ist es trotzdem. Da muss was gemacht werden.“

Gerade in der Pandemie komme der Personalausweis häufig zum Einsatz. Sei es im Testzentrum, zur Impfung oder beim Einkauf mit Termin: Überall braucht man ihn.

Die lange Wartezeit bestätigt auch Bruno Seling. Auch er braucht einen neuen Personalausweis. Und auch er beschwerte sich bei unserer Redaktion: Sein Termin ist Mitte September. Seling beobachte das Problem schon seit Längerem, sagt er: „Durch die verfehlte Personalpolitik der Stadt besteht das Problem seit Jahren. Ich bin nicht der typische Nörgler, aber das ist einfach blöd.“

Besonders ärgert sich der Castrop-Rauxeler über die seiner Meinung nach schlechte Kommunikation der Stadt: „Man kann bei der Stadt nur ein Interesse daran haben, den Leuten Bescheid zu sagen, dass es länger dauert“, findet er. Man müsse sich ja jetzt schon einen Termin suchen, wenn der Ausweis im September abläuft.

Ein Anruf unserer Redaktion im Bürgerbüro Ende April unter dem Vorwand, einen neuen Personalausweis zu benötigen, ergibt: Der nächste freie Termin ist am 28.9. Das ist in fünf Monaten. So lange musste man nicht einmal in den Zeiten warten, als es besonders schlecht aussah im Rathaus.

Die freundliche Dame in der Telefon-Hotline erklärt, dass momentan nicht so viele Servicemitarbeiter vor Ort sein können. Möglicherweise gebe es irgendwann mehr Termine, wenn sich die Pandemie-Lage entspanne. Sie rät: „Auch wenn der Personalausweis noch nicht abgelaufen ist, sollte man schon einen Termin machen.“

Für Notfälle stünden Termine bereit

Die Stadtverwaltung erklärt die langen Wartezeiten mit Corona. Pressesprecherin Uta Stevens teilt mit: „Die Wartezeiten haben sich bedauerlicherweise aufgrund der Coronalage im Bürgerbüro sehr verlängert. Jedoch ist es mit der aktuellen prekären Lage nicht möglich, mehr Termine im Bürgerbüro anzubieten.“ Der Schutz der Mitarbeiter stehe an erster Stelle.

In anderen Städten sieht die Verfügbarkeit der Termine trotz Corona-Pandemie besser aus. Das von der Einwohnerzahl gleich große Dorsten bietet in seinem Online-Portal innerhalb von drei Wochen einen Termin zum Beantragen eines Personalausweises an. In Gladbeck gibt es Termine innerhalb von drei Monaten. In Dortmund können Termine nur zwei Wochen im Voraus gebucht werden. Gibt es in diesem Zeitraum keine freien Termine, können gar keine gebucht werden.

In Castrop-Rauxel können in besonders dringenden Fällen kurzfristig Termine möglich sein: „Für Notfälle findet sich immer ein zeitnaher Termin“, heißt es aus der Pressestelle. Und: „Die Dringlichkeit können Bürgerinnen und Bürger telefonisch darlegen.“

Sprecherin Uta Stevens weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass es wegen der Zusammenarbeit mit dem Servicecenter der Stadt Bochum mittlerweile leichter sei, die Stadt telefonisch zu erreichen (Tel. 02305 / 106-2333 und -229). Außerdem gelte weiterhin, dass auch abgelaufene Personalausweise länger gültig blieben.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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