Die Glocken im Kirchturm von St. Lambertus erklingen immer in einem bestimmten Muster. © Ronny von Wangenheim
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Fünf Glocken läuten in St. Lambertus, es sollen noch mehr werden

Knapp 120 steinerne Stufen geht es hinauf zu den Glocken im Kirchturm von St. Lambertus. Hier hängen fünf Glocken. Schon 2021 soll die Kirche zwei neue Glocken bekommen.

Hinauf zu den fünf Kirchen der Kirche St. Lambertus soll es gehen, gemeinsam mit Pfarrer Winfried Grohsmann. Doch auf dem Weg die knapp 120 Stufen hoch lohnen schon zwei kurze Stopps. Es gibt viel zu sehen.

Auf der ersten Etage hat man nicht nur einen schönen Blick in den Kirchraum. Hier kann man im Bereich des Turmes sehen, dass früher eine Öffnung im Boden war. „Hier hingen die Seile von den Glocken herunter“, erläutert Winfried Grohsmann. Erst kürzlich traf er einen älteren Mann, der als Kind noch die Glocken gezogen hat. Heute wird alles von einem Schaltpult bedient, allerdings noch nicht digital. Vieles bleibt auch heute noch Handarbeit.

Eine weitere Ebene hoch befindet sich das Uhrengehäuse gut versteckt hinter einer Holzverkleidung. Von hier aus kommt man auch auf den Boden. „Hier wird im kommenden Jahr restauriert“, sagt Grohsmann. Dann wird die alte Dämmwolle, die auf dem Gewölbe liegt, entfernt. „Sie ruiniert das Gewölbe“, erläutert der Pfarrer. Die Feuchtigkeit kann nach oben nicht entweichen. „Das mittelalterliche System war ausgeklügelt und sehr gut“, so der Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes.

In zwei Dachreiter sollen neue Wandlungsglocken kommen

Eine Leiter führt hinauf in einen der beiden Dachreiter, der vor zwei Jahren nach Sturmschäden auf dem Dachfirst des Hauptschiffes erneuert wurde. Äußerlich ist er wieder aus Holz, im Inneren hat er aber ein stählernes Gerüst. Ein zweiter Dachfirst befindet sich auf dem alten Teil der Kirche. „In beide Reiter sollen wieder Glocken hineinkommen“, erzählt Winfried Grohsmann.

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Adventstür-Glocken

Sie werden die Namen Maria Magdalena und St. Barbara tragen und sollen bald in Gescher gegossen werden. Bei ihnen handelt es sich um Wandlungsglocken, die künftig zum Hochgebet im Gottesdienst geschlagen werden soll. Rund 20000 Euro wird jede der Glocken kosten.

Im Kirchturm hängen fünf Glocken, in den beiden Reitern sollen 2021 auch wieder Glocken installiert werden.
Im Kirchturm hängen fünf Glocken, in den beiden Reitern sollen 2021 auch wieder Glocken installiert werden. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Glocken gab es in den Dachreitern schon seit dem Mittelalter. Eine von ihnen wurde 1890 an die Kirche St. Peter und Paul in Börnig gegeben. Eine andere wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an St. Elisabeth verschenkt. Sie war so klein, dass sie im Krieg nicht eingezogen und eingeschmolzen worden war.

Eiche wächst in der Eifel sehr langsam und ist deshalb sehr hart

Das ist dagegen den früheren großen Glocken passiert. Fünf hängen heute im großen Kirchturm neben- und übereinander. Gehalten werden sie von einem Gerüst aus Holzbalken. „Das ist Eifeler Eiche, die langsam gewachsen ist, also hartes, festes Holz“, erklärt Winfried Grohsmann. 2004 wurden alle Glocken neu aufgehängt.

Nur die Glocke „Ave Maria“, 1250 Kilogramm schwer, stammt noch aus dem früheren Geläut von 1919 aus der Glockengießerei Otto in Bremen. Die drei Glocken Hl. Lambertus (2210 Kilogramm) , Hl. Joseph (900 Kilogramm) und Hl. Rochus (650 Kilogramm) wurden 1949 von der Gießerei Junker in Brilon gefertigt. Es war eine Anschaffung mit Hindernissen. „Der Pfarrer hatte schon für die Glocken gesammelt. Doch dann kam die Währungsreform und er konnte nicht mehr in Reichsmark bezahlen“, erzählt Winfried Grohsmann.

Beim genauen Hinsehen zeigen sich drei Glocken, die auf zwei Ebenen angebracht sind.
Beim genauen Hinsehen zeigen sich drei Glocken, die auf zwei Ebenen angebracht sind. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Die fünfte und kleinste Glocke kam erst 2004 dazu: Hl. Blasius, die 608 Kilogramm wiegt. Jede der Glocken hat einen anderen Ton. Nicht jede der Glocken läutet allerdings zu jeder Zeit. Alle gemeinsam erklingen vor allem an hohen Festtagen wie jetzt an Weihnachten. Bei Beerdigungen dagegen läutet allein die Glocke 1, Hl. Lambertus.

Läuteordnung gibt genau vor, welche Glocken wie lange schlagen

Die Läuteordnung ist ausgeklügelt. An Gedenktagen der Gottesmutter läuten die Glocken 5 und 2, an Sonntagen in der Adventszeit die Glocken, 4, 2 und 1 und an Werktagen in der Adventszeit die Glocken 4 und 2., Die Wandlungsglocke ist an Sonntagen die 2, an Feiertagen die 1.

In einem Nebenraum der Lambertuskirche wird Glockengeläut gesteuert. Hier ist nichts digital. Manches kann programmiert werden, manches macht der Küster per Hand.
In einem Nebenraum der Kirche wird Glockengeläut gesteuert. Hier ist nichts digital. Manches kann programmiert werden, manches macht der Küster per Hand. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

„Jede Glocke verdient es, zu irgendeinem Anlass einzeln geläutet zu werden“, steht über der Läuteordnung, die an der Innenseite des Schaltkastens angebracht ist. Die Tonfolge der fünf Glocken von der größten bis zur kleinsten ist c‘-es‘-f‘-g‘-as‘. Die Glocken 1, 2 und 5 ergeben beispielsweise As-Dur und eignen sich für fröhliche Anlässe.

Eine sechste große Glocke soll in den Kirchturm einziehen

Es ist noch mehr geplant als die beiden neuen Wandungsglocken in den Dachreitern, so berichtet der Pfarrer. Alle fünf Glocken sollen einen Hammer bekommen, der zum Beispiel die volle Stunde schlägt. Zurzeit sind nur an zwei Glocken solche Hammer angebracht. „Ave Maria“ schlägt jede Viertelstunde weit hörbar. Haben alle Glocken einen Hammer, könnte sogar eine Melodie geschlagen werden. „Mal sehen, welche wir über die Altstadt geben werden“, sagt Winfried Grohsmann lächelnd.

Es hat die Stunde geschlagen: Dieser Satz beruht darauf, dass ein Hammer zu bestimmten Stundenzeiten auf die Glocke schlägt.
Es hat die Stunde geschlagen: Dieser Satz beruht darauf, dass ein Hammer zu bestimmten Stundenzeiten auf die Glocke schlägt. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Eine sechste Glocke soll in den Kirchturm einziehen. Die Planungen gibt es schon länger. Doch hier spreche auch das Erzbistum Paderborn mit. Die Statiker, so erläutert der Pfarrer, halten den massiven Kirchturm geeignet für eine weitere Glocke. Es werde auch bereits gespendet. Winfried Grohsmann rechnet mit Kosten von 170.000 Euro. Und ein Name steht auch schon fest. Die dann größte Glocke von St. Lambertus wird St. Anna heißen.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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