In der JVA Meisenhof hat ein Häftling so heftig randaliert, dass er nun ein weiteres Jahr in Haft bleiben muss. © Marcel Witte (Archiv)
Im Meisenhof

Gewalt im Gefängnis: Häftling schlägt um sich und verletzt Beamte

Ein Häftling der JVA Meisenhof rastet plötzlich aus und schlägt auf Beamte ein. Das hat ihm nun einen Termin vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht eingebracht. Einen Termin mit Folgen.

Der 37-Jährige, ein kräftiger Mann, saß ruhig auf der Anklagebank. Deshalb wurden ihm die Handschellen, in denen er vorgeführt wurde, abgenommen. Schwer vorstellbar, dass er vor einem Jahr drei Justizvollzugsbeamte angegriffen und körperlich misshandelt hat.

Doch genau das ist im Februar 2020 in der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel, dem Meisenhof, geschehen. Frühmorgens um 6.05 Uhr vor dem Dienstzimmer des für das Hafthaus zuständigen Beamten rastete er plötzlich aus. Schrie und schlug um sich. Auf den unverzüglich abgesetzten Notruf eilten drei weitere Beamte aus einem anderen Hafthaus hinzu.

Verstärkung gerufen

„Wir sind sofort rüber gesprintet und haben gesehen, dass er den Generalschlüssel an sich reißen wollte“, berichtete ein 29-jähriger Beamter im Zeugenstand. Der Häftling habe geschlagen, gekratzt, getreten und wild geschrien. Der Widerstand habe gefühlt sehr lange gedauert, alle drei trugen Blessuren davon. Schädel- und Jochbeinprellungen, Schläge ins Rippenfell, Kratzwunden und blaue Flecken.

„Ich hatte den Eindruck, dass er unter Drogeneinfluss stand“, so einer der Beamten. Doch der Angeklagte verneinte: Er habe keine Drogen konsumiert. Ein klärender Test lag nicht vor.

Mithilfe weiterer Kollegen war es schließlich gelungen, Hand- und Fußfesseln anzulegen, den Häftling in einen Gefangenentransporter zu verfrachten. Der offene Vollzug hatte sich damit erledigt. Hier saß der 37-Jährige eine Ersatz-Geldstrafe ab.

Auf Geld gewartet

Geld soll, so die Einlassung des Angeklagten, auch der Auslöser für seinen Ausraster gewesen sein. „Ich habe auf ein Paket gewartet, das wieder nicht kam“, sagte er als Begründung. Denn er hoffte auf eine Geldsendung, wollte sich auslösen, die Freiheit erkaufen.

Diese Freiheit hat er nun – wieder einmal – verspielt. Wegen der Pandemie war er zwar vorzeitig entlassen worden, hatte aber den ersten Verhandlungstermin ignoriert und war deshalb zur Fahndung ausgeschrieben. Wurde aufgegriffen und musste in einer Zelle auf diese Verhandlung warten. Und so geht es weiter, denn auch ein anderes Gericht hatte nach ihm gesucht und lässt ihn ebenfalls vorführen.

Keine Bewährung mehr

Trotz seines Geständnisses – „Ich gebe es zu, mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ – war nicht viel Positives zu vermerken. Allein das lange Vorstrafenregister schlug negativ zu Buche. 13 Eintragungen, davon einige einschlägig, also ebenfalls Widerstandsdelikte und Beleidigungen. Erschwerend kam überdies hinzu, dass die angeklagte Tat während einer Inhaftierung begangen worden ist.

Das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, keine Bewährung. „Viel schlimmer geht es nicht“, so der Richter in seiner Begründung.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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