Nach dem vorübergehenden Astrazeneca-Impfstopp findet unser Autor: Wir müssen testen, testen, testen. © Tobias Weckenbrock
Meinung

Nach Astrazeneca-Impfstoff-Stopp: Wir müssen testen, testen, testen

Der Lockdown darf gelockert werden, weil wir mehr impfen und testen. Das war der Plan der Politik. Er ist gescheitert. Nach dem Astrazeneca-Desaster wird Testen lebenswichtig. Ein Kommentar.

Was Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten auf ihrer Konferenz am 3. März beschlossen, klang nach einem Plan. Der lautete: Die Lockerungen des Lockdowns sind möglich, weil sie von zwei immer stärkeren Säulen getragen werden: den Impfungen und den stark ausgeweiteten Corona-Test-Kapazitäten.

Doch spätestens seit Montag (15.3.) ist die Strategie der Regierenden gescheitert. Mit der Entscheidung, die Impfungen mit Astrazeneca zu stoppen, ist der deutsche Impfplan schwer zurückgeworfen.

Der Beschluss wird nicht nur Zehntausende Menschen um vorzeitige Erleichterungen bringen, sondern nach Mutmaßungen von Experten auch mehr Menschenleben kosten, als wenn weiterhin mit Astrazeneca geimpft würde.

Man braucht jedenfalls keine ausgeprägten hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass künftig noch viel mehr Astrazeneca-Dosen unverimpft bleiben werden als bislang schon, selbst wenn die Impfungen bald wieder aufgenommen werden sollten.

Der Corona-Plan der Regierenden ist gescheitert

Die Säule „Impfungen“ bröckelt also. Auf absehbare Zeit werden in Deutschland nicht annähernd genug Menschen geimpft werden, um der Pandemie damit Herr zu werden.

Wenn die Politik ehrlich zu sich selbst und zu uns allen wäre, müsste sie nun sofort wieder die Lockerungen zurücknehmen. Die Zahlen steigen. Nichts wird die Infektionen in den nächsten Tagen bremsen.

Tests sind unser letzter Strohhalm

Ein letzter Strohhalm, der uns vor dem nächsten Lockdown bewahren könnte, sind die Tests. Nur sie können aktuell davor schützen, als Corona-Infizierter ohne Symptome Mitmenschen anzustecken. Nur sie können also eine unkontrollierte Ausbreitung der Pandemie verhindern. Das ginge aber nur, wenn die Testmöglichkeiten erheblich ausgeweitet werden.

Doch dafür bedarf es erheblicher Kraft-Anstrengungen. Um es konkret zu machen: Es ist ein Skandal, dass das Land es nicht geschafft hat, die weiterführenden Schulen zum Unterrichtsstart am Montag flächendeckend mit Schnelltests zu beliefern.

Schon jetzt ist zu hören, dass die Schnelltests zum Teil wohl erst kommende Woche eintreffen werden. Die ersten Kinder sind dann schon wieder nicht mehr in der Schule. Danach sind Osterferien.

Genauso wichtig: Es müssen schnell neue städtische Corona-Testzentren entstehen, mindestens eines in Castrop-Rauxel. Der Platz ist da, Personal muss zur Not geschult werden. Und es muss zusätzlich so viel in Arztpraxen und Apotheken getestet werden, dass jede Castrop-Rauxelerin und jeder Castrop-Rauxeler problemlos einmal wöchentlich einen Schnelltest bekommen kann.

Abgabe von Schnelltests muss schneller gehen

Und schließlich: Die Abgabe von Selbsttests muss erstens leichter und schneller gehen und es muss zweitens gewährleistet sein, dass Menschen, die sich selbst positiv auf Corona testen, ganz schnell einen PCR-Test bekommen. Ein Debakel wie zum Start des Testverkaufs bei Aldi, als das Gesundheitsamt den positiv Getesteten nichts sagen konnte außer „Halten Sie sich erst mal von anderen Menschen fern“, darf sich nicht wiederholen.

Dass die Liste der Arztpraxen, in denen Schnelltests möglich sind, am Montag in Castrop-Rauxel von drei auf sechs gewachsen ist, war die einzige gute Nachricht eines schwarzen Corona-Tages. Doch zu viel Freude wäre verfehlt: In Münster, etwa vier Mal so groß wie die Europastadt, warten den örtlichen Medien zufolge 70 Praxen und Apotheken auf Testwillige.

Es herrscht also Nachholbedarf. Seit Montag ist er größer geworden.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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