Wie hier an der Holzstraße sind die Mitarbeiter des EUV aktuell an vielen Stellen im Stadtgebiet damit beschäftigt, die schlimmsten Schlaglöcher provisorisch mit Kaltasphalt zu schließen. © Jens Lukas
Fragen und Antworten

Schlaglöcher in Castrop-Rauxel: Reparaturen werden nicht ausreichen

Das Tauwetter hat viele neue Beschädigungen auf Castrop-Rauxels Straßen sichtbar gemacht. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum aktuellen Schlagloch-Alarm in der Europastadt.

Seit einigen Tagen hat sich der Winter aus Castrop-Rauxel verabschiedet. Statt klirrender Kälte mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich, Bodenfrost und Schneematsch auf den Straßen sehen sich Verkehrsteilnehmer nun einer beachtlichen Menge an Straßenschäden ausgesetzt.

Die Mitarbeiter des Stadtbetriebs EUV haben auf Hinweise von Bürgern reagiert und sind im Stadtgebiet unterwegs, um die Schäden provisorisch mit Kaltasphalt zu beheben.

Laut EUV-Chef Michael Werner wird es aber noch einige Wochen dauern, bis der Stadtbetrieb einen Gesamtüberblick über die zahlreichen Frostschäden hat.

Aber wie ist die Schlagloch-Häufung überhaupt zu erklären? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Schlaglöcher für Sie zusammengestellt.

Wie genau entstehen Schlaglöcher?

Bei altem, sprödem Asphalt oder schlampig geflickter Straße dringt Wasser in die Fahrbahndecke ein. Wenn es in kalten Nächten gefriert und sich ausdehnt, hebt sich der Asphalt. Taut das Eis, entsteht ein Hohlraum unter der Fahrbahn, die nun besonders von schweren Fahrzeugen eingedrückt werden kann. Weitere Regenfälle, so wie in den vergangenen Tagen, spülen die Löcher aus und vergrößern die Krater.

Warum gibt es gerade jetzt so viele neue Schlaglöcher?

„Um den Fahrbahnbelag stark zu beschädigen, sind nicht unbedingt länger andauernde Kälteperioden notwendig. Schnelle Wechsel von Frost- und Tauwetter und die Belastung durch den Verkehr reichen aus. Wenn vorher schon leichte Risse im Asphalt waren, kommt es dazu, dass Teile des Belags geradezu herausgesprengt werden vom sich ausdehnenden Wasser“, erklärt Tobias Scheffel, Sprecher des ADAC Westfalen. Dort wo jetzt überall im Castrop-Rauxeler Stadtgebiet Schlaglöcher entstanden seien, habe es wohl zuvor schon weniger beachtete Beschädigungen gegeben.

Ist es überhaupt sinnvoll, die Löcher mit Kaltasphalt zu reparieren?

„Der Auftrag von Kaltasphalt ist eine schnelle Lösung, die allerdings kaum nachhaltig ist. Man muss sich das so vorstellen, als wenn man eine große Wunde mit einem Pflaster behandeln würde“, sagt Tobias Scheffel. Es sei ein bloßes Stopfen, um die größte Not zu lindern.

Um eine ausführliche Reparatur des kaputten Straßenbelags komme man aber nicht herum. „Bei einem erneuten Kälteeinbruch wie in den vergangenen Wochen wäre Kaltasphalt schnell wieder kaputt“, so Scheffel. Werde nicht zeitnah aufwendig nachgebessert, könnten die Schäden noch schlimmer werden. Hier seien EUV und Stadt gefragt.

Wie unterscheidet sich eine tatsächliche Reparatur von provisorischen Lösungen?

„Eine tatsächliche Reparatur des Asphalts würde nicht nur die unmittelbare Schadensstelle betreffen, sondern auch den Rest der Straße und ihre individuellen Gegebenheiten mit einbeziehen“, sagt Scheffel. Das bedeutet auch, dass großflächige Bereiche des Straßenbelags abgenommen werden müssen, um danach einen Auftrag mit Walzasphalt oder Gussasphalt zu realisieren. „Tatsächliche Reparaturen sind wesentlich teurer und zeitintensiver als provisorische Lösungen“, erklärt der ADAC-Sprecher.

Wann kann man damit rechnen, dass die Schäden ordentlich beseitigt sein werden?

Idealerweise sollte Straßen laut Scheffel in den wärmeren Monaten ab Mai repariert werden. Ansonsten könnte neuer Frost die neuen Asphaltschichten wieder beschädigen.

Welche Gefahren gehen von Schlaglöchern aus?

Je nach Geschwindigkeit können durch Schlaglöcher teils kostspielige Schäden an Reifen und Fahrwerk des Autos entstehen. Je nach Tiefe und Ausprägung des Schlaglochs reicht Tempo 60 laut ADAC schon aus, um zum Beispiel einen Reifen so zu zerstören, dass bei einer Weiterfahrt die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sein kann. „Für andere Verkehrsteilnehmer können Schlaglöcher noch gefährlicher sein. Stürzen Roller- oder Fahrradfahrer, sind die Verletzungen, die sie sich dabei zuziehen können, mitunter schwer“, sagt Scheffel.

Haftet die Stadt, wenn es zu einem Unfall kommt?

Je nachdem, wer für eine Straße zuständig ist, hat die Stadt Castrop-Rauxel, der Kreis, das Land oder der Bund eine Verkehrssicherungspflicht. Der Träger der sogenannten Straßenbaulast muss laut ADAC Verkehrsteilnehmer vor unvermuteten Gefahrenstellen bewahren oder zumindest warnen. Dazu zählen auch Schlaglöcher. Der Träger haftet allerdings nur, wenn nachgewiesen werden kann, dass er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat, zum Beispiel, weil er die Straßen nicht regelmäßig kontrolliert oder ihm bekannte und für die Verkehrsteilnehmer gefährliche Schlaglöcher nicht behoben hat.

Sind Schlaglöcher für die Verkehrsteilnehmer selbst jedoch gut erkennbar, kann eine Haftung des Straßenbaulast-Trägers ausscheiden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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