Cafer Gül (M.) kommt vom TSC Kamen zum VfK Weddinghofen. © Verein
Fußball

Weddinghofens Wundertüte kratzte am Profibereich – jetzt will er mit dem VfK in die Top-Fünf

Für drei Monate schnupperte Weddinghofens Neuzugang Profi-Luft in der Türkei. Ob er den Sprung geschafft hätte, wird er nie erfahren. Jetzt spielt er einige Klassen tiefer - in der Kreisliga.

Manfred Frieg, der Vorsitzende des Fußball-A-Ligisten VfK Weddinghofen, sagte bei der Vorstellung seines Neuzugangs für die kommende Saison, der Spieler sei eine Wundertüte. Er wisse nicht viel über ihn und könne daher nur hoffen, dass er ein guter Kicker sei.

Der ist Cafer Gül mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Schließlich spielte der heute 25-Jährige in der Jugend gegen Teams wie den FSV Frankfurt und Darmstadt 98. Das brachte ihn auch bei einem türkischen Erstligisten aufs Radar.

Cafer Gült hat drei Monate lang bei Bursaspor mittrainiert

Der in Hessen geborene Gül spielte in Kassel in der Jugend als Abräumer beim KSV Hessen Kassel und dem OSC Vellmar. Sein Auftreten in der Hessenliga – der zweithöchsten deutschen Spielklasse im Jugendbereich – zahlte sich aus. „Ich habe irgendwann ein Angebot von der Jugendabteilung von Bursaspor bekommen und habe dort drei Monate lang mittrainiert“, sagt Cafer Gül. Mit 17 Jahren war er seinem Traum vom Profibereich ganz nah, immerhin spielt die erste Mannschaft von Bursaspor in einem beeindruckenden Stadion in der Süper Lig, der ersten türkischen Liga.

Am Ende dieser drei Monate wollte Cafer Gül aber lieber wieder nach Deutschland zurückkehren – auch weil er sich nicht unter den besten elf Spielern wiederfand. „Es war zwar nur eine kurze Zeit, aber ich habe sehr viel dazugelernt und es hat mir für meine Fußballlaufbahn sehr viel geholfen“, sagt Gül.

Attraktives Angebot aus der Landesliga in Hessen

Der Mittelfeldstratege wollte anschließend in der Hessenliga durchstarten, doch ein Angebot aus der hessischen Gruppenliga – sie entspricht dem Niveau der Landesliga – war attraktiver. Gül wechselte für einige Jahre zum FSV Wolfhagen. „Ich bin ehrlich, da habe ich gutes Geld verdient“, sagt er.

Im vergangenen Jahr zog es ihn privat nach Kamen. Gül wollte schon aufhören mit dem Fußball. Doch dann meldete er sich doch nach einem Probetraining beim TSC Kamen an. Dort habe es laut Gül aber nicht so gut geklappt. Ohne ein Pflichtspiel bestritten zu haben, reichte er schon wieder seine Kündigung ein.

Nach Intermezzo beim TSC Kamen unterschreibt Gül in Weddinghofen

Jetzt hat er in Weddinghofen zugesagt. „Mein Kumpel Diyar Tekin und ich waren zusammen beim Gespräch mit Manfred Frieg und Trainer Stefan Feldmann. Danach wollten wir überlegen, ob wir zum VfK wechseln sollen. Aber schon nach zwei Minuten waren wir uns einig, dass es perfekt passt“, sagt Gül.

Mit dem VfK spielt er nun in ganz anderen Gefilden als in seiner Jugendzeit. In der annullierten Saison 2019/20 war der VfK das Tabellenschlusslicht der A1. Das soll sich in der kommenden Saison ändern, wenn es nach Gül geht. „Der VfK hat einige gute Transfers getätigt. Wenn die Teamchemie stimmt, können wir schon das obere Drittel anpeilen. Warum sollen wir nicht unter den Top-Fünf landen?“, sagt Gül, ohne überhaupt die Gegner zu kennen. „Aber ich kenne mich“, sagt er selbstbewusst.

Mit der TSC-Reserve hatte er letztes Jahr ein paar Testspiele in der Kreisliga A2 bestritten. „Deshalb kann ich das Niveau ein bisschen mit dem in Hessen vergleichen. Da ist auch in der Kreisliga schon ein ganz anderes Tempo als hier.“

Cafer Gül würde selbst kontaktloses Training begrüßen

Auch seine Mitspieler hat Cafer Gül noch nicht persönlich kennengelernt. Trotzdem ist er sich sicher, häufig in der Startelf zu stehen. „Klar, setze ich mich auch mal auf die Bank. Ich bin ein Teamplayer und will, dass die Mannschaft gewinnt“, sagt er und fügt an: „Ich will nicht arrogant klingen, aber sie werden beim VfK schon sehen, was ich drauf habe.“

Das könnte er schon bald beweisen, wenn zumindest das kontaktlose Training wieder zulässig ist. „Selbst darauf würde ich mich schon freuen. Mal wieder mit dem Ball jonglieren und ein paar Passübungen zu machen“, will Gül endlich wieder durchstarten und dem VfK-Boss Manfred Frieg zeigen, was sich in der Wundertüte Cafer Gül verbirgt.

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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