Die Baumaterialien für den neuen Bildungscampus in Unna wurden bestellt und geliefert, als es noch keinen Engpass gab. An anderen Baustellen im Kreis Unna bangt man aber um Kosten und Fertigstellungstermine. © Udo Hennes
Bauwirtschaft

Baubranche schlägt Alarm: Baumaterial wird knapp

Die Baubranche ist in der Corona-Krise einer der Motoren, die die Wirtschaft stabilisiert haben. Nun aber droht er ins Stocken zu geraten: Baumaterial wird auch im Kreis Unna knapp.

Als Unnas erster Beigeordneter Jens Toschläger im Bauausschuss das Wort ergriff, da wurde schnell klar: Die Lage ist ernst. „Von den Baustellen bekomme ich vermehrt Hinweise, dass Baumaterial knapp wird“, erklärte Toschläger. Zu den Auswirkungen könne er noch nichts sagen, aber: „Es kann dazu kommen, dass Qualitätsstandards zurückgeschraubt oder Baumaßnahmen zurückgestellt werden müssen, bis sich der Markt wieder beruhigt hat.“

Der Hilferuf aus Unna ist bei weitem kein einsamer Ruf in der Wüste – das bestätigt der Verband Bauindustrie NRW. „Die Baubranche war während der andauernden Corona-Pandemie ein verlässlicher Motor für die deutsche Konjunktur, jetzt droht dieser Motor durch eine regelrechte Preisexplosion und zunehmende Lieferengpässe bei Baustoffen ins Stocken zu geraten“, kommentiert Hauptgeschäftsführerin Prof. Beate Wiemann die aktuellen Preissprünge und Lieferprobleme bei wichtigen Baustoffen.

Preise für Holz um 300 Prozent gestiegen

Die Branche beklagt zurzeit außergewöhnlich schnelle Preissteigerung bei Holz, Dämmstoffen, Bitumen, Stahl und Blechen, aber auch bei Dachpappe und Schrauben, Kunststoffen, PVC sowie Farben und Lacken. In den letzten zwölf Monaten sind die Weltmarktpreise für Holz um über 300 Prozent, Preise für Betonstahl in Stäben um knapp 26 Prozent, für Bitumen um gut 21 Prozent, bei Kanalgrundrohen um 50 Prozent und bei Kunststoffen um etwa 17 Prozent gestiegen. Die Preise für Baustahl sind seit Jahresbeginn sogar um 40 Prozent gestiegen. Zunehmend kommt es auch zu Lieferengpässen, da die globale Nachfrage neue Höhen erreicht. Bauunternehmen beklagen sich über zum Teil monatelange Lieferfristen oder unverbindliche Lieferzusagen.

„Das habe ich in den 35 Jahren, die ich jetzt als Handwerksunternehmer aktiv bin, noch nicht erlebt“, sagt Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund. „Die Auftragsbücher der Bau- und Ausbauhandwerke sind voll, aber die Unternehmen können teilweise nur eingeschränkt arbeiten.“ Verträge, die man 2020 geschlossen habe, könnten jetzt möglicherweise nicht fristgerecht eingehalten werden, weil es plötzlich massive Lieferengpässe gebe. Eine Entwicklung, die man so nicht habe vorhersehen können.

Sicherheitsdienst bewacht Baustelle

Aufatmen kann, wer sein Material rechtzeitig geordert hat. Gerhard Walter, der den Bau des Bildungscampus für das Büro Weicken Architekten begleitet, sagt: „Die Firmen haben hier frühzeitig bestellt, noch ehe die Preise in die Höhe schossen.“ Das Baumaterial ist da – und ist nun besonders wertvoll. Diebstähle auf Baustellen scheinen nicht ausgeschlossen. „Hier ist ein Sicherheitsdienst beauftragt“, erläutert Walter, dass die Unternehmen die Gefahr ernst nehmen.

Doch nicht große Auftraggeber leiden unter den hohen Preisen und drohenden Lieferstopps. Auch für private Häuslebauer kann der Traum von den eigenen vier Wänden nun deutlich teurer werden.

Die Hintergründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. Holz wird beispielsweise in großen Mengen exportiert. Bei der Produktion anderer Baustoffe wirkt sich die Corona-Krise aus. Gibt es einen positiven Fall in einer Schicht, droht diese komplett auszufallen. Die Lager sind geräumt.

Wenig Hoffnung auf rasche Erholung

„Wir sehen in den nächsten Monaten leider keine Anzeichen für eine Entspannung, zahlreiche Hersteller und Lieferanten haben bereits weitere Preissteigerungen angekündigt“, erklärt Wiemann von der Bauindustrie NRW. Nun gehe es darum, gemeinsam mit Auftraggebern, Herstellern und Lieferanten partnerschaftliche Lösungen zu finden und beispielsweise Preisgleitklauseln in Verträgen zu nutzen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Gebürtiger Mendener, inzwischen in Werne an der Lippe zuhause. Jahrgang 1975. Seit April 2010 im Zeitungsverlag Rubens. Liebt das Lokale und den Kontakt zu den Menschen. Privat Gladbach-Fan, Hühnerhalter und Vater einer Tochter.
Zur Autorenseite
Dirk Becker

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.