Die ungarische Fluggesellschaft Wizz ist der dominierende Anbieter am Flughafen Dortmund, der dadurch in eine entsprechende Abhängigkeit von den Wünschen und Entscheidungen seines Hauptkunden geraten ist. Vor allem für Wizz will der Airport die Landebahn um 300 Meter verlängern. © Landes, Hans Juergen
Flughafen

Dortmund hilft mit, das Verfahren zur Landeschwelle in die Länge zu ziehen

Dass der Flughafen im Rathaus von Dortmund Rückhalt findet, überrascht in Unna niemanden. Eher erfreulich ist, wie lange die Großstadt braucht, um ihre Haltung zur Verlegung der Landeschwelle zu formulieren.

Wenn Flugzeuge nach dem Landeanflug über Unna 300 Meter früher auf der Landebahn des Dortmunder Flughafens aufsetzen dürfen, belastet das natürlich die Unnaer. Aus der Perspektive der Stadt Dortmund kann die Bewertung eine andere sein: Eine effektiv längere Landestrecke von dann 2000 Metern lässt die Hauptfluggesellschaft Wizz auch ihre neuen A321neo-Flugzeuge selbst bei nasser Piste auf den Boden bringen. Das sichert einen wichtigen Kunden.

Insofern war die Haltung, wie die Stadt Dortmund sie zumindest in einem Verwaltungsentwurf formuliert hat, erwartbar. Die Stadt unterstützt den Antrag ihres Flughafens auf Verlegung der Landesschwelle bei der Bezirksregierung in Münster und empfiehlt der Politik in Dortmund, dies so durchzuwinken.

„Mich überrascht das nicht“, kommentiert Mario Krüger als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Flughafen dies. Er weist aber auch darauf hin, dass dies für die Strategie der Lärmschutzbewegung herzlich wenig bedeute. Ähnlich reagiert die Stadt Unna auf die Festlegung in Dortmund. „Wir können eigentlich nur auf die Stellungnahme verweisen, die wir in dieser Sache schon abgegeben haben“, sagt Unnas Rathaussprecher Christoph Ueberfeld, „und vielleicht noch ein weiteres Mal bekräftigen, dass diese Stadt alles tun wird, um ihre Bürger vor einer weiteren Zunahme an Lärm zu beschützen.“

Stadt deutet, Schutzgemeinschaft Fluglärm kündigt Klage an

Stadt und Kreis Unna hatten sich schon im vergangenen Jahr im Rahmen des Beteiligungsverfahrens der Behörde in Münster zu den Plänen für eine Landeschwellenverlegung geäußert und diese klar abgelehnt. Zugleich deutet Unna relativ deutlich die Klagebereitschaft im Falle einer Genehmigung an. Die Schutzgemeinschaft Fluglärm sagt es etwas deutlicher: „Vor einer Genehmigung können wir zurzeit nicht viel anderes tun, als abzuwarten. Wenn sie vorliegt, können wir klagen“, fasst es Mario Krüger zusammen.

Überraschend ist, wie lange sich die Stadtverwaltung in Dortmund Zeit lässt, um ihre an sich gar nicht überraschende Position festzulegen. Für Eingaben im aktuellen Verfahren hatte die Bezirksregierung Münster eine Frist gesetzt, innerhalb der sich die Kommunen äußern sollten. „Es war aber keine Ausschlussfrist“, erklärt in Münster die Behördensprecherin Diana Seibert-Tombült. Man werde durchaus auf die Stellungnahme aus Dortmund warten und sie dann noch in die Betrachtung einfließen lassen.

Zumindest Zeit haben Flughafengegner schon gewonnen

Allerdings geschieht dies angesichts des noch ausstehenden politischen Placets wohl erst zwei bis drei Monate nach der Eingabe aus Unna, zumindest aber zwei Monate nach Ablauf der ursprünglichen Frist. Damit hat die Stadt Dortmund zumindest ein Ziel der Gegenseite erfüllt: Sie hat das Verfahren in die Länge gezogen.

Nach Eingang der letzten Stellungnahmen geht es in Münster noch nicht direkt um den Antrag des Flughafens auf eine Verlegung der Landeschwelle, sondern um das Verfahren, mit dem dieser bewertet werden soll. Zunächst hat die Bezirksregierung ein einfaches Plangenehmigungsverfahren in Aussicht gestellt, mit dem der Antrag recht zügig beschieden werden könnte. Gegner des Flughafens fordern ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren, das unter anderem eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung bräuchte. Allein sie müsste über einen zusammenhängenden Vegetationszeitraum laufen. Die Gründlichkeit dieser Prüfung kostet vor allem auch Zeit.

Es ist Zeit, die der Flughafen angesichts der Pläne von Wizz für einen Umstieg auf größere Flugzeuge vielleicht gar nicht mehr hat. Und genau darauf setzen auch seine Gegner.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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