Britta (l.) und Katharina Lohrmann sind in die Imkerei eingestiegen. Wie ihre Mitstreiterinnen Anke und Elena Schickentanz-Dey freuen sie sich über eine neue Zusammenarbeit. Auf Manfred Bolles (l.) Obstwiese finden die Bienen Blüten in Hülle und Fülle. © Udo Hennes
Imkerei

„Haustier“ Bienenkönigin: Junge Frauen sorgen für Leben auf Bolles Wiese

Die Imkerei ist ein Trend, den auch in Unna junge Leute für sich entdecken. Wer Honig ernten will, muss seinen Bienen aber auch etwas bieten: Eine riesige Obstwiese wird zum Paradies.

Eine Gruppe Jungimkerinnen und der Inhaber einer großen Fläche voller Obstbäume gehen eine praktische Kooperation ein. Mehrere Bienenvölker ernähren sich ab sofort von den Blüten auf Manfred Bolles Wiese. Davon profitieren am Ende sogar Wildvögel.

Manfred Bolles Apfelbäume blühen jetzt. Anke und Elena Schickentanz-Dey haben ihre Honigbienen auf seiner Wiese postiert. © Udo Hennes © Udo Hennes

Die Imkerei ist ein etwas angestaubtes Hobby – dass dies ein Klischee ist, dafür ist eine kleine Gruppe junger Frauen der lebende Beweis. Gemeinsam mit ihrer Schwester Britta hat Katharina Lohrmann (31) einen Imkerkurs besucht. „Einfach aus Interesse“, sagt sie. Ihre Schwester legte sich im vergangenen Jahr ein Bienenvolk zu, sie selbst darf seit diesem Jahr ein erstes Volk ihr Eigen nennen.

Dass die Arbeit mit Honigbienen hohen Aufwand mit sich bringt, ist allerdings kein Klischee, wie Katharina Lohrmann inzwischen bestätigen kann. Alleine die Verhinderung der Schwarmbildung erfordert Sorgfalt und Zuverlässigkeit. Alle acht Tage müssten alle Völker durchgeschaut werden, damit die Bienen nicht ausschwärmen. Deswegen sei sie froh, sich in einem kleinen Team um das Projekt kümmern zu können, so Lohrmann. Und so ist die Imkerei hier auch ein kleines Familienprojekt: Auch Anke Schickentanz-Dey und ihre Tochter Elena machen dabei mit.

Ausbildung und Anleitung durch Verein

Wie wird man Imker? Ein bisschen was durchlesen, und los geht es mit der Honigproduktion – „das reicht nicht“, sagt Katharina Lohrmann. Imker müssten eine gewisse Grundausbildung haben und bräuchten für den Start auch erfahrene Betreuer. Sie und ihre Mitstreiterinnen seien deswegen froh, Paul Dirks an ihrer Seite zu haben. Er ist der Vorsitzende des Imkervereins Unna, dem die Frauen beigetreten sind, und steht dem „Nachwuchs“ mit Rat und Tat zur Seite.

Manfred Bolle wiederum stellt die Blüten zur Verfügung. Der Holzwickeder hat am Hillering in Kooperation mit dem Kreis Unna vor einigen Jahren eine Streuobstwiese angelegt. Auf 10.000 Quadratmetern wachsen 80 hochstämmige Obstbäume verschiedener Sorten, dazu rund 1000 Waldbäume – alles jetzt, wenn es warm genug ist, umschwirrt von den Bienen der Imkerinnen.

Hintergedanke auch Naturschutz

Bolle, der Inhaber der Sanitär- und Heizungsfirma Schülpke, sei gleichzeitig Landwirt, wie er erklärt, und er sieht sich daher auch in der Verantwortung. „Es geht in der Landwirtschaft nicht immer nur um Ertrag, sondern auch um den Naturschutz.“ Die „Ernte“ von seiner Wiese nämlich überlässt der Eigner in weiten Teilen der Wildnis. Das Obst diene heimischen Vögeln als Winterfutter, erklärt Bolle.

Katharina Lohrmann lernt das Imkern. Das Hobby erfordert Begeisterung und Engagement – und Hilfe von erfahrenen Bienenfachleuten wie Paul Dirks. © Udo Hennes © Udo Hennes

Apropos Naturschutz: Über das Insektensterben wird seit einiger Zeit viel diskutiert. Die Anschaffung von Honigbienen leistet allerdings keinen Beitrag gegen dieses Problem. „Honigbienen gibt es genug“, bestätigt Katharina Lohrmann. Doch das Kooperationsprojekt am Hillering dürfte auch die Chancen von Wildbienen verbessern. Bolles Bäume und das Zulassen von Wildpflanzen bieten einen wertvollen Blütenreichtum. Und die Imkerinnen hätten weitere Blühpflanzen gepflanzt, berichtet Katharina Lohrmann. „Wir wollen auch noch ein Insektenhotel bauen.“

Guter Honig dank Obstblüten

Die staatenbildenden Verwandten der Wildbienen indes bereiten ihren Besitzerinnen nicht nur Freude, sondern auch Honig. „Wir hoffen, dass wir Ende Mai das erste Mal schleudern können“, sagt Katharina Lohrmann. Sie rechnet mit besonders gutem Honig dank der wertvollen Obstblüten. Mit Reichtum durch den Verkauf rechnet sie nicht, und das sei auch nicht schlimm. „Man verdient damit kein Geld“, sagt Katharina Lohrmann. „Es ist ein Naturhobby.“ Dass es ihr Freude macht, ist spürbar. „So eine Bienenkönigin ist schon fast wie ein Haustier.“

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