Aus der Nähe lässt sich die aufwändige Machart der Brücke erkennen. Für Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky ein Indiz, dass sie im Umfeld des Bahnhofsbaus entstanden sein könnte. © Sebastian Pähler
Kortelbach

Rätselbauwerk in alten Karten gefunden: Brücke aus der Zeit des Bahnhofsbaus?

Der Fund eines verschütteten Brückenbauwerks regt Nachforschungen an, die zurück in die Unnaer Geschichte führen. Lange vor dem Bau des Rings führten viele Brücken über Unnas Bach.

Es könnte durchaus eine gewesen Brücke sein, was vor einigen Tagen an der Baustelle am Busbahnhof zum Vorschein gekommen ist. Das Gemäuer, das bei den Kanalarbeiten am Kortelbachsystem entdeckt wurde, war jedenfalls, wie der Bachlauf selbst, einmal an der Oberfläche. „Das ganze Gelände ist aufgeschüttet worden“, berichtet Wolfgang Patzkowsky. Als Stadtheimatpfleger kennt er sich mit der Geschichte Unnas aus und weiß, dass der Kortelbach einst oberirdisch floss, bevor er durch einen Kanal unter die Stadt verbannt wurde. Auf alten Fotos könne man das noch sehen. „Wir haben früher in Unna zehn oder zwölf Brücken gehabt“, stellt er fest.

Mit dem Bau des Verkehrsrings in den 1960er Jahren sind dann viele tiefer gelegene Bereiche aufgeschüttet worden. Einen Eindruck davon bekäme man etwa, wenn man die Stadtmauer am Ostring mit den gegenüberliegenden Häusern vergleicht. Diese liegen sehr viel tiefer. Auch am Bahnhof und im Bereich der Märkischen Straße, wo das Gemäuer entdeckt wurde, war das der Fall.

Spuren in alten Karten

Den ehemaligen Verlauf des Kortelbachs über Tage kann man auch im Stadtarchiv nachverfolgen. Auf alten Karten und Plänen ist dieser mit mehreren Übergängen eingezeichnet. „Auf einer Flurkarte von 1907/08 lässt sich an der Märkischen Straße eine Brücke über den Bachlauf erkennen“, stellte Stadtarchivar Dr. Frank Ahland fest. Und tatsächlich, die Märkische Straße, die damals noch viel länger und parallel zu den Gleisen bis zum Bahnhofsgebäude verlief, kreuzt eindeutig den Kortelbach.

Die Flurkarte von 1907/08 aus dem Stadtarchiv zeigt mehrere Übergänge über den damals offen fließenden Kortelbach. Auch die Bahnhofsgleise und die parallel verlaufende Märkische Straße kreuzen den Bach in dem Bereich, wo das Bauwerk entdeckt wurde. © Stadtarchiv Unna/Montage: Schmidt © Stadtarchiv Unna/Montage: Schmidt

Auch Wolfgang Patzkowsky entdeckt den Übergang in alten Dokumenten. Auf einer Karte des Stadtbauamtes vom 1. Dezember 1909 findet sich der Übergang wieder. Das sei nicht überraschend, so der Stadtheimatpfleger. „Da hat es immer einen Weg gegeben.“ Das könne man schon an dem geschichtsträchtigen Namen der Straße ablesen.

Vermutung und Gewissheit

Nach einer ersten Begutachtung des Bauwerks hat Patzkowsky einen Verdacht, wann und in welchem Zusammenhang das Gemäuer entstand. „So prunkvoll wurde normalerweise nicht gemauert. Die meisten Brücken über den Bach waren nur aus Holz.“ Für ihn erinnern Bauweise und Material sehr stark an Bahnübergänge aus dem 19. Jahrhundert. Er nimmt daher an, dass die Brücke im Zusammenhang mit dem Bau des Bahnhofs entstanden ist, der am 9. Juli 1855 eingeweiht wurde.

Genaueres könnte nun die Begutachtung eines Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe ergeben, die die Untere Denkmalbehörde anberaumt hat und die in solchen Fällen üblich ist.

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