Wer vor 20 Jahren in eine seinerzeit sehr lukrative Photovoltaikanlage investierte, für den läuft die EEG-Einspeisevergütung mit Ende des Jahres aus. Die Betreiber stehen vor der Entscheidung, welche Folgemaßnahme für sie am wirtschaftlichsten ist. © picture alliance/dpa
Energiewende

UKBS und Verbraucherzentrale wollen Erleichterungen beim Mieterstrom

Mieterstrom ist in aller Munde und auch für Vermieter interessant. Doch für Privatleute wie Wohnungsbaugesellschaften ist das derzeit sehr kompliziert. Eine klare Forderung an die Politik.

„Es muss einfacher werden.“ Diese Aussage von UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer würden wohl alle Vermieter in Unna und Umgebung unterschreiben – egal, ob Privatperson oder große Wohnungsbaugesellschaft. Auch aus Mieter- und Verbrauchersicht wünscht man sich deutlich andere Rahmenbedingungen beim Mieterstrom als derzeit üblich. An den Regierungswechsel sind daher viele Hoffnungen geknüpft – verbunden mit konkreten Forderungen, was die Politik in absehbarer Zeit ändern solle.

Interessant, aber derzeit zu kompliziert

„Grundsätzlich ist Mieterstrom ein für uns sehr interessantes Thema“, sagt UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer. Die Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft prüft immer wieder, ob sie bei eigenen Gebäuden auf alternative Energien setzen können. Ob Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke, die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber soll auch der Mieter daraus Nutzen ziehen, wird es kompliziert.

„Das Problem ist, dass Sie derzeit als Stromerzeuger genauso behandelt werden wie ein Energieversorgungsunternehmen“, erklärt Fischer. „Und das ist wirklich heftig.“ Das Einspeisen in das öffentliche Netz sei das eine, aber um Mieter versorgen zu können, muss der Strom aus genau diesem Netz wieder zurückkommen – und gehandelt wird der dann am Energieweltmarkt. Der, so sagt es Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW, sei eine Wissenschaft für sich. „Da kann man sich als Laie nicht zurechtfinden.“

„Das Thema Mieterstrom ist für uns interessant. Aber wir haben kein Interesse daran, ein Energieversorgungsunternehmen zu werden.“

Matthias Fischer, Geschäftsführer der UKBS

Hinzu kommt, dass die Wohnungsbaugesellschaften dann nicht nur separate Verträge abschließen müssten, sondern auch die Abrechnungen sowie die Zählertechnik selbst managen müssten. Zudem gäbe es bei der Energie ganz andere Gewerbesteuersätze als im Bereich Vermietung und Verpachtung. „Das ist wirklich sehr komplex – und wir haben kein Interesse daran, ein Energieversorgungsunternehmen zu werden“, sagt Fischer ehrlich. Aber genau das wäre am Ende das Ergebnis.

Verbraucherzentrale wirft Politik Versagen vor

Das kritisiert auch die Verbraucherzentrale. „Es gibt hohe Hürden im Erneuerbare-Energien-Gesetz“, erklärt Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW, und wirft der Politik Versagen vor. „Es gibt eine neue EU-Richtlinie, die bis Mitte 2021 hätte umgesetzt werden sollen. Aber da gibt es ein Vollzugsdefizit in Berlin“, sagt Seltmann. Aber das sei nur eine kleinere Baustelle in der großen Baustelle Energiewende. „In den letzten zehn Jahren ist viel verhindert und blockiert worden.“

Das Solarhaus der UKBS setzt bereits auf erneuerbare Energien. Doch bis man in der Fläche und für Mieter auf CO2-neutrale Varianten der Stromerzeugung setzen kann, muss politisch und rechtlich noch viel passieren. © Stefan Milk © Stefan Milk

Unnötige bürokratische Hürden abzubauen und die Belastungen durch Auflagen zu senken, das müsste erklärtes Ziel der Politik sein. Denn gerade die kleineren Mehrfamilienhäuser böten ein riesiges Potential. „Wären die ganzen Barrieren beseitigt, die es aktuell gibt, dann wäre schon viel erreicht“, sagt Seltmann, der nicht einmal eine grobe Schätzung wagt, welches Potential zur Energiegewinnung da Brach liegt.

Forderung, dass sich Rahmenbedingungen verändern

So sieht es auch Fischer – und blickt gespannt nach Berlin. „Der Gesetzgeber hat den Mieterstrom ins Rennen gebracht. Aber der gilt derzeit nur für Photovoltaik-Anlagen“, bedauert Fischer. Sein Wunsch wäre es, dass auch Blockheizkraftwerke darunter fallen würden. „Die sind eine ideale Ergänzung. Vor allem im Winter, wenn weniger Sonne scheint.“ Auch steuerlich müsste es interessanter werden, Auflagen müssten weniger werden. „Dann kann man das alles auch sinnvoll betreiben. Denn wir wir Einflüsse auf die Nebenkosten unserer Mieter haben können, ist das natürlich immer gut“, sagt Fischer.

Denn über allem steht das Ziel, dass Mietwohnungen im Jahr 2045 CO-neutral sein sollen. Doch bis dahin bleibt noch viel zu tun.

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