Dass es wirklich 2000 Meter braucht, um einen Airbus A321neo auch bei Regen in Dortmund zur Landung zu bringen, will Flughafennachbar Werner Wirtz erst einmal konkret vorgerechnet bekommen. Eine pauschale Behauptung klammere aus, dass die Start- und Landebahn mit einem speziellen Regenasphalt versehen ist. © Landes, Hans Juergen
Landeschwelle

Zweifel am „Regenproblem“ des Dortmunder Flughafens

Gegner einer Landebahnverlängerung am Flughafen Dortmund warnen vor den Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Nun allerdings taucht ein noch „griffigeres“ Argument auf.

Ob Stadt, Kreis oder Umweltverbände: Wer sich aus und für Unna im bisherigen Verfahren zur Landebahnverlängerung am Flughafen Dortmund einbringen konnte, führte als stärkstes Gegenargument die schädlichen Auswirkungen für Mensch und Umwelt an. Überraschend ist dies nicht, bedeutet eine um 300 Meter verlegte Landeschwelle doch auch einen rund 15 Meter tieferen Landeanflug als jetzt. Eine durchaus überraschende Stellungnahme legt dagegen Flughafennachbar Werner Wirtz vor: Er zweifelt an, ob die Verlegung der Landeschwelle überhaupt notwendig ist für die Ziele des Dortmunder Flughafens.

Der Diplom-Ingenieur und Aktivist der Schutzgemeinschaft Fluglärm ist auch Mitglied der offiziellen Fluglärmkommission am Dortmunder Flughafen. Und in dieser Funktion fühlte er sich jetzt aufgerufen, eine Stellungnahme an die Bezirksregierung Münster zu schreiben, die den Antrag des Flughafens auf Verlegung der Landeschwelle bewerten und bescheiden muss.

Wirtz hat dafür auch die Antragspapiere des Flughafens studiert – und ein mögliches Versäumnis entdeckt. In der Argumentation des Flughafens werde außer Acht gelassen, wie gut die Bodenhaftung der Start- und Landebahn ist, meint er.

Der Flughafen Dortmund will am östlichen Ende der Piste die sogenannte Landeschwelle, also den frühesten Aufsetzpunkt auf dem Asphalt, um 300 Meter in Richtung Unna versetzen. Die effektiv nutzbare Länge der Landebahn würde damit von 1700 auf 2000 Meter verlängert, was zum Beispiel den Einsatz des neuen Airbus-Modells A321neo selbst bei Regen zuließe.

Piste am Flughafen Dortmund ist auch bei Regen griffig

Wirtz legt dar, dass dieser 15-prozentige Aufschlag „bei nicht trockener Bahn“ ohne Blick auf die spezifischen Besonderheiten der Piste in Dortmund erfolgt sei. Zumindest vermisst er eine konkrete Berechnung. Offenkundig habe der Gutachter eine allgemeine Annahme verwendet und unberücksichtigt gelassen, dass die Piste am Dortmunder Flughafen mit einem speziellen „Antiskid“-Belag versehen ist.

Dieser offenporige Asphalt sichert eine bessere Wasserabführung bei Regen und somit eine entsprechende Bodenhaftung. Auch im Vergleich mit anderen Regionalflughäfen biete der Untergrund der Landebahn in Dortmund gute Reibwerte. Für solche Gegebenheiten sähen die Richtlinien ausdrücklich einen Verzicht auf den 15-prozentigen Nässeaufschlag vor.

Schwellenverlegung nur Teil der Salamitaktik?

Wirtz zweifelt die tatsächliche Notwendigkeit der Landeschwellenverlegung an und stellt einen Verdacht auf: Sie sei wohl nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer 2300-Meter-Piste, die der Flughafen in der Vergangenheit offen als Fernziel kommuniziert hat.

Der Flughafen bestätigt diese Einschätzung natürlich nicht. Sprecherin Davina Ungruhe verweist auf eine Änderung der Vorschriften aus dem Jahr 2019, durch die der Bahnzustand „feucht“ gestrichen worden sei. Es bestehe seitdem kein Unterschied mehr zwischen „feucht“ und „nass“. „Schon eine nur durch Tau oder Nebel feuchte Bahn erfordert einen Sicherheitszuschlag von 15 Prozent“, so die Sprecherin. Eine „trockene“ Bahn sei definiert als eine Bahn ohne sichtbare Feuchtigkeit. Der bestehende Antiskid-Belag verbessere zwar die Oberflächengriffigkeit der Start- und Landebahn, könne aber nicht den zur Berücksichtigung notwendigen „trockenen“ Zustand herstellen.

Offen ist derweil, ob die Bezirksregierung Münster Wirtz‘ Stellungnahme überhaupt berücksichtigt. Zu Eingaben aufgefordert waren „Träger öffentlicher Belange“. Der Fluglärmkommission soll zwar von der Bezirksregierung ebenfalls eine Beteiligung zugesagt worden seien, erklärt Wirtz, doch da das Gremium in der Pandemie nicht tagen kann, gibt es keine gemeinsame Stellungnahme. Wirtz ist zwar Mitglied der Kommission, aber eben nur eine Stimme von mehreren.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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