20-Jähriger setzt betrunken Auto vor Laterne und flüchtet mit Nummernschildern

mlzAmtsgericht Ahaus

Ein heute 21-jähriger Vredener setzte um 4 Uhr nachts mit 2,05 Promille seinen BMW vor eine Laterne an der Winterswijker Straße. In mehrerlei Hinsicht wird das für ihn jetzt richtig teuer.

Vreden

, 10.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Sachschaden: knapp 15.000 Euro; die Geldstrafe: gut 1000 Euro; die Prozesskosten: unbekannt. Ein feucht-fröhlicher Samstagabend kommt einem mittlerweile 21-jährigen Vredener richtig teuer zu stehen. Im Januar dieses Jahres traf er sich mit einem Kumpel, um ein „bisschen was zu trinken“, wie er nun beim Prozess vor dem Amtsgericht Ahaus erklärte.

Jetzt lesen

Dieses „bisschen“ wurde schließlich zu einer halben Flasche Wodka und einer Flasche Desperados. Gegen 2.30 Uhr holten ihn seine Eltern ab. Was danach passierte, daran kann sich der 21-Jährige nicht erinnern.

„Ich habe mich ins Bett gelegt und bin vor dem kaputten Auto wieder wach geworden. Ich kann mir nicht erklären, warum ich noch einmal losgefahren bin“, erklärte er dem etwas verwirrt schauenden Richter. Vielleicht habe es an den Tabletten gelegen, die er in den Tagen zuvor wegen einer Grippe eingenommen hatte.

Sachlage durch Zeugen relativ klar

Trotz der Erinnerungslücken des Vredeners – die der Richter im Übrigen ausschließlich im starken Alkoholkonsum (2,05 Promille) begründet sah – gab es am Sachverhalt wenig Zweifel. Den BMW des Angeklagten entdeckte die Polizei gegen 4 Uhr nachts völlig verschrottet an der Winterswijker Straße. Der Fahrer hatte ihn dort direkt vor eine Laterne gesetzt.

Zeugen hatten beobachtet, wie der Vredener nach dem Crash die Nummernschilder vom Auto entfernte und vom Unfallort flüchtete. Bei seiner Flucht lief der 21-Jährige allerdings direkt in die Arme eines 37-jährigen Taxifahrers, der gerade auf dem Rückweg einer Dienstfahrt war. Dieser erklärte vor Gericht: „Der Junge sprang direkt auf die Straße. Ich hab mein Taxi an der Seite abgestellt und bin hinterher, weil ich mir Sorgen gemacht habe.“

Vredener macht verwirrten Eindruck

Daraufhin sei es zu einem wirren Monolog gekommen. „Er hat gesagt, dass er gucken will, was mit seinem Auto passiert ist und er zu seinen Eltern fahren will“, erklärte der Taxifahrer. Auf dem Pullover des heute 21-Jährigen entdeckte er allerdings Glassplitter und aus der Nase sei Blut getropft. Bis die zwischenzeitlich gerufene Polizei eintraf, hielt der 37-Jährige den Vredener fest und ließ sich auch dessen Ausweis aushändigen.

Für den Richter war es damit „eine relativ eindeutige Sache“. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah das ähnlich und forderte daher, den Vredener wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht zu einer Geldstrafe von insgesamt 1375 Euro zu verurteilen.

Der Verteidiger des 21-Jährigen sah das naturgemäß anders und beantragte, seinen Mandaten nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. Eventuell könne man auch überlegen, ob bei der Kombination aus Ibuprofen und Alkohol nicht ein „fahrlässiger Vollrausch“ infrage komme. In diesem Fall wäre der Vredener als schuldunfähig zu betrachten.

21-Jähriger gelobt Besserung

Vor dem Urteil gelobte der 21-Jährige für die Zukunft Besserung: „Ich habe sehr lange nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich will das wirklich durchziehen, weil es noch viel schlimmer hätte kommen können. Alkohol macht viel kaputt.“

Der Richter widersprach ihm in dieser Hinsicht nicht. Dennoch sah er wenig Grund, großartige Milde walten zu lassen. Er verurteilte den Vredener nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe von 1175 Euro. Außerdem verhängte er eine noch sieben Monate andauernde Sperrfrist für den Rückerhalt der Fahrerlaubnis. „Es war ein ganz schön teurer Spaß für so einen Blödsinn“, erklärte der Richter zum Abschluss in Richtung des Vredeners.

Lesen Sie jetzt