28-jährige Vredenerin muss ins Gefängnis, weil sie Kinderkleidung gestohlen hat

mlzIndizienprozess

Weil sie in einem Kindermodengeschäft in Vreden drei Kleidungsstücke gestohlen hat, muss eine 28-jährige Frau für ein Jahr und drei Monate in Haft. Es hätte sie noch härter treffen können.

Vreden

, 09.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen unbeobachteten Moment hat eine 28-jährige Frau am 3. Juni 2019 in einem Kindermodengeschäft in Vreden genutzt, um sich mit einer Latzhose, einem Kleid und einem Trenchcoat ohne zu bezahlen aus dem Staub zu machen.

Am ersten Arbeitstag bestohlen

Die Verkäuferin erinnerte sich vor Gericht gut daran: Es war ihr erster Arbeitstag in dem Geschäft. Sie hatte die Kundin gesehen, wie sie mit den drei Kleidungsstücken über dem Arm durch das Geschäft ging. Als sie kurz mit ihrer Chefin etwas regeln musste, verließ die 28-Jährige das Geschäft. Wenig später stellten die Verkäuferin und die Ladeninhaberin fest, dass die drei Kleidungsstücke fehlten.

Einen Tag später sah die Ladeninhaberin die 28-Jährige auf einer Bank auf dem Markt sitzen. Sie verständigte die Polizei. Der Bezirksbeamte berichtete vor Gericht, wie die Beschuldigte sich zunächst weigerte, ihre Personalien zu nennen und ihn nur widerwillig zur Personalienfeststellung in die Polizeidienststelle begleitete.

Fluchtversuch aus der Polizeistation

Während der Polizeibeamte dort noch eine andere Anzeige aufnahm, rannte sie davon. Der Beamte verfolgte sie und konnte sie festhalten. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung in Vreden fanden Polizeibeamte ein ganzes Warenlager: Parfüms, Schuhe, Kleidung, Küchenartikel – alles fabrikneu und teilweise originalverpackt. 81 Gegenstände stellte die Polizei sicher.

Aufgrund dieses Fundes musste sich die 28-Jährige jetzt wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Dort sagte sie kein Wort. Im Polizeiverhör zuvor hatte sie angegeben, die Sachen von Bekannten gesammelt zu haben, um sie in ihre Heimat in Eritrea zu schicken.

Diebesgut aus Kindermodengeschäft nicht mehr auffindbar

Allerdings: Die Frau war wegen Diebstahls schon sechsmal einschlägig vorbestraft. Dennoch konnte ihr vor Gericht nicht nachgewiesen werden, dass sie die vielen Sachen gestohlen hatte. Und die Diebesbeute aus dem Kindermodengeschäft – Latzhose, Kleid und Trenchcoat – waren nicht mehr auffindbar.

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Der Verteidiger forderte daher einen Freispruch: „Es gibt nur Indizien und Vermutungen, aber keinen klaren Beweis. Es bleiben erhebliche Zweifel an der Täterschaft meiner Mandantin.“ Es sei denkbar, dass jemand anders Latzhose, Kleid und Trenchcoat habe mitgehen lassen.

Richter zweifelt nicht an Täterschaft der Angeklagten

Das sah der Richter anders. „Es ist ein Indizienprozess, da sind wir uns alle einig. Aber es gibt nach den Zeugenaussagen keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft im Kindermodengeschäft, auch wenn die Tat selbst nicht beobachtet wurde.“

Der Richter folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Freiheitsstrafe über ein Jahr und drei Monate. Angesichts der Vorstrafen, so der Richter, sei auch eine Bewährungsstrafe ausgeschlossen. Die Strafe wäre bei einem nachgewiesenen gewerbsmäßigen Diebstahl noch höher ausgefallen. Doch diesen Vorwurf hatte die Staatsanwaltschaft aufgrund fehlender Beweise fallen lassen müssen. Darum müssen der Frau nun auch alle sichergestellten Gegenstände wieder ausgehändigt werden.

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