30-jähriger Vredener schubst Frau vom Fahrrad – War es Absicht?

mlzAmtsgericht Ahaus

Ein Fahrradsturz hat das Amtsgericht Ahaus beschäftigt. Ein Vredener hat eine Frau vom Fahrrad gestoßen. Die Frage, die das Gericht lange beschäftigt hat: War der Schubser Absicht?

Vreden

, 26.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Rempler sorgte im August 2019 dafür, dass eine 30-jährige Vredenerin vom Fahrrad fiel. Mit dem Kopf voraus. Sie landete auf dem Gesicht, trug eine Platzwunde am Kinn und eine gebrochene Hand davon. Schuld an dem Sturz war ein ebenfalls 30-jähriger Vredener. Ob er die Fahrerin mit Absicht oder aus Versehen vom Fahrrad gestoßen hat, musste jetzt das Amtsgericht Ahaus klären.

Der Angeklagte selbst hat keine Erinnerungen. „Ich war total betrunken“, sagt er. Aber er streitet nicht ab, dass es wohl einen Zusammenstoß gegeben hat. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte.“ Für den Rest der mehrstündigen Verhandlung bleibt er größtenteils stumm. Er sitzt mit hängenden Schultern da, zupft an der Haut seiner Hände herum.

Zeugen sind sich nicht sicher

Also braucht das Gericht die Aussagen der Zeugen, um herauszufinden, was passiert war. Das Opfer war mit Freunden in der Nähe des Jugendcafés in Vreden unterwegs, der Angeklagte kam ihnen zu Fuß auf der Straße entgegen. „Ich bin an ihm vorbeigefahren, habe eine Bewegung gesehen und dann lag ich auch schon“, erzählt die 30-Jährige.

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Wie genau der Angeklagte sie zu Fall gebracht hat, kann sie hingegen nicht sagen. Auch eine Freundin hat diesen Moment nicht gesehen. Ein Zeuge spricht zwar von einer ausgestreckten Hand, sagt aber auch: „Das war eine total unkoordinierte Bewegung. Der ist getaumelt, das war keine Absicht.“

Gericht hält Zeugen nicht für glaubwürdig

Nur ein Zeuge, der spontan von seinem Arbeitsplatz ins Gericht gerufen wird, um Licht ins Dunkel zu bringen, sieht das anders: „Er hat einen deutlichen Schritt in ihre Richtung gemacht und sie mit der Schulter geschubst. Das war reine Absicht, ganz eindeutig.“

Das Problem: Weder Verteidiger noch Staatsantwalt oder Richter halten diesen Zeugen für glaubwürdig. „Er erzählt hier nur, was den Angeklagten belastet, den Rest nicht“, meint der Staatsanwalt.

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Die Situation nach dem Sturz nämlich schildert dieser Zeuge ganz anders als die anderen. „Er hat abgestritten, dass er das war. Er wollte sich auch partout nicht entschuldigen“, so der 23-Jährige.

Damit widerspricht er allen vorherigen Zeugenaussagen. Selbst das Opfer hat erzählt, wie der 30-Jährige sich mehrmals entschuldigt hat. „Er hat auch direkt gefragt, ob ich einen Krankenwagen brauche.“

Verwirrende Aussage des Angeklagten nach dem Sturz

Und trotzdem tut sich das Gericht schwer mit der Entscheidung, ob es Absicht war oder nicht. Denn laut Zeugenaussagen soll der Angeklagte nach dem Sturz zu dem Opfer gesagt haben: „Entschuldigung, ich habe dich verwechselt.“ Außerdem sei er verfolgt worden, hätte Angst gehabt.

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Wollte er also tatsächlich jemanden vom Fahrrad stoßen? „Sowas denkt man sich doch nicht aus. Das ist völlig unlogisch“, meint der Richter. Über diesen Aspekt berät er sich mehr als 30 Minuten mit den Schöffen.

Richter ist sich nicht 100 Prozent sicher

„Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass Sie die Frau mit Absicht gestoßen haben. Aber wir sind uns nicht 100 Prozent sicher. Es ist möglich, dass es keine Absicht war“, so der Richter. Deswegen verurteilt er den Vredener nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zur einer Geldstrafe von 40 Tagessätze zu je 40 Euro. 3000 Euro Schmerzensgeld plus Schadenersatz hat der Angeklagte bereits an das Opfer gezahlt.

Der Richter gab dem Vredener noch mit auf dem Weg: „Jemanden während der Fahrt vom Fahrrad zu stoßen ist saugefährlich. Das kann tödlich enden.“

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