55 Jahre im selben Job – und Herbert Mönning (76) hat immer noch jeden Tag Spaß

mlz55 Jahre im Job

Von der Schreibmaschine zum Computer. Herbert Mönning hat in 55 Jahren bei der Kanzlei Dr. Dr. Erning und Dr. Hüsken viele Veränderungen erlebt, freut sich aber nicht über jede von ihnen.

Vreden

, 14.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er trägt eine moderne Weste über dem hellblauen Hemd, als er mit einem motivierten „Guten Morgen" in die Kanzlei schneit und macht Späße mit den jungen Frauen am Empfang. Herbert Mönning ist jung geblieben und fühlt sich fit. Rund 70 Auszubildende, zwei Umzüge und den gesamten digitalen Wandel hat der 76-Jährige in der Anwaltskanzlei Dr. Dr. Erning und Dr. Hüsken miterlebt. 55 Jahre ist der Vredener schon in der Kanzlei tätig, davon die letzten elf halbtags als Rentner. In diesen Jahren hat Herbert Mönning zahlreiche Veränderungen miterlebt und sieht manche Entwicklungen sehr kritisch.

Ins kalte Wasser geworfen

Den immer selben Trott am Postschalter, wo er vorher gearbeitet, hatte er satt. 1964, mit 21 Jahren, kam Herbert Mönning deshalb in die Kanzlei, um eine Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten, wie man es heute nennt, zu machen. Mit der Monotonie war es dann schlagartig vorbei.

„Dr. Erning war anfangs nur zwei Tage die Woche da", erklärt er. „Da blieb vieles an mir hängen". Schon im ersten Ausbildungsjahr musste der heute 76-Jährige seine erste Verhandlung führen. „Ich wurde praktisch ins kalte Wasser geworfen und musste mich freischwimmen", erinnert er sich und lacht. „Aber alles was man sich selbst erarbeitet, bleibt hängen." Seitdem ist er Bürovorsteher, das beinhaltet die gesamte Büroorganisation inklusive Betreuung der Auszubildenden und die eigenständige Bearbeitung von Unfall-, Bußgeld- und Mietsachen.

„Ich habe hier jeden Tag mit den Problemen anderer zu tun, deshalb ist Spaß und Lockerheit ganz wichtig. Schlaflose Nächte wegen der Fälle habe ich in all den Jahren nie gehabt." Darüber, seinen Arbeitsplatz zu wechseln, hat Herbert Mönnning übrigens nie ernsthaft nachgedacht. „Ich hatte mal ein Angebot, aber man weiß nie, was man kriegt. Und ich genieße meine Freiheit und das selbstständige Arbeiten hier."

Nach Feierabend ab aufs Rad

Eben dieses selbstständige Arbeiten liebt er so an seinem Beruf. „Von Arbeit kann ich gar nicht reden. Es macht mir ja immer noch Spaß und wenn man dann noch zufriedene Mandanten hat, was will man mehr?" Wichtig sei, dass mit dem Schließen der Bürotür auch die Arbeit zu Ende ist, findet der 76-Jährige. Nach Feierabend fährt der Rentner gerne und viel Fahrrad mit seiner Frau. „Im Jahr fahren wir um die 5000 Kilometer zusammen. Da ist kein Wirtschaftsweg mehr unerkundet."

Und auch sonst ist der 76-Jährige sein ganzes Leben aktiv gewesen. Fünf Kinder und acht Enkel stehen heute an seiner Seite. Bis 2006 hat er außerdem 50 Jahre aktiv Fußball in Vreden gespielt, war im Vorstand und sogar Geschäftsführer bei den Altherren. Seine Frau vermisst ihn morgens, wenn er bei der Arbeit ist, aber noch nicht. „Sie denkt sich, bevor ich bei ihr herumscharwenzel, kann ich besser arbeiten gehen", erzählt er und muss wieder lachen. „Wir haben ja dann den ganzen Nachmittag für uns."

Von der Schreibmaschine zum Computer

Mit einer großen Adler Schreibmaschine fing er damals an. „So um 2002 herum haben wir glaube ich den ersten Computer bekommen. Die Maschinen wurden immer kleiner." Herbert Mönning hat seine eigenen Wege gefunden, mit der neuen Technik zu arbeiten. Die Arbeit in der Kanzlei und die Veränderungen halten den 76-Jährigen jung. „So roste ich nicht." Die nächste Veränderung war, als Dr. Hüsken 2006 die Kanzlei übernommen hat. „Ich habe zu beiden immer ein gutes Verhältnis gehabt."

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Technisch gesehen sei es damals im Vergleich zu heute anstrengender gewesen, denn ein Fehler reichte und die ganze Seite musste erneut abgetippt werden. "Ich habe sicher manchmal geflucht", erinnert Herbert Mönning sich und lacht. Allerdings sieht er viele der Veränderungen trotzdem sehr kritisch. „Das Gespräch fehlt heute." Früher seien Dinge schnell und unkompliziert geregelt worden, heute müsse für alles eine E-Mail geschrieben werden. Eines ist Herbert Mönning in diesen Jahren klar geworden: „Ein Gespräch erreicht immer mehr als ein ewig langer Schriftwechsel."

Das Zwischenmenschliche fehlt

Weil das Zwischenmenschliche oft auf der Strecke bleibt, meint Herbert Mönning: „Das Digitale ist nicht das Ideale." Früher sei es einfacher gewesen, weil heute das Reden fehle. Zudem würden viele Rechtsfragen verkompliziert. Es gebe zum Beispiel Paragraf xy, der früher nur die Unterpunkte a und b hatte. Heute gehe er bis Unterpunkt s oder t. Oder im Steuerrecht gebe es mittlerweile 200.000 Bestimmungen.

Generell ist vieles komplizierter geworden, findet Herbert Mönning. Ein Prozess dauert selten unter einem Jahr. „Das Verhältnis zwischen Anwälten war früher auch kameradschaftlicher. Da hat man sich vor Gericht um den Sieg gefetzt und ist danach einen Kaffee trinken gegangen. Nicht jeder war automatisch ein Konkurrent", stellt Herbert Mönning fest. „Der Spaß bleibt trotzdem, aber manchmal denke ich: Verdammt, das hätte man doch auch einfacher regeln können."

Spaß ist das Wichtigste

Einen Leitsatz hat Herbert Mönning sich bewahrt und auch allen 70 Auszubildenden im Laufe der 55 Jahre mit auf den Weg gegeben: „Wenn ich nicht drei Mal am Tag vernünftig gelacht habe, ist es ein verlorener Tag." Bei so viel Freude stellt sich natürlich die Frage, ob Herbert Mönning überhaupt noch in den Ruhestand gehen will.

„Ich wollte eigentlich schon im letzten Jahr aufhören, aber jetzt ziehen wir mit der Kanzlei erst mal um. Vielleicht höre ich dann zum Ende des Jahres auf." Dann hat Herbert Mönning noch mehr Zeit mit seiner Frau zu radeln. Das sei ihm nach über 55 Jahren Tätigkeit auch gegönnt, findet die Kanzlei, „wobei es schwer sein wird, die Lücke zu füllen, die beim Weggang von Herrn Mönning entstehen wird."

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