Acht Jahre Gefängnis für Brandstifter

Brandstifter-Prozess

Acht Jahre muss der Mann hinter Gitter, der für eine Serie von Brandstiftungen im Raum Vreden und Ottenstein verantwortlich ist und die im vergangenen Jahr über Monate Angst und Schrecken verbreiteten.

VREDEN/MÜNSTER

, 18.04.2016, 10:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Anfang Juli brannte eine Gärtnerei in der Lüntener Bauerschaft Sand. Das Gericht verurteilte Bernd S. wegen Brandstiftung auch in diesem Fall.

Anfang Juli brannte eine Gärtnerei in der Lüntener Bauerschaft Sand. Das Gericht verurteilte Bernd S. wegen Brandstiftung auch in diesem Fall.

Die Freiheitsstrafe verhängte das Gericht gegen Bernd S., der im Sommer und Herbst 2015 in Ellewick, Lünten und Ottenstein viele Einbrüche verübt und Brände gelegt hatte. Die Staatsanwältin forderte neun Jahre Gefängnis. Der Anwalt hielt eine Freiheitsstrafe auch für gerechtfertigt, bat mit Blick auf die Lebensgeschichte des Angeklagten um eine milde Strafe.

Anwalt erwägt Revision

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Der Verteidiger des Angeklagten kann innerhalb einer Woche Revision einlegen. Er empfinde das Strafmaß als zu hoch, sagte er auf Anfrage der Münsterland Zeitung, und erwäge durchaus eine Revision. Verurteilt wurde der 32-Jährige für Brandstiftungen in einer Garage in Lünten, in zwei Gärtnereien in Lünten und Ottenstein, in einer Fahrzeughalle in Ottenstein, für eine versuchte Brandstiftung in der Grundschule Ammeloe und drei Einbrüche in die Gaststätten Denno und Sahlmer sowie in ein Privathaus in Lünten. Die Verfahren gegen die Brandstiftungen in den Gaststätten wurden gestern offiziell als eingestellt ins Protokoll aufgenommen. Der Angeklagte nahm den Urteilsspruch äußerlich ohne große Regung zur Kenntnis. Zuvor hatte er sich entschuldigt: „Das tut mir leid mit Frau O.. Hätte ich gewusst, dass da einer wohnt…“ Damit spielte er auf die Bewohnerin des Hauses an, in dessen Garage er ein Auto angezündet hatte. Wegen seiner DNA-Spuren dort war die Polizei ihm auf die Schliche gekommen. Diese Brandstiftung hatte Bernd S. als einzige gestanden.

Eine Stunde Urteilsbegründung

Eine ganze Stunde Zeit nahm sich der Richter für die Urteilsbegründung. Eins machte er ganz deutlich: Die Geständnisse aus den polizeilichen Vernehmungen, die der Angeklagte bei der anschließenden richterlichen Vernehmung widerrufen hatte, spielten bei der Urteilsfindung eine große Rolle. „Es gibt keinen Grund, dieses Geständnis wegen des Widerrufs nicht mehr zu glauben“, so der Richter. „Der Angeklagte hatte Täterwissen, er hat Details von den Tatorten beschrieben“, begründete er. Zum Beispiel im Fall der Gärtnerei Lünten: Bernd S. hatte zugegeben, im Pausenraum Möbel verrückt und eine ölige Flüssigkeit verschüttet zu haben. Weil der Eigentümer der Gärtnerei und seine Mitarbeiter das bemerkt haben müssten, wenn dies an einem anderen Tag geschehen wäre, sah das Gericht einen zeitlichen Zusammenhang zur Brandstiftung. Auch die Schilderungen aus seiner Vernehmung über den Brand in der Fahrzeughalle in Ottenstein, nach denen er es „gerade eben“ geschafft habe, nach draußen zu kommen, stimmten mit dem Verlauf des Brandes vollkommen überein.

"Schutzbehauptung"

Von der Entschuldigung des Angeklagten hielt das Gericht auch nicht viel. „Dass er nicht gewusst hat, dass die Garage an das Haus angebaut ist, ist eine Schutzbehauptung“, sagte der Richter. Aber: Weil das Haus eben nicht gebrannt hat, handele es sich um eine versuchte schwere Brandstiftung und versuchten Diebstahl. Die Staatsanwältin hatte das anders gesehen und ein höheres Strafmaß gefordert.

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Auch die Anklage bezog sich auf das detailreiche Geständnis aus den Vernehmungen. Dass jemand anders als er in der Fahrzeughalle oder in den Gärtnereien Feuer gelegt haben solle, sei „lebensfremd“, so die Staatsanwältin. Mildernde Umstände für den Angeklagten sahen sowohl Anklage als auch Gericht: Eine verminderte Schuldfähigkeit könne nicht vollständig ausgeschlossen werden, er sei zumindest zum Teil geständig. Seine erheblichen Vorstrafen, dass er nur Tage nach der Entlassung aus der Haft wieder straffällig geworden war und nicht zuletzt der erhebliche Sachschaden wirkten sich strafverschärfend aus.

Für jede einzelne Tat für sich gerechnet hätte die Staatsanwaltschaft insgesamt 21,8 Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Einzelstrafen des Gerichts summierten sich auf 17,6 Jahre. Verurteilt wurde Bernd S., der zum Zeitpunkt der Taten in der Obdachloseneinrichtung Antoniusheim gelebt hatte, für folgende Taten:

  • Brand Gärtnerei Lünten: wegen vorsätzlicher Brandstiftung und versuchten Diebstahls. Sachschaden: rund 40000 Euro.
  • Brand Fahrzeughalle Ottenstein: vorsätzliche Brandstiftung und versuchter Diebstahl. Sachschaden: über eine Million Euro.
  • Diebstahl aus Gaststätte Denno: Beute war ein Sparschwein mit 50 Euro.
  • Diebstahl aus Gaststätte Sahlmer: Beute war eine Geldkassette mit 180 Euro.
  • Brand Garage Lünten: versuchte schwere Brandstiftung und versuchter Diebstahl. Diese Tat hat der Angeklagte gestanden.
  • Brand Gärtnerei Ottenstein: vorsätzliche Brandstiftung und Diebstahl. Sachschaden: rund 400 000 Euro
  • Grundschule Ammeloe: versuchte Brandstiftung und versuchter Diebstahl.
  •  Einbruchdiebstahl: Bei der Zimmerdurchsuchung des Angeklagten wurde eine Speicherkarte aus einem Handy gefunden, das bei einem Einbruch aus einem Wohnhaus in Lünten entwendet worden war.

 

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