Ärger wegen „schwulem“ TV-Star – Messerattacke in Vredener Flüchtlingsunterkunft?

mlzAmtsgericht Ahaus

Zwischen zwei Bewohnern einer Vredener Flüchtlingsunterkunft ist es zum Streit gekommen. Einer der Beteiligten wurde dabei mit einem Messer verletzt. Doch es bleiben Fragezeichen.

Vreden

, 19.02.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 41-jährige Vredener zitterte am ganzen Leib. Ein Dauerzustand, wie er über seine Dolmetscherin mitteilen ließ. Doch sein körperliches Gebrechen bewahrte ihn nicht vor dem Strafprozess am Amtsgericht Ahaus. Dort wurde ihm am Montag vorgeworfen, einen Mitbewohner in einer Vredener Asylunterkunft mit einem Messer attackiert und an der Hand verletzt zu haben.

Die Tat soll sich Anfang Mai 2018 ereignet haben. Laut Anklage ärgerte sich der Vredener damals gegen Mittag über einen anderen Unterkunfts-Bewohner, der vor dem Gebäude ein Fahrrad reparierte. Die Arbeiten störten den 41-Jährigen offenbar bei seinem Mittagsschlaf.

Mit dem Messer an der Hand verletzt

Als sein Mitbewohner auch nach der Beschwerde keine Anstalten machte, mit der Reparatur aufzuhören, warf der Vredener eine Bierflasche nach ihm, schnappte sich ein Messer und versuchte, seinen Mitbewohner in den Bauch zu stechen. Letzterer konnte die Attacke noch abwehren, erlitt jedoch zwei Schnitte an der Hand. So weit zumindest die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

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Der Vredener hatte allerdings ein gänzlich andere Sicht auf die Dinge. „Die Anklage stimmt überhaupt nicht“, erklärte er vor Gericht. Über den Tag der vermeintlichen Messerattacke sagte er: „Ich hatte zu viel getrunken und es war sehr laut vor meinem Fenster. Darüber habe ich mich natürlich geärgert.“ Auch den Flaschenwurf räumte er ein. Danach sei die Aggression aber klar von seinem Mitbewohner ausgegangen. „Er hat mich und meine Familie aufs Übelste beleidigt. Dann meinte er zu mir: ‚Komm runter, wenn du ein echter Mann bist‘“, so der 41-Jährige.

Als die beiden vor der Unterkunft aufeinander trafen, eskalierte die Situation. Laut Aussagen des Vredeners aber nicht seinetwegen: „In der einen Hand hatte er (der Mitbewohner, d. Red.) ein Messer, in der anderen eine Fahrradpumpe mit Metallaufsatz. Mit der Pumpe hat er mich an Kopf und Ellenbogen getroffen.“ Davon trage er auch heute noch eine Narbe. Auf Nachfrage des Richters gab der 41-Jährige aber zu, ebenfalls ein Messer bei sich getragen zu haben. Zugestochen habe er damit aber auf keinen Fall: „Ich bin von seinem Schlag zu Boden gegangen und habe mich nur verteidigt.“ Woher sein Mitbewohner seine Verletzungen habe, konnte er allerdings nicht sagen.

Geschädigter: „Wir sind befreundet.“

Der 35-jährige Geschädigte musste aus der JVA Verl in den Zeugenstand gebracht werden. Vor Gericht überraschte er gleich mit der ersten Aussage. Denn den Angeklagten bezeichnete er als „einen Freund von mir“. Über den Vorfall im Mai 2018 erklärte der 35-Jährige: „Er (der Angeklagte, d. Red.) hat sich beschwert, dass ich zu laut war. Da habe ich ihm gesagt, dass wir in Deutschland sind und man hier nicht bis mittags schläft. Die Flasche, die er in meinem Richtung warf, traf mich genau am Kopf.“

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Anschließend sei es vor der Unterkunft zur direkten Konfrontation gekommen. „Er wollte mich mit dem Messer abstechen. Ich bin dann abgehauen und habe einen Stein nach ihm geworfen“, so der 35-Jährige. Dass die „Freundschaft“ zwischen den beiden Asylbewerbern zu dieser Zeit ruhte, konnte er bestätigten: „Wir haben uns einige Tage zuvor über eine Fernsehsendung gestritten. Dort trat ein blondierter Mann auf und ich habe gesagt, dass es so etwas Schwules früher nicht gegeben hat. Das fand er nicht gut.“

Der Richter konnte darüber nur den Kopf schütteln. Weil der geladene Zeuge rein gar nichts zur Wahrheitsfindung beitragen konnte, regte der Vorsitzende an, das Verfahren einzustellen. Staatsanwaltschaft und Verteidiger stimmten zu. Der Richter nahm sich den Angeklagten aber dennoch zur Brust: „Sie haben sich mit dem Flaschenwurf zumindest der versuchten Körperverletzung schuldigt gemacht. Dieses Verfahren sollte eine Warnung sein. Auch, wenn Sie sich in Ihrer Ehre angegriffen fühlen, gilt das deutsche Gesetz.“

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