Aktionstag Vielfalt: Wenn Ötzi, Jungkommunist und Biene sich treffen

mlzAktionstag in Zwillbrock

Hunderte besuchten am Samstag den Aktionstag „Vielfalt“ in Zwillbrock. Eine Attraktion war die Staudenbörse. Aber auch Geheimnisse um Hexenröhrling und Jungkommunist wollten gelüftet werden.

Vreden

, 26.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Aktionstag „Biologische Vielfalt“ sollte am Samstag eigentlich erst um 14 Uhr beginnen. Doch schon Stunden früher wechselte biologische Vielfalt ihre Besitzer. Die Gartenfreunde konnte die offizielle Eröffnung der Staudenbörse gar nicht abwarten. Hermann-Josef Frieling, der Leiter des Bildungswerks an der Biologischen Station Zwillbrock, freute sich. Der Aktionstag „Biologische Vielfalt“ fand mit einigen hundert Besuchern große Resonanz. Hier sind fünf Stationen einer spannenden Expedition.


Die Gärtner:
Gerd Göring und seine Frau Irmgard Musholt-Göring aus Gescher bieten schon seit vielen Jahren Stauden und Gehölze auf der Zwillbrocker Staudenbörse an. Seit einiger Zeit hat er zwei neue Trends ausgemacht: „Die Leute fragen immer öfter nach Pflanzen, die viel Sonne vertragen und auch Trockenperioden gut überstehen können.

Gerd und Irmgard Göring bieten schon seit vielen Jahren Stauden und Gehölze auf der Staudenbörse der Biologischen Station Zwillbrock an.

Gerd und Irmgard Göring bieten schon seit vielen Jahren Stauden und Gehölze auf der Staudenbörse der Biologischen Station Zwillbrock an. © Stefan Grothues

Und die Pflanzen sollen bienenfreundlich sein. Und was empfiehlt da der Experte? „Blühenden Salbei! Der war heute auch schnell ausverkauft.“ Duftnesseln, Prachtkerze sowie die Gehölze Mönchspfeffer und Bartblume, die eine echte Bienenweide seien, legt Gerd Göring den Gartenfreunden ebenfalls ans Herz.

Der Imker: Johannes Haase hat einen Wimmelkasten dabei, der für viele Kinder, aber auch für ihre Eltern eine echte Attraktion ist: Hinter einer Glasscheibe lassen sich einige tausend Bienen beim Wabenbau beobachten. Johannes Haase macht hier Werbung für sein süßes Hobby und freut sich über den Zulauf an neuen Hobbyimkern.

Süßes Hobby: Imker Johannes Haase hatte ein lebendes Bienenvolk im Schaukasten mit nach Zwillbrock gebracht. Lotta und Max fanden es spannend.

Süßes Hobby: Imker Johannes Haase hatte ein lebendes Bienenvolk im Schaukasten mit nach Zwillbrock gebracht. Lotta und Max fanden es spannend. © Stefan Grothues

„Es gibt zwei Trends“, sagt er. „Immer mehr Frauen interessieren sich für die Imkerei. Und immer häufiger werden Bienenvölker auch in Großstädten gehalten.“

Der Pilzsammler: Mike Dienstbier ist an diesem Samstag früh aufgestanden. Schließlich wollte er als Pilzexperte den Besuchern des Aktionstages in Zwillbrock frisch gepflückte Anschauungsexemplare bieten. Seine Ausbeute ist erstaunlich vielfältig: vom Hexenröhrling über Fliegenpilz und Täubling bis hin zum begehrten Steinpilz hat er ein gutes Dutzend verschiedener Pilzsorten gesammelt.

Lecker oder gefährlich? Pilzeexperte Mike Dienstbier stellte eine bunte Sammlung frisch gepflückter Pilze vor.

Lecker oder gefährlich? Pilzeexperte Mike Dienstbier stellte eine bunte Sammlung frisch gepflückter Pilze vor. © Stefan Grothues

Gespannt hören große und kleine Besucher seinen Pilzgeschichten zu. Dabei geht es nicht nur um die Frage „giftig oder lecker“. Dienstbier weiß auch andere spannende Geschichten zu erzählen. „Das hier ist ein Birkenporling. Der gehörte wegen seiner antiseptischen Wirkung schon vor 5300 Jahren zu Ötzis Reiseapotheke.“

Der Apfelexperte: Dr. Christoph Lünterbusch ist Apfelsortensammler. In seinem Garten vereint er auf 20 veredelten Bäumen über 100 Apfelsorten, darunter auch manche fast vergessene alte Sorte. Der Lunterse Peppling aus den Niederlanden ist einer seiner Favoriten, „weil er so kräftig aromatisch und fein säuerlich schmeckt. Das findet man heute nur ganz selten.“

Dr. Christoph Lünterbusch stellte viele verschiedene Apfelsorten aus seinem Obstgarten vor. Eine Verkostung musste in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Dr. Christoph Lünterbusch stellte viele verschiedene Apfelsorten aus seinem Obstgarten vor. Eine Verkostung musste in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen. © Stefan Grothues

Eine Besonderheit zeigt er auch noch: den rotfleischigen Apfel aus Russland namens „Jungkommunist“. „Der schmeckt nicht besonders gut, aber er sieht schön aus und der rote Farbstoff ist gesund“, sagt Christoph Lünterbusch. Ein Verkostung der Äpfel ist in diesem Jahr aus Coronaschutzgründen nicht möglich.

Die Netzwerker: Bettina Hüning und Stefanie Bölting lassen große und kleine Besucher am Glücksrad drehen. Dabei geht es nicht um Gewinne, sondern um die Zukunft des Planeten, um die 17 Ziele in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Die beiden Frauen sind Mitarbeiterinnen des Regionalzentrums im Landesnetzwerk „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE).

Bettina Hüning (links) und Dr. Stefanie Bölting informierten über den Bildungsauftrag des BNE-Regionalzentrums Stiftung Natur und Landschaft Westmünsterland.

Bettina Hüning (links) und Dr. Stefanie Bölting informierten über den Bildungsauftrag des BNE-Regionalzentrums Stiftung Natur und Landschaft Westmünsterland. © Stefan Grothues

Sie stellen hier hier Arbeit und außerschulischen Lernprojekte vor. Bettina Hüning: „Dabei geht es um mehr als Umweltbildung. Wir wollen das systemische Denken fördern. Wohlstand, Frieden, regionale Entwicklung, Ökologie und Vielfalt hängen miteinander zusammen.“

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