Packen selber mit an: André und Christa Cohaus betreiben das Restaurant „Zum dicken Jupp“. © Hubert Stroetmann
Nach Corona-Lockdown

Alle wollen ins Restaurant, doch auch in Vreden fehlt das Personal

Endlich! Die Gastronomie hat wieder geöffnet und was liegt da näher, als einen lauen Sommerabend im Biergarten zu verbringen? Doch die Branche hat mit einem ernsten Problem zu kämpfen.

Eigentlich haben die Vredener Gastronomen allen Grund, sich zu freuen. Nach den Monaten des Corona-Lockdowns können sie wieder ihrem Beruf nachgehen. Doch in die Freude mischt sich Wehmut. Vielen fehlt das Personal, um ihre Betriebe unter Volllast fahren zu können.

„Wir haben wegen des Personalmangels nur drei Tage geöffnet derzeit“, sagt Ulf Dingslaken vom Haus Terrahe. Viele ehemalige Mitarbeiter hätten sich während des Lockdowns beruflich neu orientiert.

Die gesamte Branche leidet

André Cohaus, Wirt des Dicken Jupp, stimmt in das Klagelied ein: „Auch bei uns fehlen Mitarbeiter.“ Von den 20 bis 25 Aushilfen im Service, die er vor der Pandemie zum Team zählte, seien lediglich „fünf oder sechs“ geblieben. Einige hätten sich anderweitig umgeschaut, andere weilten gerade im Urlaub. „Wir machen derzeit, was wir schaffen können beziehungsweise was wir meinen zu schaffen.“

Mit der Situation sind die Vredener Gastronomen nicht allein. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Kreis Borken rund 1.300 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt. Das ist jeder fünfte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kürzlich unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitgeteilt hat.

Angesichts des bis in den Mai anhaltenden Lockdowns dürfte sich der Personal-Schwund bis heute nochmals zugespitzt haben, befürchtet Helge Adolphs, Geschäftsführer der NGG-Region Münsterland. „Ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, so Adolphs.

Gibt es einen Ausweg aus der Personal-Krise? Ulf Dingslaken vom Haus Terrahe versucht, über seine bestehenden Mitarbeiter und Freundesfreunde neue Kräfte zu bekommen. „Facebook und Werbung bringt nicht viel, da suchen alle“, berichtet er. Doch es gibt Hoffnung: „Im Service kommen wir hoffentlich bald auf einen grünen Zweig.“ Beim Küchenpersonal hingegen sei es auch schon vor Corona schwer gewesen.

Kreative Lösungen gefragt

Thomas Ostendarp, Wirt der Gaststätte Zum Dornbusch, teilt die Sorgen der anderen Gastronomen nicht. Er machte während des Lockdown aus der Not eine Tugend und eröffnete mehrere Corona-Teststationen. Das hierfür notwendige Personal warb er quasi auf dem kleinen Dienstweg an: Wer nicht mehr in der Gastronomie benötigt wurde, erhielt das Angebot, in der Teststation zu arbeiten.

Von dem Modell ,so Ostendarp, profitierten beide Seiten: „Da haben wir die Leute dann eingesetzt und die sind dann glücklicherweise auch bei uns geblieben.” Jetzt, wo die Test-Nachfrage zurückgeht, benötigt er das Personal wieder im Restaurant.

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