Papierfabrik Vreden: Aus Altpapier und Gras wird Verpackungsmaterial

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Seit mittlerweile fast 70 Jahren verwertet die Papierfabrik Vreden entsorgtes Altpapier. Dabei ist die Firma auf eine Sache im Produktionsablauf besonders stolz.

Vreden

, 01.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon einer seiner frühesten Erinnerungen verbindet Frank Brauckmann mit der Papierfabrik in Vreden. „Ich weiß noch, wie ich als Kleinkind mit dem Kettcar herumgefahren bin. Mein Vater und mein Opa haben mich schon früh aufs Firmengelände mitgenommen“, sagt Frank Brauckmann, der aktuelle Geschäftsführer der Papierfabrik.

Die Fabrik ist dafür zuständig, Papier zu recyceln. Konkret heißt das: Der Rohstoff für die Papier-Produktion in dem Vredener Unternehmen besteht zu 100 Prozent aus Altpapier. Dieses wird in Ballen oder lose angeliefert und kommt meistens aus der Region in Form von Verpackungen und Kartonagen aus Supermärkten und Discountern, aber auch aus der kommunalen Entsorgung, der blauen Tonne.

Nachdem das Altpapier verschiedene Produktionsprozesse durchlaufen hat, entsteht am Ende wieder Neupapier für Verpackungszwecke – das so genannte Wellpappenrohpapier. „Die Besonderheit ist, dass keine Abwässer aus der Produktion entstehen. Wir haben einen vollkommenen geschlossenen Wasserkreislauf“, berichtet Frank Brauckmann mit einem gewissen Stolz – weltweit einmalig laut eigener Auskunft.

Papierfabrik Vreden: Aus Altpapier und Gras wird Verpackungsmaterial

In den Lagerhallen wird das Altpapier untergebracht. © Papierfabrik Vreden


Verhältnis Wasser zu Papier 99:1

Zum Hintergrund des Produktionsprozesses: Das Altpapier wird zunächst in Wasser aufgelöst und von Fremdstoffen gereinigt – zu Beginn der Papiermaschine ist das Verhältnis von Wasser zu Papierfaser 99:1. Im Verlauf werden die Papierbahnen in mehreren Schritten getrocknet. Im letzten Schritt wird Dampf benötigt. Der Dampf wird in der ersten Stufe zur Stromerzeugung verwendet.

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Aus dem gefertigten Papier werden Verpackungen, so genannte Wellpappkartons, hergestellt. Zur Qualitätssicherung verfügt die Firma über ein eigenes Labor, in dem regelmäßig die technischen Werte der Papierherstellung überprüft werden.

„Unser Papier wird aber auch als Wabenpappe in der Möbel- und Autoindustrie eingesetzt“, erzählt Heinz-Georg Terhürne, der kaufmännische Leiter des Unternehmens. Die meisten Kunden befinden sich in Deutschland und den benachbarten europäischen Ländern.

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Kunden in den USA und Kanada

Das Papier wird aber auch nach Nord- und Südamerika exportiert, wo es in den meisten Fällen Papier aus Frischfasern ersetzt. „Über Kontakte mit Geschäftspartnern sind Verbindungen in die USA und nach Kanada entstanden. Dort ist Recyclingpapier noch nicht so verbreitet. Daher finden wir dort einen großen Absatz“, erklärt der Schalke-Fan Frank Brauckmann.

Das aktuelle Projekt der Papierfabrik heißt Graspapier. Als Zugabe zum Altpapier werden dabei Gras-Pellets verarbeitet. „Wir starten hierbei einen Versuch und wollen testen, wie das bei den Kunden ankommt. Der Markt dafür ist da, denke ich“, meint Heinz-Georg Terhürne. Der Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim verwendet dieses Papier aus Gras beispielsweise schon bei seinen Stadionheften.

Papierfabrik Vreden: Aus Altpapier und Gras wird Verpackungsmaterial

Die einzelnen Papierrollen sind mehrere Tonnen schwer. © Papierfabrik Vreden


Gründung in den 1950ern

Frank Brauckmann leitet das Unternehmen seit 2001 – genau wie vor ihm schon sein Vater und Großvater als „angestellter Geschäftsführer“, wie er betont. Seit mittlerweile 32 Jahren ist er bei der Papierfabrik tätig und führt die Firma mittlerweile in der dritten Generation.

Alles fing im Jahr 1952 an – mit Theodor Brauckmann, dem Großvater von Frank Brauckmann, und ersten Betriebsleiter des Betriebs. Die Firmen Josef Straub und Söhne GmbH aus dem Schwarzwald und die Wellpappenfabrik GmbH aus der Pfalz gründen in Vreden eine Papierfabrik, als Versorgungsgrundlage für die eigenen Werke. Gebäude und Infrastruktur konnten in Vreden in passender Größe angemietet werden kann.

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Zweiter Dampfkessel kommt hinzu

Wenig später bekommt das Unternehmen Zuwachs aus den eigenen Reihen. Dieter Brauckmann, Sohn von Betriebsleiter Theodor Brauckmann, tritt in die Firma ein. Er ist vom Fach, hat er doch sein Studium an der Fachhochschule München als Papieringenieur abgeschlossen.

Dieter Brauckmann, Vater vom aktuellen Chef Frank Brauckmann, steigt 1971 zum Unternehmensleiter auf und ist damit Geschäftsführer in der zweiten Generation. Anfang der 1980er Jahre läuft es gut bei der Papierfabrik: Wegen einer weiteren Produktionssteigerung und des damit verbundenen höheren Dampfbedarfs wird die Inbetriebnahme eines zweiten Dampfkessels benötigt. Mit diesem Schritt wird auch von Öl- auf Gasfeuerung umgestellt.

Papierfabrik Vreden: Aus Altpapier und Gras wird Verpackungsmaterial

Heinz-Georg Terhürne (l.) ist kaufmännischer Leiter der Papierfabrik, Frank Brauckmann leitet die Papierfabrik Vreden stehen vor den risiegen Papierrollen. © Maximilian Konrad


Produktion von 1.000.000 Tonnen Papier

Mitte der 1990er Jahre kommt es zu einem weiteren Ausbau: Die Firma erwirbt jenseits des Ausbachs Grundstücke der ehemaligen Textilwerke Hecking inklusive der Gebäude. Damit vergrößert sich der Grundbesitz der Firma auf fast 33.000 Quadratmeter.

Durch weiteren technischen Fortschritt wird in den kommenden Jahren „eine magische Grenze“ durchbrochen. Im Oktober 1998 wurde die 1.000.000 Tonne Papier seit der Gründung produziert.

Aktuell hat die Firma 72 Mitarbeiter. Viele davon sind angelernt, es wird im Schichtbetrieb gearbeitet. „Gerade die Zuschläge für das Wochenende und für die Nachtarbeit sind für viele attraktiv“, erklärt Geschäftsführer Frank Brauckmann.

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