Wenn die vollständige Impfung im gelben Impfausweis nachgewiesen wird, können Apotheken den Zugang zum digitale Impfausweis eröffnen. Die Impfung sollte aber nicht weit entfernt erfolgt sein. © picture alliance/dpa
Impfausweis

Apotheken sollen digitalen Impfausweis nur an hiesige Geimpfte abgeben

Der digitale Impfausweis ist begehrt. Der Ansturm auf die Apotheken ist groß. Einem Vredener Ehepaar wurde jetzt der QR-Code zunächst verwehrt, weil die Impfung 450 Kilometer entfernt erfolgte.

So hatten sich die Vredener Dirk und Birgit Wissing den Start des neuen digitalen Impfausweises nicht vorgestellt. Dass sich draußen vor der Marienapotheke an der Wüllener Straße schon eine kleine Warteschlange gebildet hatte, nahm Birgit Wissing gerne in Kauf. In der Tasche hatte sie ihren eigenen gelben Impfausweis und den ihres Mannes, dazu die Personalausweise.

Sie vergewisserte sich noch schnell, dass die Marienapotheke auch tatsächlich die QR-Codes für den digitale Impfausweis herausgibt. „Es kann noch eine Weile dauern, sagte man mir, aber das ist ja kein Problem“, sagt Birgit Wissing. In froher Erwartung reihte sie sich in die Schlange der Wartenden ein.

Digitaler Impfausweis erleichtert das Reisen in Europa

Denn der digitale Impfpass soll die Eintrittskarte für die Rückkehr in alte Reisefreiheiten sein: Mit ihm können Bürger in der ganzen EU nachweisen, dass sie vollständig geimpft sind. Der Nachweis kann von Ärzten, Impfzentren und Apotheken ausgestellt werden. Er wird in der Corona-Warn-App oder der CovPass-App gespeichert, den sich jeder auf sein Handy laden kann.

Für jede Impfung erhält der Bürger einen Nachweis in Form eines QR-Codes ausgedruckt. Wenn er beide QR-Codes per Handy einscannt, weist die App ihn als vollständig geimpft aus. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson, der mit einer Dosis auskommt, gibt es nur einen QR-Code. So wie bei Dirk und Birgit Wissing, die mit diesem Impfstoff geimpft wurden.

„Leider kein QR-Code für weiter entfernte Impforte“

Als Birgit Wissing in der Marienapotheke an der Reihe ist, scheint es zunächst keine Probleme zu geben. „Doch dann hieß es: Leider können Sie hier keinen QR-Code bekommen. Sie sind ja nicht im Kreis Borken geimpft worden. Dann geht das nicht. Das ist die Anweisung vom Chef.“ So zitiert Birgit Wissing die Apothekenmitarbeiterin.

Ihr Mann Dirk Wissing ist sehr verärgert. „Dass wir als Vredener Bürger und Steuerzahler in einer Vredener Apotheke keinen digitalen Impfnachweis bekommen können, macht mich stinksauer.“ Dirk Wissing ist selbstständiger Fliesenleger, seine Frau arbeitet im Betrieb mit. Oft ist er für eine große Werft in Wismar tätig. Die Werft hatte jüngst auch Betriebsangehörige von Partnerfirmen zu einer großen Impfaktion auf ihrem Werftgelände eingeladen.

Beruflich in Europa auf Reisen

Die Wissings nahmen ihre Chance in Mecklenburg-Vorpommern wahr. „Wir waren ja froh über das Impfangebot“, sagt Dirk Wissing. „Und wir wollen die Impfkampagne ja auch unterstützen. Der digitale Impfausweis ist für mich ein wichtige Sache: Ich bin ja beruflich oft in verschiedenen Ländern in Europa unterwegs.“

Über die Zurückweisung in der Vredener Apotheke sei er so verärgert gewesen, dass er dem Vredener Bürgermeister gleich einen Brief geschrieben habe. Der Bürgermeister ist allerdings für diese Frage nicht zuständig. Auch nicht der Kreis Borken oder die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die ihrerseits an den Apothekerverband Westfalen-Lippe verweist.

Apothekerverband: Im Sinne der Verordung gehandelt

Dessen Pressesprechern Dr. Nina Grunsky erklärt, dass die Marienapotheke durchaus im Sinne der Verordnung gehandelt habe. „Es soll bei der Ausgabe der QR-Codes eine räumliche Nähe zum Impfort geben, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Apotheken die Nachweise besser beurteilen können“, sagt Nina Grunsky. Nur im Einzelfall seien Abweichungen von diesem Prinzip möglich.

In der entsprechenden Verordnung des Bundes heißt es: „Um eine missbräuchliche Ausstellung zu vermeiden, soll eine Ausstellung in der Regel nur erfolgen, wenn die Impfung in räumlicher Nähe – etwa in der gleichen oder umliegenden Gemeinde, dem gleichen oder umliegenden Landkreis, dem gleichen oder umliegenden Regierungsbezirk bzw. Gebietskörperschaft– erfolgt ist. Durch die räumliche Nähe zum Ort der Impfung wird gewährleistet, dass die Form der Nachweise oder die ausstellenden Leistungserbringer bekannt sind. Hiervon kann im Einzelfall abgewichen werden, wenn etwa die Ausstellung aus beruflichen Gründen oder bei Wohnsitzwechsel nicht am Ort der Impfung erfolgen kann.“

Auf diese Ausnahmeregelung verweist auch der Inhaber der Marienapotheke Dr. Michael Göring am Dienstagnachmittag. „Wir haben allein am Montag rund 60 QR-Codes ausgeben.“ In einigen Fällen aber hätten die Mitarbeiterinnen die QR-Codes im Sinne der Verordnung noch nicht herausgegeben, wenn die Impfbescheinigungen nicht von Vredener Ärzten oder aus dem Impfzentrum Velen erfolgt seien. In diesen Fällen seien genauere Überprüfungen notwendig, die er nun abarbeiten werde. „Wir versuchen das zu verifizieren“, so Michael Göring.

Probleme im Gespräch ausgeräumt

Der Apotheker zeigte Verständnis dafür, dass die Regelungen bei den Kunden auch zu Unmut führten. Darum führte er am Dienstagnachmittag noch ein klärendes Gespräch mit den Wissings. „Wir konnten die Probleme ausräumen“, so Göring. Unterdessen aber hatten die Wissings allerdings ihren digitalen Impfausweis schon in einer anderen Vredener Apotheke erhalten.

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Stefan Grothues

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