Archäologen legen Überreste von Stadtmauer und Mädchenschule frei

mlzArchäologische Grabung

Auf dem Kirchplatz in Vreden wird derzeit gegraben und geforscht. Ein Archäologen-Team sucht im Auftrag des Landwirtschaftsverbands Westfalen-Lippe nach Hinweisen aus der Vergangenheit.

Vreden

, 17.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Boden auf dem Vredener Kirchplatz ist offen, zwei Männer mit Helmen sitzen inmitten von Mauerresten und Rohren. Ringsum ist Erde aufgetürmt. Eine Frau mit weißem Helm beobachtet das Geschehen. Sie ist die Leiterin der archäologischen Grabung, Heike Tausendfreund von der Firma Salisbury, die die Grabung im Auftrag des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) durchführt.

Aktuelle Funde sind noch nicht genau zu datieren

Einige Reste der alten Stadtmauer hat sie mit ihrem Team aus fünf Mitarbeitern bereits freigelegt. „Wir wissen, dass die ältesten Teile der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert stammen. Die aktuellen Funde können wir bis jetzt noch nicht datieren“, berichtet Heike Tausendfreund beim Blick auf die Mauern.

Zudem haben die Archäologen bei ihrer Grabung Reste der ehemaligen Mädchenschule aus dem Jahr 1899 freigelegt. „Hier sehen Sie noch eine Lichtnische“, zeigt die Grabungsleiterin und deutet auf die fragliche Stelle.

Jetzt lesen

Auf die alte Stadtmauer wurde ein kleines Mäuerchen gesetzt, dem die Stadtmauer als Fundament dient. Außerdem haben die Archäologen Kohlereste gefunden, die wohl aus dem ehemaligen Kohlenkeller der Schule stammen.

Seit Anfang des Monats wird auf dem Kirchplatz gegraben und geforscht, bis zur kommenden Woche sind die Experten noch auf Spurensuche in der Vredener Vergangenheit.

Archäologin Heike Tausendfreund hat mit ihrem Team Teile der Stadtmauer freigelegt.

Archäologin Heike Tausendfreund hat mit ihrem Team Teile der Stadtmauer freigelegt. © Markus Gehring

Grabungen bis zu einer Tiefe von 2,52 Meter

„Es gibt einige Risse in der Mauer, das kann entweder an dem hier nicht allzu stabilen Boden oder an Bombeneinschlägen aus dem zweiten Weltkrieg liegen“, erklärt Heike Tausendfreund. Aus früheren Ausgrabungen sei bekannt, dass die Stadtmauer mit einigen Unterbrechungen entlang der Stiftskirche verläuft.

Jetzt lesen

Dabei graben die Archäologen bis zu einer Tiefe von 2,52 Meter. „Wir haben viele Abwasser- und Stromleitungen gefunden, durch die die Mauer unterbrochen wird“, berichtet Heike Tausendfreund. Dabei muss das Team auch schon mal aufpassen. „Wir sind auf eine noch aktive Starkstromleitung gestoßen“, erzählt die Archäologin.

Video
Archäologische Grabungen in Vreden

Die Ergebnisse der Grabungen werden vor allem digital archiviert, die Fotos und Dokumente landen im Fundarchiv des LWL in Münster-Coerde.

Stücke der Kirche unter der Erde entdeckt

„Wir arbeiten im Prinzip nur da, wo tiefer in den Boden eingegriffen wird, und versuchen, so viel wie möglich zu erhalten“, erklärt die Grabungsleiterin. Dabei sei aufgrund der vielen Leitungen in diesem Abschnitt eine sehr kleinteilige Arbeit erforderlich. Bei der anfänglichen flächigen Untersuchung wurde dokumentiert, welche Bodenschichten wie alt sind.

Jetzt lesen

Einige Stücke der Kirche hat die Ausgrabungscrew ebenfalls unter der Erde entdeckt. „Die könnten genutzt worden sein, um Bombenkrater zuzuschütten“, vermutet Heike Tausendfreund. Darauf deutet auch der Schutt hin, der eindeutig der Zeit des zweiten Weltkrieges zuzuordnen ist. Einige spätmittelalterliche Keramikscherben sind außerdem ans Tageslicht gekommen.

Bereich zählt zu einem wichtigen Bodendenkmal

Was sind die wesentlichen Erkenntnisse, die die Archäologen aus den Ausgrabungen mitnehmen? „Wir erfahren einiges über den Verlauf der Stadtmauer. Wenn man sich genauer mit den Steinen auseinandersetzt, werden wir möglicherweise auch Hinweise zur Datierung erhalten“, glaubt Heike Tausendfreund.

„Der Bereich gehört zum eingetragenen Bodendenkmal Stiftsimmunität Vreden, einem der bedeutendsten Bodendenkmäler in ganz Westfalen“, erklärt Andreas Wunschel vom LWL zur Ausgrabungsstelle.

Lesen Sie jetzt