Asylbewerberunterkunft in Ex-Forensik geplant

Bis zu 750 Plätze

Die frühere forensische Klinik in Rekken-Oldenkotte soll in ein Asylbewerberheim umgewandelt werden. Die niederländische Zentral-Organisation für Asylbewerber hat dazu eine konkrete Anfrage bei der Gemeinde Berkelland gestellt. Das Ziel: Bis zu 750 Asylsuchende in der Einrichtung direkt an der Grenze unterzubringen.

VREDEN/REKKEN

, 26.09.2014, 16:53 Uhr / Lesedauer: 3 min
Aufnahme von Juli 2011 von Dr. Hermann Terhalle, entnommen aus dem Buch "Vreden aus der Vogelperspektive"

Aufnahme von Juli 2011 von Dr. Hermann Terhalle, entnommen aus dem Buch "Vreden aus der Vogelperspektive"

In einem ersten Schritt sei vorgesehen, 210 Menschen in den vorhandenen Gebäuden unterzubringen. Auf lange Sicht sei eine Aufstockung in Betracht zu ziehen: Die COA nennt dazu die Zahl von 750 Menschen, für die durch Lösungen wie Wohncontainer Räumlichkeiten auf Zeit geschaffen werden könnten. Die COA verweist darauf, dass die Gemeinde Berkelland eingebunden ist in die erforderliche Beschlussfassung. Die COA will nun gemeinsam mit der Gemeinde Berkelland – die im Übrigen wohl erst seit Anfang der Woche genauere Kenntnis von den Absichten hat –, eine Informationsveranstaltung durchführen. Der Termin dafür steht bereits fest: Mittwoch, 1. Oktober.

Die Verantwortlichen laden dazu auch die Anwohner im Umkreis von 1800 Metern rund um die Anlage ein. Dieser Radius gilt aber wohl nur für die Niederlande. Die Versammlung beginnt um 19 Uhr im Café Kerkmeier, Rekkenseweg 44 in Rekken. Mit von der Partie sind auch Vertreter von Institutionen wie der bisherige Eigentümer der Anlage am Kienvenneweg, die Stiftung Oldenkotte. Die COA teilt weiter mit, dass die dort vorhandenen Gebäude für die Unterbringung von Asylbewerbern geeignet seien. Die Zahl der Asylsuchenden wachse auch in den Niederlanden, was die Ausweitung der Kapazitäten zu ihrer Unterbringung erforderlich mache. Vor allem seien es Flüchtlinge aus Syrien, Somalia und dem Irak, die in die Niederlände kämen.

Ein Sprecher der Gemeinde Berkelland erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass auch die unmittelbar betroffenen deutschen Anwohner ausdrücklich zur geplanten Informationsveranstaltung willkommen seien. Der Sprecher nannte eine Zahl von vier Anwohnern. Für die Gemeinde Berkelland selbst stehe das gesamte Verfahren noch an einem sehr frühen Zeitpunkt. Zunächst sei deshalb die Informationsveranstaltung vorgesehen. Danach werde sich auch der Gemeinderat mit diesem Thema befassen. Wie sich dieser positionieren werde, sei heute noch nicht zu sagen. Überrascht von der Entwicklung zeigte sich auch der Vredener Bürgermeister, Dr. Christoph Holtwisch. Er hatte am Freitagmorgen Besuch aus den Niederlanden: Der neue Bürgermeister der Gemeinde Berkelland, Joost van Oostrum, habe ihn dabei über die jüngste Entwicklung in Kenntnis gesetzt. Der Eindruck, den Holtwisch hatte, war, dass auch die Berkelländer die Dimension dieses Vorgangs einordnen.

Holtwisch sagte: „Ich begrüße es sehr, dass auch die deutschen Anwohner zur Informationsveranstaltung eingeladen worden sind.“ Er lobte den kurzen Draht zwischen den Rathäusern der beiden Nachbargemeinden: „Dass der Bürgermeister mich direkt im Gespräch informiert, finde ich sehr positiv.“ Damit bestätige sich, dass die vereinbarte enge Zusammenarbeit gut funktioniere. Für eine Bewertung der Pläne für eine Asylbwerber-Unterkunft in einer solchen Größenordnung sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, erklärte Holtwisch weiter. Die Entwicklung sei aber sehr genau zu beobachten. Klar sei, dass es um eine sehr große Zahl von Menschen gehe, gemessen an dem ländlichen Raum, in dem die Einrichtung liegt. Holtwisch kündigte an, dass auch ein Vertreter der Stadtverwaltung Vreden am Informationsabend in Rekken teilnehmen werde.

Das wird wohl auch die Familie Michaelis. Sie zählt zu den deutschen Anwohnern, die am nächsten zur ehemaligen Forensik liegen. Franzis Michaelis zeigte sich am Freitagmorgen völlig überrascht von dem Projekt. Eine offizielle Information hatte sie noch nicht erreicht: „Wir hatten davon bis jetzt noch nichts erfahren.“ Franzis Michaelis berichtete, dass sie zwar auch mit den niederländischen Nachbarn immer wieder Gespräche über die Frage geführt habe, was aus der leerstehenden Forensik werden solle, die nur 500 Meter von ihrem Hof entfernt liegt. Doch niemand habe etwas über das Vorhaben gewusst, das jetzt bekannt geworden ist.

Die Zahlen selbst hatten auch auf offizieller niederländischer Seite als „vertrauliche“ Information gegolten. Das berichtete die niederländische Zeitung Tubantia in ihrer Ausgabe vom Freitag. Die Vorsitzenden der Fraktionen im Rat der Gemeinde Berkelland seien erst am vergangenen Dienstagabend über diesen Umstand informiert worden. Die Zeitung zitiert Peter Brugman, PvdA, mit den Worten: Für eine kleine Gemeinschaft sei dies ein sehr weitreichender Eingriff. Im Ortsteil Rekken leben gerade einmal 1480 Menschen.

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