Ausschuss möchte das Freibad sanieren statt neu zu bauen – Es bleiben viele Fragezeichen

mlzSchwimmbad

Es wird wohl kein neues Freibad in Vreden gebaut. Stattdessen soll das Becken saniert werden. Auf Details wollte sich der Fachausschuss aber nicht festlegen. Dabei ist die Zeit knapp.

Vreden

, 14.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Spaßbad stand zur Debatte, mit Strömungskanal, Klettergerüst, Rutsche oder Sprungturm. Und ein extra Becken mit Dach und Wänden, die sich im Sommer öffnen lassen. Das Planungsbüro hat groß gedacht bei den vier Varianten für den Neubau des Freibades in Vreden.

Der Fachausschuss hat diesen Ideen nun eine Absage erteilt. Es soll keinen Neubau geben. Stattdessen soll das bestehende Becken saniert werden. Auf weitere Details wollte sich der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss aber in seiner Sitzung am Dienstagabend auch nach langer Diskussion nicht festlegen.

Sanierung ist deutlich günstiger als ein Neubau

Am Anfang waren sich die Fraktionen eigentlich nur in einer Sache einig: Beim Freibad muss etwas passieren. Das Schwimmbecken wurde im Jahr 1957 gebaut und ist laut Verwaltung „grundlegend sanierungs- beziehungsweise erneuerungsbedürftig“.

Im Oktober hat das Planungsbüro dem Rat vier Varianten für einen Neubau vorgestellt. Die Kosten liegen dabei zwischen 4,9 und 7,1 Millionen Euro. Deutlich günstiger wäre eine Sanierung des bestehenden Beckens. Das würde je nach Variante zwischen 970.000 und 1,9 Millionen Euro kosten. Deswegen und weil sich auch die Sportvereine dafür aussprechen, hat die Verwaltung eine Sanierung des Beckens in der Edelstahlvariante empfohlen.

Erneute Kritik an der Arbeit der Verwaltung

Dem wollten die Fraktionen sich aber nicht ohne weiteres anschließen. Christel Kovermann (FDP) übte zunächst heftige Kritik an der Verwaltung: „Wie immer entscheidet die Verwaltung irgendwas, setzt uns das Edelstahlbecken vor und wir sollen das abnicken.“ Sie ärgerte sich über fehlende Informationen und darüber, dass die Verwaltung mit den Vereinen gesprochen hatte, bevor die Politiker sich überhaupt überlegen konnten, was sie sich wünschen.

Elmar Kampshoff (UWG) setzte noch einen drauf: „Das war sehr viel Selbststudium, die Vorlage war wieder einmal sehr dünn. Die Verwaltung muss noch eine Menge Hausaufgaben machen. Wir wünschen uns eine gesamte Übersicht.“

Weniger scharf, aber inhaltlich ähnlich äußerte sich Gisela Huning für die CDU-Fraktion: „Wir hatten noch nicht ausreichend Zeit, um die verschiedenen Möglichkeiten zu diskutieren.“ Ihre Fraktion wolle sich zunächst einige Becken in den verschiedenen Ausbauvarianten (Fliesen, Edelstahl, Folie) anschauen und erst dann entscheiden.

Neues Becken soll eigentlich im Sommer 2020 fertig sein

Fast schien es, als würde in dieser Sitzung gar keine Entscheidung fallen, da schaltete sich Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch ein: „Der Zeitplan ist schon jetzt nicht unambitioniert. Wenn wir nun noch weitere Informationen und Planungen liefern sollen, ist die Zeitschiene realistisch nicht einzuhalten.“

Im Idealfall sollen die Bauarbeiten noch im nächsten Winter beginnen. Das neue Becken könnte dann zur Sommersaison 2020 fertig sein. Wenn der Ausschuss jedoch erst im Juni eine Empfehlung an den Rat gibt, sei das nicht mehr zu schaffen, so der Bürgermeister.

Das Frei und Hallenbad Vreden aus der Vogelperspektive. Das Freibadbecken soll saniert werden. Ein Neubau ist wohl vom Tisch.

Das Frei und Hallenbad Vreden aus der Vogelperspektive. Das Freibadbecken soll saniert werden. Ein Neubau ist wohl vom Tisch. © Bernd Schlusemann

Das wollten die Kommunalpolitiker dann doch nicht in Kauf nehmen. Eine endgültige Entscheidung ohne weitere Informationen und Pläne aber auch nicht fällen. Nur die SPD hätte sich direkt auf die Edelstahl-Variante festlegt.

Nach langem Hin und Her einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss. Der Ausschuss beschloss, dem Rat eine Sanierung statt eines Neubaus zu empfehlen. Ob es die Edelstahl- oder die Fliesen-Variante wird, bleibt im Beschluss offen.

Ausschüsse schauen sich verschiedene Freibäder an

Die Verwaltung wird nun Besichtigungen in Freibädern der verschiedenen Varianten organisieren und weitere Informationen zusammentragen. In einer gemeinsamen Sitzung sollen Bau- und Sportausschuss dann eine Empfehlung an den Rat beschließen.

Was genau das nun für den Zeitplan bedeutet, konnte der Erste Beigeordnete Bernd Kemper am Mittwoch im Gespräch mit der Redaktion nicht sagen. „Der Zeitplan ist ambitioniert und das wird durch eine erneute Überprüfung nicht besser. Aber wir sind bemüht, ihn einhalten zu können.“

Sanierung des Freibads

Die Pläne im Detail

  • Das bestehende 50-Meter-Becken im Vredener Freibad soll erhalten und saniert werden. Drei verschiedene Varianten stehen zur Auswahl: Fliesen (1,1 Mio Euro), Folie (970.000 Euro) oder Edelstahl (1,9 Mio Euro).
  • Für die Edelstahl-Variante spricht aus Sicht der Verwaltung, dass das Material deutlich langlebiger und robuster ist als zum Beispiel Fliesen. Im Moment müssten nach jeder Saison etliche Fliesen ausgetauscht werden.
  • Bei einer Sanierung soll auch die Wassertiefe unter dem Sprungturm erhöht werden, sodass der Drei-Meter-Turm wieder in Betrieb genommen werden kann.
    Der Drei-Meter-Sprungturm darf im Moment nicht benutzt werden, weil die Wassertiefe nicht ausreicht. Das Bild stammt aus dem Jahr 2015.

    Der Drei-Meter-Sprungturm darf im Moment nicht benutzt werden, weil die Wassertiefe nicht ausreicht. Das Bild stammt aus dem Jahr 2015. © Markus Gehring

  • Markus Windmeier (SPD) wünschte sich außerdem eine zusätzliche Attraktion für das Freibad, um mehr Besucher anzulocken.
  • Das Flair des Vredener Freibades mit seinem Baumbestand soll erhalten bleiben.
  • Ein Lehrschwimmbecken, in denen Kinder das Schwimmen lernen soll, soll in einem zweiten Bauabschnitt dazu kommen. Die genaue Lage auf dem Gelände steht noch nicht fest. Das Becken soll in zwei bis drei Jahren folgen und wird voraussichtlich rund 2,1 Millionen Euro kosten.
  • Die Sportvereine haben außerdem angeregt, dass man bei den Bauarbeiten auch die Umkleidenkabinen des Freibades umbauen könnte, sodass sie auch für den Hallenbadbetrieb genutzt werden können. Die Verwaltung wird die Möglichkeiten prüfen.
  • Den Wunsch der Sportvereine, das Hallenbad ganzjährig zu öffnen, um den Vereins- und Schulsport zu entzerren, sieht die Verwaltung aufgrund von Betriebs- und Personalkosten kritisch.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt