Deutschland hängt im internationalen Vergleich um digitale Ausstattung und Kompetenzen hinterher. Das Gymnasium Vreden ist dagegen ein perfektes Gegenbeispiel.

Vreden

, 27.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Bild, das Jürgen Klomfaß wählt, beschreibt eine künftige Situation am Georgianum nahezu in Perfektion: „Beim Hochsprung können die Schüler ihre Sprünge mit dem Tablet aufnehmen. Danach können sie sich in Ruhe ihren Bewegungsablauf anschauen und gucken, was sie unter Umständen noch verbessern müssen“, sagt der Schulleiter des Gymnasiums Vreden.

Das Beispiel zeigt: Die Schule sieht sich für die digitale Zukunft bestens ausgestattet. 32 Tablets, die variabel für jegliche Fächer einsetzbar sind; drei Computerräume, drei Informatiklehrer – dazu ist jeder Unterrichtsraum mit einem Beamer, einem Computer und einer Dokumentenkamera ausgestattet.

„Profitieren vom Medienentwicklungsplan Vreden“

Damit ist das Georgianum ein Musterbeispiel, was die digitale Ausstattung betrifft. „Wir profitieren sehr vom Medienentwicklungsplan der Stadt Vreden. Die hat einen externen Berater, mit dem wir uns regelmäßig austauschen“, berichtet Andreas Kottemölle, stellvertretender Schulleiter.

Einmal im Jahr treffen sich die Verantwortlichen, um über den aktuellen Stand an der Schule zu sprechen. „Es gibt immer einen Rückblick und einen Ausblick, welche digitalen Projekte wir zeitnah planen“, beschreibt Jürgen Klomfaß. Die erste Phase des Medienentwicklungsplans läuft gerade aus – die zweite Periode dauert wieder fünf Jahre und endet 2024.

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Das Gymnasium in Vreden ist damit eine Ausnahme im deutschlandweiten Vergleich. Mehrere Studien zeigten zuletzt, dass sich die digitale Ausstattung in deutschen Schulen in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat. „Zum Zeitpunkt des Tests im ersten Halbjahr 2018 kam ein schulisches digitales Gerät auf etwa zehn Schüler. 2013 waren es 11,5“, ergaben die Resultate der International Computer and Information Literacy Study (ICILS).

Im EU-Schnitt sind es nur etwa neun, in den USA nur zwei. Die IT-Ausstattung in Deutschland ist nach Ansicht der Forscher „im internationalen Vergleich als weit unterdurchschnittlich anzusehen“. Ein weiterer spannender Fakt: Nur etwas mehr als ein Viertel der Achtklässler besuchten im Jahr 2018 eine Schule, in der sowohl die Lehrer als auch die Schüler Zugang zu einem schulischen WLAN haben.

Beamer, Dokumentenkamera, Tablets: Gymnasium Vreden für digitale Zukunft ausgestattet

Direktor Jürgen Klomfaß ist selbst Informatiklehrer und schaute den Schülern beim Unterricht über die Schulter. © Maximilian Konrad

Im Georgianum in Vreden hat jeder Raum WLAN – aber nur für die Computer, auf die Lehrer zugreifen können. „Die Schüler kommen nicht ins Netzwerk. Wir haben hier grundsätzlich die Regelung, dass die Schüler ihre Handys in der Tasche lassen sollen“, erklärt Direktor Jürgen Klomfaß.

Und wenn dann doch einmal einer mit seinem Smartphone in der Hand erwischt wird, wird das Handy eingesammelt und landet im Büro des Direktors. Seit den Sommerferien gab es jedoch nur wenige Fälle.

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Arbeitsgruppe für Medienkonzept

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass der digitale Wandel noch nicht bei den Lehrkräften angekommen ist. Weniger als ein Viertel der Lehrer nutzen die digitalen Medien täglich. Am Gymnasium in Vreden gibt es eine Arbeitsgruppe, die ein Medienkonzept für die Schule entwickelt hat.

„Wir versuchen regelmäßig die Kollegen für die Nutzung der digitalen Geräte zu sensibilisieren und tauschen uns über unsere Erfahrungen aus“, erzählt Andreas Kottemölle, der wie Jürgen Klomfaß auch Informatiklehrer ist. Auch Eltern und Schüler werden in die Beratungen der Arbeitsgruppe miteinbezogen. Dazu kommt, dass der Kreis Borken drei Medienberater für die Schulen zur Verfügung stellt, die die Lehrkräfte in ihrer Medienkompetenz fortbildet.

Ein Drittel beherrscht nur Grundkenntnisse

Die Untersuchung der ICILS brachte zudem hervor, dass die digitalen Kompetenzen der Schüler auf einem international niedrigen Niveau sind. Für die Studie wurden die Fähigkeiten von Achtklässlern getestet. „Nur knapp zwei Prozent der Schüler erreichen die Leistungsspitze, ein Drittel hat lediglich Grundkenntnisse – sie können gerade mal E-Mails öffnen, Links anklicken oder ein Wort in einen Text einfügen“, sagte die Leiterin der ICILS, Birgit Eickelmann von der Uni Paderborn in einem Bericht des Handelsblatts.

Um die digitalen Kompetenzen der Schüler zu fördern, verfügt das Georgianum über drei Informatiklehrer. „Damit sind es schon drei mehr im Vergleich zu manch anderen Schulen“, scherzt Jürgen Klomfaß, der seit 2017 das Gymnasium leitet.

Robotik ab der fünften Klasse

Dazu verfügt die Schule im Vergleich zu anderen über einige Besonderheiten. Wer zur fünften Klasse neu aufs Georgianum kommt, hat die Möglichkeit, in die MINT-Klasse zu gehen. MINT meint hierbei die zusammenfassende Bezeichnung von den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Im Zuge der MINT-Klasse gehört die Robotik fest zum Stundenplan. „Zwei Stunden in der Woche beschäftigen sich die Schüler mit dem Programmieren“, sagt Andreas Kottemölle, der findet, dass die Schüler so früh wie möglich an digitale Inhalte herangeführt werden sollten.

Zudem haben Schüler der achten und neunten Klasse die Möglichkeit, im Wahlpflichtbereich II den „Naturpraktischen Kurs“ zu besuchen. Hierbei sind technische und informatische Inhalte zentral. Die Schüler arbeiten mit Robotern und erschließen sich die Logik des Programmierens, die durch die Einführung einer weiteren Programmiersprache vertieft wird.

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