Begeistert für Mathematik

Vreden Die aus Vreden stammende, international renommierte und heute an der Universität Oxford in Großbritannien forschende und lehrende Professorin Dr. Ulrike Tillman hat am vergangenen Dienstagabend in Berlin den Bessel-Preis der Humboldt-Stiftung erhalten. Thorsten Ohm hat mit ihr über ihren beruflichen Werdegang, ihre Arbeit und ihre Beziehung zu Vreden gesprochen.

25.06.2008, 19:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Die Begeisterung für Mathematik kam während des Studiums im Ausland - heute lehrt und forscht Prof. Dr. Ulrike Tillmann an der Oxford University in Großbritannien.  MLZ-Foto</p>

<p>Die Begeisterung für Mathematik kam während des Studiums im Ausland - heute lehrt und forscht Prof. Dr. Ulrike Tillmann an der Oxford University in Großbritannien. MLZ-Foto</p>

Hallo, Frau Tillmann. Wie war es gestern bei der Preisverleihung?

Tillmann: Sehr feierlich. Die Räume im Opernpalais sind alt und wunderschön. Erst gab es ein Abendessen, danach die Preisübergabe und klassische Musik von Mendelssohn. Das passte gut, weil Alexander von Humboldt ein Förderer von Felix Mendelssohn-Bartholdy gewesen ist.

Heute endet für viele die Schulzeit. Wussten Sie nach dem Abitur, wohin Ihr Weg führen würde?

Tillmann: Der erste Schritt war zu dem Zeitpunkt schon klar. Mein Englischlehrer, Herr Pfahler, hatte mich darauf angesprochen, ob ich mich nicht für ein Studienjahr in Amerika interessieren würde. Ich habe mich erfolgreich für ein Stipendium beworben und bin an die Universität Brandeis gegangen.

War damals auch schon Ihre Entscheidung für die Mathematik gefallen?

Tillmann: Noch nicht. Ich hatte Mathe und Deutsch als Leistungskurse und konnte mir damals auch ein geisteswissenschaftliches Studium gut vorstellen. In Brandeis waren die Schwerpunkte Mathe und Informatik; daneben habe ich dort aber auch Politikwissenschaften und Philosophie belegt; das Bachelor-Studium ist breiter angelegt.

Wie kamen Sie schließlich zur Mathematik?

Tillmann: Begabung spielt sicher auch eine Rolle. Ich bin in Brandeis gut in Mathe voran gekommen. Nach dem ersten Jahr ging es immer mehr in diese Richtung. Und durch meinen späteren Doktorvater wurde ich zusätzlich für Mathematik begeistert.

Wie verlief Ihre weitere akademische Laufbahn?

Tillmann: Nach Brandeis kam Stanford, wo ich 1987 auch promoviert habe. Zwischendurch war ich ein Jahr in Oxford in England tätig, aber auch ein halbes Jahr in Bielefeld. Schließlich bin ich in Oxford geblieben, weil dort renommierte Professoren auf meinem Gebiet tätig sind.

Wie haben Sie als junge Deutsche das Studium im Ausland empfunden?

Tillmann: Es war sehr spannend. Die Möglichkeiten zum Kontakt nach Hause waren nicht so gegeben wie heute - es gab keine E-Mails und das Fliegen war sehr teuer und deshalb für mich nur einmal im Jahr möglich. Das Zimmer hat man sich mit einer Kommilitonin geteilt. Und wenn ich nach Hause telefonieren wollte, habe ich vorher die ganze Woche 25-Cent-Stücke gesammelt, die dann im Münztelefon rasend schnell verbraucht waren.

Worin unterscheiden sich die Universitäten in England von denen in Deutschland?

Tillmann: Bei uns in Oxford gibt es ein spezielles System. Da werden die Studenten einmal in der Woche einzeln oder zu zweit von einem Professor unterrichtet; das bringt wirklich etwas.

Könnten Sie sich vorstellen, nicht an einer Universität zu arbeiten, wo auch gelehrt wird, sondern in einem Institut, wo Sie nur forschen könnten?

Tillmann: Nein, das wäre nichts für mich. Ich unterrichte gern, und das Feedback von den Studenten gibt immer wieder auch Denkanstöße, um die eigenen Ideen und Ansätze weiter zu entwickeln.

Kann man Bezüge zu Ihrer Arbeit auch im Alltag wiederfinden?

Tillmann: Durchaus, es gibt einige praktische Anwendungen, die aus meinem Gebiet kommen. Zum Beispiel in der Farbenindustrie, wenn es um das Mischungsverhalten verschiedener Farben geht.

Haben Sie noch einen guten Draht nach Vreden?

Tillmann: Auf jeden Fall, besonders natürlich nach Ammeloe zu meiner Familie und meinen Bekannten. Meine Schule habe ich auch wiedergesehen und vor einigen Jahren meinen Mathelehrer, Herrn Bomholt. Und ich freue mich schon darauf, morgen bei der Kirchenchor-Probe in Ammeloe mitzusingen.

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