Betreutes Wohnen: Wie funktioniert das in Corona-Zeiten?

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Eine Vredenerin ist in einer Einrichtung für betreutes Wohnen am Coronavirus gestorben. Wir haben das zum Anlass genommen, ganz allgemein nach der Situation in diesen Einrichtungen zu fragen.

Vreden

, 03.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das betreute Wohnen, oder offiziell Servicewohnen, ist eine Mischform zwischen privater Wohnung und Pflegeeinrichtung. Wie gehen diese Einrichtungen mit dem Coronavirus um? Was kann man den Bewohnern vorschreiben und wie fühlen die sich gerade? Hier kommen Fragen und Antworten zum Thema.

? Was ist eigentlich Servicewohnen?

Für das Servicewohnen sind meist ganze Häuser reserviert. Die Bewohner mieten eine Wohnung und führen dort einen eigenständigen Haushalt. Sie haben einen Haus-Notruf und werden je nach Bedarf von einem Pflegedienst betreut. Die Teilnahme an gemeinsamen Aktionen mit den anderen älteren Leuten im Haus ist freiwillig.

In Vreden betreibt das Klinikum Westmünsterland zum Beispiel einen Wohnpark am Krankenhaus und das „Weiße Haus“ im Stadtpark. Das Deutsche Rote Kreuz bietet Wohnungen in der „Alten Post“ an.

Die Einrichtung „Zur Alten Post“ in Vreden wird vom DRK betrieben.

Die Einrichtung „Zur Alten Post“ in Vreden wird vom DRK betrieben. © Markus Gehring

? Dürfen die Bewohner im Moment ihre Wohnräume verlassen?

Ja, denn die Wohnungen sind ganz normale Privaträume. „Es gelten die gleichen Beschränkungen wie für jeden Bürger derzeit. Sie dürfen ihre Wohnungen also grundsätzlich verlassen, wenn sie die aktuellen Sicherheitsbeschränkungen einhalten“, erklärt Michael Brinkmöller, Bereichsleiter Altenhilfe im Pflegenetz Westmünsterland.

Susanne Biallas, Pflegedienstleitung beim DRK, ergänzt: „Wir haben den Bewohnern natürlich empfohlen, so gut es geht in den Wohnungen zu bleiben. Auch der Kontakt untereinander ist ziemlich runtergefahren.“

? Dürfen sie Besuch bekommen?

Theoretisch ja. „Wir können es den Angehörigen nicht verbieten, wie das zum Beispiel in einem Pflegeheim geht. Aber wir haben dringend von Besuchen abgeraten und dafür gibt es auch viel Verständnis“, sagt Susanne Biallas. Genauso handhabt es das Klinikum Westmünsterland.

? Wie gehen die älteren Menschen mit den Einschränkungen um?

Die meisten haben Verständnis. Doch nicht alle verstehen, was da gerade passiert. Gerade in der Vredener DRK-Einrichtung wohnen viele Menschen mit Demenz. „Sie merken, dass die Liebsten nicht mehr kommen, aber sie wissen nicht, warum“, berichtet Susanne Biallas. Gleichzeitig schreiten die Krankheiten weiter fort.

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Auf der anderen Seite brauchen Demenz-Patienten ihre tägliche Routine. Warum sie morgens nicht mehr zum Bäcker oder wie jeden Mittwoch zum Friseur gehen dürfen, ist da manchmal schwer zu erklären.

? Sind die Einrichtungen auf eine solche Pandemie vorbereitet?

Ja. Beim DRK zum Beispiel gibt es einen Pandemie-Plan. Der tritt auch bei anderen Krankheiten in Kraft, etwa bei der Influenza. „Der wurde jetzt an das Coronavirus angepasst und wird auch ständig nach den aktuellsten Richtlinien des Robert-Koch-Instituts aktualisiert“, so Susanne Biallas.

Das Klinikum Westmünsterland betreibt das Servicewohnen am Vredener Krankenhaus.

Das Klinikum Westmünsterland betreibt das Servicewohnen am Vredener Krankenhaus. © Markus Gehring

In dem Plan steht zum Beispiel, dass unter anderem Friseure, Fußpfleger oder Therapeuten nicht mehr in die Einrichtung kommen. Auch Gemeinschaftsangebote fallen weg. So ist es auch beim Klinikum Westmünsterland.

? Wie kommen die Menschen denn gerade an Lebensmittel oder Medikamente?

Beim Klinikum Westmünsterland gibt es einen kostenlosen Einkaufsservice durch den eigenen Pflegedienst. Zweimal wöchentlich wird alles Notwendige besorgt und vorbeigebracht.

? Wie gehen die Mitarbeiter mit der Situation um?

Alle Mitarbeiter tragen einen Mund- und Nasenschutz und Handschuhe. „Darüber hinaus versuchen sie natürlich, möglichst Abstand zu halten und sich so kurz wie möglich in den Haushalten aufzuhalten“, erklärt Michael Brinkmöller.

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Bei positiv getesteten Personen tragen sie eine komplette Schutzausrüstung mit speziellen Masken, Brille, Haarschutz, Kittel und Handschuhen. „Diese Materialien werden bei keinem anderen Patienten getragen“, so Michael Brinkmöller.

? Was passiert, wenn es einen Corona-Fall im Servicewohnen gibt?

Im Grunde genau das, was immer passiert. Wenn es der Gesundheitszustand zulässt, wird die betroffene Person in der eigenen Wohnung unter Quarantäne gestellt. Sie wird entweder vom Hausarzt oder von einem Pflegedienst betreut. Im Notfall wird der Patient in ein Krankenhaus eingewiesen.

Wenn mehrere Fälle nachgewiesen werden, sei es auch möglich, die gesamte Einrichtung samt Pflegepersonal unter Quarantäne zu stellen, sagt Susanne Biallas.

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